Kolumbien, das Liebes-Labor von Facebook | Amerika - Die aktuellsten Nachrichten und Informationen | DW | 25.09.2018
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Online-Dating

Kolumbien, das Liebes-Labor von Facebook

Mit der Einführung einer Dating-Funktion will Facebook sein Image verbessern und zugleich einen Anteil am millionenschweren Dating-Markt erobern. Doch warum sind Kolumbianer die Versuchskaninchen?

Facebook möchte, dass seine Nutzer mehr Freundschaften schließen, nicht nur virtuelle. Während der diesjährigen "F8 Developer Conference" kündigte das US-Unternehmen eine Dating-Funktion für Facebook an - und versucht damit, am Erfolg anderer Dating-Portale wie Tinder, Grindr, Lovoo, Planet Romeo oder OkCupid teilzuhaben.

Kritiker argumentieren, dass die Skandale um Leaks, Manipulation und Verkauf von Daten von über 87 Millionen Facebook-Nutzern, an denen die britische Firma Cambridge Analytica beteiligt war, Facebook einen erheblichen Verlust an Glaubwürdigkeit beschert hat. Das verlorene Vertrauen will Facebook nun mit einem Angebot wiederherstellen, das die persönlichen Bedürfnisse seiner Nutzer in den Mittelpunkt stellt, weniger die Interessen an der politischen Welt.

Nun kann man also auf Facebook den Traummann oder die Traumfrau treffen, vorausgesetzt, man ist in Kolumbien einsam. Das Facebook-Dating ist in dem südamerikanischen Land ab sofort für Android und iOS verfügbar. Nutzer können ein spezielles Profil generieren und einen Partner in Kolumbien oder dem Rest der Welt finden. Die Dating-Funktion von Facebook ist in die Social-Network-Plattform integriert, obwohl die Nutzer eine spezielle App herunterladen und ein gesondertes Profil für das Dating einrichten müssen.

Warum Kolumbien?

Facebook hat Kolumbien als Testumgebung ausgewählt, weil das Land ein "übertragbares homogenes Verhalten" aufweist, so Nathan Sharp, Manager bei Facebook Dating, laut dem Portal "Dating Sites Reviews". Mit 50 Millionen Einwohnern und mehr als 20 Millionen Nutzern ist Kolumbien für Facebook und auch andere US-amerikanische und europäische Unternehmen, die auf dem lateinamerikanischen Markt Fuß fassen wollen, eine Art südamerikanisches "Haßloch". Die deutsche Gemeinde Haßloch in Rheinland-Pfalz mit ihren 20.000 Einwohnern ist der Testmarkt für neue Funktionen in Deutschland.

USA Familie Zuckerberg (picture-alliance/dpa/Ha/FACEBOOK/Courtesy Of Mark Zuckerberg )

Er braucht keine Dating-App mehr: Facebook-Chef Mark Zuckerberg mit Frau Priscilla und Tochter Max (2017)

Kolumbien ist weltweit eines der Länder mit der dichtesten Internetabdeckung. Ende Dezember 2017, so das kolumbianische Ministerium für Informations- und Kommunikationstechnologien, waren 98 Prozent der 1.103 Gemeinden des Landes an das Mobilfunknetz angeschlossen. 793 Gemeinden verfügten über schnellen Zugang mit LTE. In abgelegenen Regionen des Landes installierte die Regierung des ehemaligen Präsidenten Juan Manuel Santos 1.125 kostenlose WiFi-Hotspots.

Angebot für Singles und Seitenspringer

Die neue Dating-Funktion bietet ihren Service unabhängig vom regulären Profil auf Facebook an. Die Nutzer in Kolumbien werden aktiv eingeladen, ein exklusives Dating-Profil einzurichten. Die neuen Kontakte sollen sich natürlich, so Facebook-Manager Nathan Sharp, zu dauerhaften Beziehungen entwickeln und nicht auf dem Niveau heimlicher One-Night-Stands bleiben.

Vor einer schmuddeligen Fleischbeschau, wie sie bei manchen anderen Dating-Portalen durchaus üblich ist, braucht man sich als sittsamer Facebook-Nutzer jedenfalls nicht zu fürchten. Die neue Dating-Funktion beschränkt sich auf Textnachrichten und verzichtet auf Videos, Nacktfotos oder Links. Datenschützer dürften trotzdem alarmiert sein. Ab jetzt weiß Facebook nicht nur, für wen man bei der letzten Wahl gestimmt hat, sondern auch mit wem man sich in der Zeit vor und nach dem Wahlgang gezankt hat - oder auch nicht.

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