Klimakonferenzen: Rückwärts von Berlin nach Warschau | Global Ideas | DW | 19.11.2013
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Global Ideas

Klimakonferenzen: Rückwärts von Berlin nach Warschau

Je länger die Politiker auf den Weltklimagipfeln ihre Entscheidung hinauszögern, desto mehr schwindet die Hoffnung, dass der Klimawandel aufgehalten werden kann.

epa03938147 Preparations for the United Nations Climate Change Conference at the National Stadium in Warsaw, Poland, 06 November 2013. The UN Climate Change Conference COP19 will be held at the National Stadium in Warsaw from 11 to 22 November 2013. EPA/TOMASZ GZELL POLAND OUT

Im Fußballstadion im polnischen Warschau diskutieren die Delegierten aus aller Welt auf dem 19. Weltklimagipfel

Durch den Nebel der Warschauer Klimaverhandlungen betrachtet, ist es schwer zu glauben, dass es nur 18 Jahre her ist, dass Delegierte auf der ersten Konferenz der Vertragsparteien in Berlin (1995) noch vor Energie und Optimismus strotzten.

Damals waren sie der Überzeugung, durch gemeinsames Handeln die schlimmsten Auswirkungen der globalen Erwärmung verhindern zu können. Es gab große Reden von Politikern wie Helmut Kohl, dem damaligen deutschen Bundeskanzler und viele Stunden harter Verhandlungen, die mit der Erkenntnis endeten, dass der einzige Weg darin läge, dass die reichen Industrienationen rechtlich bindende Verpflichtungen akzeptieren, um ihre Treibhausgas-Emissionen zu reduzieren.

Für viele Entwicklungsländer lag der Klimawandel als Bedrohung noch in weiter Ferne. Ihre Priorität lag auf dem Wachstum ihrer Wirtschaft und der Verringerung der Armut. Die Gesundheit ihrer Umwelt konnte warten.

Angela Merkel

Angela Merkel: Die heutige Bundeskanzlerin war als deutsche Umweltministerin federführend beim ersten Weltklimagipfel (COP1) 1995 in Berlin.

Die Vorsitzende der COP war Deutschlands neue Umweltministerin, eine Frau aus dem Osten, die keiner kannte und die Angela Merkel hieß. Viele der Anwesenden glaubten, dass es ihr nicht gelingen würde, die Delegierten von 160 Nationen unter einen Hut zu bringen. Wie falsch sie doch lagen. Vielmehr steuerte Merkel die Verhandlungen zu einem gemeinsamen Konsens und legte die Grundsteine ​​des Kyoto-Protokolls.

Fortschritt blockieren - damals wie heute

Zu diesem Zeitpunkt schien die Aushandlung und Unterzeichnung des Protokoll nur im Schneckentempo voran zu kommen. Als Beamte und Politiker - nach zwei Jahren harter Arbeit - in Kyoto ankamen, gab es dramatische Szenen und Verhandlungsergebnisse in der letzten Sekunde. Man hatte die Nacht durchgearbeitet und war mit rechtsverbindlichen Zielen und einer Einigung aus den Debatten herausgekommen. Das schien nur ein kleiner Schritt zu sein, aber für jeden war klar, dass es sich dabei um einen ersten Schritt auf einer Reise handelte, an deren Ende die Rettung des Planeten stand.

Damals wie heute gab es Länder, die den Fortschritt blockierten und andere, die nach vorne gingen. Die Europäische Union wurde als Anführer gesehen, der den Klimaschutz als Geschäftschance verstand und auch die Notwendigkeit begriff, den Planeten gesund zu halten. Die Vereinigten Staaten waren der Buh-Mann, nur daran interessiert, ihren verschwenderischen Lebensstil zu erhalten und die Ölindustrie um jeden Preis zu schützen.

Schon beim ersten Weltklimagipfel (COP1) 1995 in Berlin waren die Vereinigten Staaten unter Druck geraten. Timothy Wirth, US- Unterstaatssekretär und Leiter der Verhandlungen, bewertete den Zustand der Verhandlungen drei Tage vor deren Abschluss: "Die US-Regierung wird sich zu nichts verpflichten, das sie nicht durchführen kann. Wir können von Glück sagen, wenn wir diesen Vertrag am Leben halten können. Ich denke, dass wir noch in den Jahren 2000, 2010 und 2020 über den Klimawandel reden werden."

2013, in Warschau, hat sich die Haltung seiner Regierung kaum verändert. Auch wenn Präsidenten kommen und gehen, und sogar bereit sind, zu handeln, bekommen sie doch nicht die notwendigen Gesetze durch die Instanzen. Die weltweit vermögendste Nation ist immer noch einer der größten Stolpersteine für einen Fortschritt.

Kompensation von Klimawandelfolgen verhandeln, statt Reduktion von Treibhausgasen

Die Europäische Union auf der anderen Seite hat sich seit den frühen Konferenzen in ihrer Größe verändert, sie besteht jetzt aus mehr als doppelt so vielen Staaten. Die Politik ist weitaus komplexer geworden. Die neuen osteuropäischen Länder gehören oft zu den Blockierern der europäischen, progressiven Politik. In den ersten sieben Tagen standen auch die polnischen Gastgeber unter Beschuss, weil sie offensichtlich ihren Kohlebergbau über die Interessen des Klimas stellen.

Autor und Journalist Paul Brown war bei allen Weltklimagipfeln.

Autor und Journalist Paul Brown war bei allen Weltklimagipfeln.

Aber die Wissenschaft ist sich immer sicherer, auch die Auswirkungen des Klimawandels treten immer deutlicher zutage, selbst wenn sich einige Dinge zum Besseren verändert haben. Die Entwicklungsländer bestehen nicht mehr auf einem wirtschaftlichen Fortschritt um jeden Preis. Ein Beispiel ist China. Das Land ist durch die offensichtlichen Auswirkungen des Klimawandels, Stürme und Dürren, bereits im Alarmzustand. Der Zusammenhang zwischen Umweltverschmutzung, Gesundheit und Klimawandel ist klar, sowohl dem chinesischen Politbüro, als auch dem Volk.
Die am wenigsten entwickelten Länder haben Angst vor dem Schaden, den ein wildgewordenes Klima für ihre fragilen Volkswirtschaften und die Menschen bedeuten würde. Sie bitten zunehmend verzweifelt um Hilfe aus der reichen Welt. Heute geht es weniger um die Reduzierung von Treibhausgasen, sondern viel mehr um die Anpassungen und die Kompensation der Auswirkungen des Klimawandels.

In Kyoto, 1997, schienen Wissenschaft und Politik noch Schritt zu halten, politisches Handeln war gleichauf mit wissenschaftlichen Warnungen. Seit der Jahrtausendwende haben sich beide Seiten getrennt. Die Politik zögert ihre Schritte hinaus, also schwindet die Hoffnung. Und je komplizierter die Verhandlungen werden, desto mehr rücken schlüssige Lösungen in weite Ferne.

Paul Brown hat alle COP Klimakonferenzen seit ihrem Beginn 1995 besucht. der Umweltjournalist war lange Jahre der Umwelt-Korrespondent für den britischen Guardian. Für die Akademie der Deutschen Welle hat er als Mentor eine Gruppe von jungen Journalisten aus der ganzen Welt zum UN Klimagipfel in Warschau begleitet. Die Ergebnisse ihrer Arbeit zeigt der Blog "Reporting on Climate Change" .

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