Klimawandel: Wie verhindert man Waldbrände? | Welt | DW | 07.08.2022
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Klimawandel

Klimawandel: Wie verhindert man Waldbrände?

Waldbrände in Europa und den USA, die kaum noch unter Kontrolle zu bringen sind, sind klare Indikatoren für den Klimawandel. Wie lassen sich solche Feuer in Zeiten globaler Erwärmung eindämmen?

Große Waldbrände sind in der Erdgeschichte nichts Neues. Immer hat es sie gegeben, doch jetzt treten gehäuft Feuerherde auf, die heißer und länger brennen als bisher. Grund dafür ist der Klimawandel. Anhaltende Dürren machen Wälder leichter entflammbar. Blitze oder auch Brandstiftung richten öfter und mehr Schaden an. Bevor Feuerwehrleute sie eindämmen können, haben sich kleine Feuer bereits zu unkontrollierbaren Herden entwickelt. So war das auch 2019/2020 bei den großen Buschbränden in Australien. 24 Millionen Hektar Wald gingen in Flammen auf. Darunter Bäume, die bislang aufgrund ihres hohen Feuchtigkeitsgehalts immer verschont geblieben waren.

Und solange die Menschheit durch das Verbrennen fossiler Stoffe die Erderwärmung vorantreibt, wird das absehbar auch so bleiben. "Wir sind nicht auf dem Wege dahin, das Waldbrandrisiko zu senken", konstatiert Hamish Clarke, Forscher am Institut für Ökosysteme und Bewaldung an der Universität Melbourne, Australien. "Wir brauchen einen klaren Kurswechsel, dringend. Wir müssen ernsthaft die Emissionen von Treibhausgasen reduzieren."

Clarke ist Co-Autor eines Artikels, der im Januar 2022 die Risiken für weitere Buschfeuer in Australien eruiert hat und konstatiert, dass der "Klimawandel die Fähigkeit unseres Ökosystems sich anzupassen überstrapaziert" und dass "die Feuerbekämpfung am Scheideweg" steht. Die moderne Feuerbekämpfung muss sich an eine sich erwärmende Welt anpassen - und dafür gibt es diverse Strategien, die hier im Folgenden aufgeführt werden sollen.

Feuer mit Feuer bekämpfen

Kontrollierte oder "angeordnete" Feuer in den kühleren Monaten sind eine Lösung. Sie sorgen dafür, dass schlicht weniger Anzündholz vorhanden ist, welches sich im Sommer zu Riesenfeuern entwickeln könnte. In Waldbrand-geplagten Ländern wie den USA, Australien, Spanien, Portugal, Kanada und Südafrika hat man damit seit Jahrzehnten bereits gute Erfahrungen gemacht. Diese Strategie sei "sehr effektiv", so Experte Victor Resco de Dios, Professor für Forstwirtschaft an der Universität Lleida in Spanien.

Griechenland | Waldbrand auf Lesbos

Waldbrand auf griechischer Insel Lesbos, Juli 2022

Heutzutage müsste das kontrollierte Abbrennen aber auf "sehr großen Fläche geschehen, um effektiv zu bleiben", so Resco de Dios. In Ländern wie Griechenland müssten inzwischen bis zu 1,5 Millionen Hektar Wald per Dekret kontrolliert abgebrannt werden. Außerdem ist die Strategie nicht ohne Risiko: Im US-Bundesstaat New Mexico weitete sich ein eigentlich kontrolliertes Feuer zu einem der größten und verheerendsten Feuer in der Geschichte des Bundestaats aus. Der Klimawandel selbst erhöht also die Risiken bei dieser Methode. Jetzt soll die Strategie erstmal ausgesetzt bleiben. Schon Ureinwohner in den USA und Australien wandten ähnliche Techniken an, lange bevor Europäer ihr Land betraten. Statt nur in den Wintermonaten kontrolliert Flächen abzubrennen, zündeten sie regelmäßig kleinere Flächen an. Denn schon ihnen war die Bedeutung der Wälder für die Biodiversität bewusst.

Drohnen zur Feuerbekämpfung

Vorsicht ist besser als Nachsicht, das gilt auch beim Feuermanagement. Wenn es aber doch zu Mega-Feuern kommt, hilft moderne Technologie. Satelliten von der NASA helfen schon jetzt Feuerwehrleuten weltweit dabei, mitzuverfolgen, in welche Richtung Großbrände sich ausbreiten. In letzter Zeit werden hierfür vermehrt aber auch Drohnen eingesetzt.

Portugal, Eiriz | Waldbrand

Feuerbekämpfung in Portugal

Finnland hat fast zu 75 Prozent bewaldet. Auch hier werden bei einem Feldversuch Drohnen genutzt, um den Wald von oben zu beobachten: "Wir entwickeln hier eine Drohnentechnologie, die auf Künstlicher Intelligenz beruht. Waldbrände werden dadurch sehr schnell entdeckt", so Professorin Eija Honkavaara, die Mitglied der Forschungsgruppe ist.

2019 brannten in Europa 400.000 Hektar Waldfläche ab, ein Jahr später waren es bereits 25 Prozent mehr. Victor Resco de Dios erwartet, dass selbst Nordische Länder in Zukunft mit Mega-Bränden zu tun haben werden. "Drohnen können helfen Echtzeitinformationen einzuholen, wie sich die Feuersbrunst entwickelt sowie wie hoch die Flammen stehen und welche Temperaturen das Feuer hat", so Honkavaara. Außerdem sind die Drohnen mit Sensoren ausgestattet, die es erlauben, selbst bei starker Rauchentwicklung Daten zu sammeln und so Rückschlüsse über die Heftigkeit des Brands zuzulassen. Das einzige Problem dabei ist, dass die Drohnen, um zuverlässig Daten zu liefern, stets eine gute Internetverbindung brauchen - die ist aber selbst in Finnland in abgelegenen Regionen nicht überall vorhanden.

Aufforstung an Klimawandel anpassen

Ein anderer Weg, um in Zukunft Waldbrände zu verhindern, ist Bäume zu pflanzen. Und zwar nicht solche Arten, die in der jeweiligen Klimazone heimisch sind, sondern solche, die eher in wärmeren Gefilden zuhause sind und wärmere Temperaturen quasi kennen. Sie müssen dürreresistenter sein, um fit zu sein für die Zukunft in Zeiten des Klimawandels. "Wir müssen jetzt schon bedenken, wie das Klima in Zukunft sein wird", so Resco de Dios.

Südafrika | Wiederaufforstung in Kapstadt

Heute schon die Bäume für Morgen pflanzen - das könnte eine Lösung sein, wie hier in Südafrika

"Wir müssen jetzt schon Bäume pflanzen, die sich an das Klima, das in einigen Jahrzehnten vorherrschen wird, anpassen können. Für viele Bäume sei das Klima dann schlicht nicht mehr das passende. Das Ganze erfordere aber ein enges Forstmanagement und strenge Regenerationsmaßnahmen von abgebrannten Gebieten." Denn, so ist sich Resco de Dios sicher: "Wenn wir einfach nur Bäume pflanzen und diese dann vergessen, dann pflanzen wir jetzt schon die zukünftigen Buschbrände.".

Adaptiert aus dem Englischen von Friedel Taube.

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