Klimagespräche: Ein Gehör für die schwächsten Länder | Wissen & Umwelt | DW | 05.05.2018
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Klimaschutz

Klimagespräche: Ein Gehör für die schwächsten Länder

Zur Vorbereitung von COP24 findet gerade die jährliche Tagung des Klimasekretariats in Bonn statt. Staaten aus der ganzen Welt melden sich dort zu Wort. Können sich die weniger entwickelten Länder dabei behaupten?

Als "dringlich" beschreibt Patricia Espinosa, Generalsekretärin der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC), die Situation des Klimas auf unserem Planeten bei der Eröffnung der jährliche Tagung des Klimasekretariats der Vereinten Nationen, die vom 30. April bis 10. Mai 2018 in Bonn stattfindet. Die Tagung dient der Vorbereitung der 24. Klimavertragsstaatenkonferenz im Dezember 2018 im polnischen Kattowitz.

Es ist nicht schwer zu erkennen, wer für diese Situation verantwortlich ist. Denn den Großteil der Treibhausgasemissionen haben die Industrienationen verursacht. Ärmere Länder im südlichen Asien, Afrika, dem Pazifik und der Karibik haben dagegen kaum zur Klimaerwärmung beigetragen - leiden dafür aber extrem unter den Folgen. Jene Länder fordern nun, dass dieses Ungleichgewicht bei den Klimagesprächen zur Sprache kommt.

"Die am wenigsten entwickelten Länder (LDCs) müssen die Opferrolle hinter sich lassen und sich aktiver an den Verhandlungen beteiligen", sagt Gebru Jember Endalew gegenüber der DW. Er ist Vorsitzender der Gruppe der LDCs bei den Verhandlungen in Bonn. "Wir sind keine passiven Zuhörer mehr, wir haben eine Art Führungsrolle übernommen."

Zusammen erwirtschaften die 47 LDC-Nationen weniger als zwei Prozent des Bruttosozialprodukts der Welt. Die Mehrheit (33) dieser Länder liegen in Afrika, weitere 13 sind in Asien und Ozeanien, eins in Lateinamerika. UN-Statistiken zufolge machen sie zwölf Prozent der Weltbevölkerung aus, aber nur ein Prozent des weltweiten Güterhandels. 

Die größten Verschmutzer sollen zahlen

Ein zentraler Punkt für die UNFCCC ist, dass die Industrienationen die LDCs bei ihren Bemühungen unterstützen sollten, sich an eine wärmere Welt anzupassen, sie aber auch ihre eigenen Emissionen verringern sollten.

"Die reiche Welt konnte sich im Wesentlichen deshalb entwickeln, weil sie ihren CO2-Ausstoß nicht gebremst hat", sagt Meena Raman, Forscherin des Third World Network gegenüber der DW. "Da sie deutlich mehr Verantwortung für die Umweltkrise trägt, sollte sie den Armen helfen."

Nach der Europäische Union erhalten die am wenigsten entwickelten Länder die größte Unterstützung bei der Klimafinanzierung, das internationale kirchliche Netzwerk ACT Alliance behauptete jedoch kürzlich, dass nur 19 Prozent dieser EU-Gelder die LDCs erreichen. Der größte Teil lande in Ländern mittleren Einkommens, etwa in der Türkei oder der Ukraine. In diesen Staaten in saubere Technologien zu investieren sei attraktiver als die Anpassungsfähigkeit in geschädigten Regionen zu verbessern.

2010 haben sich die EU und andere Industrienationen verpflichtet, ab 2020 jährlich 100 Milliarden US-Dollar an Klimahilfen bereitzustellen. Aber diese Gelder kommen nicht schnell genug. "Diese 100 Milliarden Dollar sind noch sehr, sehr weit weg", so Raman. "Es gibt keinen klaren Plan dafür, wie sie diese Ressourcen bereitstellen werden." Und selbst 100 Milliarden US-Dollar seien noch immer ein Tropfen auf den heißen Stein, angesichts der Herausforderungen, die der Klimawandel für die Entwicklungsländer darstellt.

Um Gehör kämpfen

In der Zwischenzeit läuft den LDCs die Zeit davon. Sie können nicht einfach darauf warten, gerettet zu werden. Yamide Dagnet, Leiterin Klimaverhandlungsprojekte beim World Resource Institute sagt, die Entwicklungsländer arbeiten hart daran, Lösungen zu finden. Eine Strategie ist, beim Talanoa Dialogue aktiv zu werden, einer Onlineplattform, die es der Zivilgesellschaft ermöglicht, sich in die UNFCCC-Verhandlungen einzubringen. Die Plattform legt einen besonderen Schwerpunkt auf die laufenden Gespräche in Bonn. Und hinsichtlich einer der kontroversesten Fragen bei den Verhandlungen könnte jetzt eine weitere Initiative zu einem großen Durchbruch für die LDCs führen.

Mauretanische Wandertierhalter „auf der Durchreise“ in Mali (GTZ / Dirk Betke)

Auch die ärmsten Länder der Welt müssen sich auf häufigere Dürren oder Überschwemmungen einstellen und dagegen wappnen

Der Suva Expert Dialogue in Bonn möchte, dass die reichen Länder den LDCs dabei helfen können, "Verluste und Schäden" zu bewältigen, die der Klimawandel bereits verursacht hat - von den direkten Auswirkungen extremer Wetterphänomene bis zu den daraus resultierenden Folgen  für die Wirtschaft des Landes. Bisher hat die Klimahilfe nur Emissionsreduktionen und die Anpassung an den Klimawandel abgedeckt.

Dagnet sagt, Verluste und Schäden seien bisher "ein sehr schwieriges Thema" gewesen, gegen das sich die Industrieländer wehren. Alleine das Thema auf die Tagesordnung zu setzen war ein hart erkämpfter Sieg für die Schwächsten der Welt.

Sich gegenseitig unterstützen 

Reichere Länder können ärmeren auch dabei helfen, Wissen und Ressourcen aufzubauen. Länder wie Deutschland beispielsweise, die erneuerbare Energietechnologien entwickelt haben, könnten diese nicht nur für ärmere Länder erschwinglich machen, sondern auch die örtliche Bevölkerung in dem Bereich ausbilden, findet Raman.

Aber Wissenstransfer kann auch anders funktionieren. Das Least Developed Countries Universities Consortium on Climate Change (LUCCC), das beim COP21 Klimagipfel gegründet wurde, ermöglicht es denjenigen, die am stärksten betroffen sind und die die wenigsten Ressourcen haben, zusammenzuarbeiten, einander zu unterstützen und von der Erfahrung der jeweils anderen zu lernen. 

"Es ist wirklich inspirierend zu sehen, wie sich die LDCs selbst organisieren. Sie können viel voneinander lernen", sagt Dagnet.

Die Industrienationen sind am Zug

Aber am Ende ist das, was die Ärmsten der Welt tun können, eben doch begrenzt. Bis die großen Verursacher ihr Verhalten ändern, wird das Problem nur größer und eine Lösung in weitere Ferne rücken.

Endalew sagt, die LDCs werden weiter dafür kämpfen, mehr Gehör zu finden, werden am Talanoa Dialogue teilnehmen und hart daran arbeiten, die Ziele von Paris zu erreichen. Aber ihre Bemühungen werden nichts bringen, wenn die reichen Länder nicht handeln.

"Meine Forderung an die Industrienationen ist, das Klima zu stabilisieren, sonst werden die Kosten für die Anpassung noch höher für uns", sagt Endalew. "Macht eure Hausaufgaben, seit ehrgeizig und reduziert eure Emissionen."

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