Klimawandel bedroht UNESCO-Welterbe weltweit
9. April 2026
Kriege und Revolutionen bedrohen seit Langem nationale Kulturerbestätten, zuletzt etwa in Iran und in der Ukraine. Doch inzwischen ist eine neue Gefahr hinzugekommen: der Klimawandel.
UNESCO-Welterbestätten - von den 4000 Jahre alten Pyramidentempeln im Irak bis zu den berühmten, etwa 1500 Jahre alten Statuen der Osterinsel - sind zunehmend von Erosion und Verfall betroffen. Steigende Temperaturen, stärkere Stürme und Dürren setzen den Materialien zu. Eine Studie von 2025 zeigt: 80 Prozent der Welterbestätten stehen unter Klimastress, weil sich uralte Baumaterialien wie Holz und Stein an die steigenden Temperaturen kaum anpassen können.
Hier sind einige besonders gefährdete Orte:
"Wiege der Zivilisation": Zikkurat von Ur
Tausende Jahre Geschichte könnten ausgelöscht werden, denn der Süden des Irak wird immer heißer. Die steigenden Temperaturen verursachen starke Erosionen.
Mitten in einer Wüstenlandschaft liegt die berühmte Zikkurat von Ur, ein 4000 Jahre alter Tempel zu Ehren des Mondgottes Nanna. Das Bauwerk zerfällt zunehmend. Wanderdünen und starke Winde greifen die Struktur an.
Zusätzlich wird das Grundwasser als Folge von Hitze und Dürre immer salzhaltiger. Es greift die Lehmziegel der alten mesopotamischen Tempel an. "Diese Salzablagerungen sind eine Folge des Klimawandels", bestätigt Kazem Hassoun von der Antikenbehörde in der Provinz Dhi Qar. Die Salzkristalle dringen in das Material ein, dehnen sich aus und zerstören es nach und nach.
Die Ruinen der antiken Stadt Babylon am Euphrat sind ebenfalls bedroht: Hohe Salzwerte greifen auch hier die Bausubstanz an. Archäologen versuchen gegenzusteuern - etwa mit entsalzten Lehmziegeln, hergestellt nach jahrtausendealten Methoden.
Die Moscheen von Isfahan, Iran
Derzeit bedroht der Krieg die historischen Stätten Irans besonders stark. Doch auch der Klimawandel hinterlässt hier deutliche Spuren. Betroffen sind unter anderem die historischen Moscheen in der iranischen Stadt Isfahan.
Die Freitagsmoschee zeigt die Entwicklung der Moscheearchitektur über zwölf Jahrhunderte. Ihr Bau begann im Jahr 841 und wurde immer wieder erweitert und restauriert. Laut UNESCO gilt sie als "Museum iranischer Architektur". Mit ihren beeindruckenden Kuppeln und aufwendigen Stuckarbeiten diente sie als Vorbild für religiöse und Bildungsbauten in weiten Teilen der Region - von Iran bis nach Irak und Syrien.
In der Nähe befindet sich der Meidān-e Emām, ein weitläufiger Platz aus dem 17. Jahrhundert. Dort steht unter anderem die berühmte Imam-Moschee mit ihrer blauen Kuppel und kunstvollen Kalligrafie.
Doch die Gebäude stehen auf einem instabilen Boden - er senkt sich ab, verursacht durch immer niedrigere Grundwasserspiegel infolge von Dürre. Extreme Temperaturen und stark schwankende Luftfeuchtigkeit setzen den Bauwerken zusätzlich zu.
Die UNESCO warnt: Dieser langsame Prozess könne ohne Gegenmaßnahmen zu Rissen und Instabilität führen - im schlimmsten Fall zum Einsturz.
Die Moai-Statuen der Osterinsel
Die berühmten Moai-Statuen auf Rapa Nui (Osterinsel) könnten laut einer Studie der Universität Hawai'i in wenigen Jahrzehnten immer öfter unter Wasser stehen.
Der Ort Ahu Tongariki mit seinen 15 monumentalen Figuren ist besonders gefährdet. Durch den steigenden Meeresspiegel drohen stärkere Wellen und Überschwemmungen, die laut der Studie aus dem Jahr 2025 mehr als die Hälfte der dortigen Kulturschätze gefährden. Und dies sei fatal für die lebendige Kultur und die Lebensgrundlage der Menschen auf Rapa Nui, so der Hauptautor der Studie, Noah Paoa. "Diese Stätten sind zentral für unsere für unsere Identität und Tradition", so Paoa. Zudem sei der Tourismus auf der Insel stark von ihnen abhängig. "Wenn wir nichts dagegen tun, könnte langfristig sogar der UNESCO-Welterbestatus der Insel gefährdet sein", befürchtet Paoa.
Die Chinesische Mauer
Die über 21.000 Kilometer lange Chinesische Mauer zählt zu den bedeutendsten Bauwerken der Welt. Sie wurde über mehr als zwei Jahrtausende hinweg errichtet und erweitert und steht seit 1987 auf der UNESCO-Welterbeliste. Doch auch sie ist bedroht.
Viele Abschnitte bestehen aus gestampfter Erde und sind anfällig für Wind, Regen und Salzablagerungen. Das führt zu Rissen, Zerfall und möglichen Einstürzen.
Nur etwa sechs Prozent der Mauer gelten heute als gut erhalten, rund die Hälfte ist bereits stark beschädigt oder verschwunden.
Forscher fordern dringend Schutzmaßnahmen – etwa durch natürliche Schutzschichten aus Moosen, sogenannte "Biokrusten".
Der Klimawandel bedroht also nicht nur die Natur, sondern auch das kulturelle Erbe der Menschheit und damit einen Teil unserer gemeinsamen Geschichte.