Klein, aber mein - Wie Studenten wohnen | Bildung | DW | 22.08.2011
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Bildung

Klein, aber mein - Wie Studenten wohnen

"Räum mal dein Zimmer auf!"

Derzeit leben nach Angaben des Deutschen Studentenwerks nur zwölf Prozent aller Studierenden in Wohnheimen. Wer wie Johannes keinen der begehrten Plätze ergattert, muss sich anderswo ein Dach über dem Kopf suchen. 37 Prozent der Studierenden entscheiden sich für eine Wohnung – alleine oder mit dem Partner. Die anderen Studenten leben je zu einem Viertel entweder bei den Eltern oder in einer privaten Wohngemeinschaft. Vor ein paar Jahren startete in mehreren Großstädten Deutschlands auch die Initiative "Wohnen gegen Hilfe". Das Konzept: Studierende bekommen ein Dach über dem Kopf, müssen dafür aber im Haushalt zur Hand gehen oder die Kinderbetreuung übernehmen.

Medizinstudent Harold Steguweit am Laptop in der Küche seiner Mutter (Foto: DW / Suzanne Cords)

Harold Steguweit wird wieder von seiner Mutter umsorgt

Der Medizinstudent Harold Steguweit ist nach einem Auslandssemester wieder bei seiner Mutter eingezogen. "Das war gerade so aus der Not geboren", sagt er. "Für einen Studenten ist das natürlich eine Kostenfrage." Die Wohnung liegt in der Nähe der Uni, Miete muss Harold nicht zahlen. Trotzdem hätte der 27-Jährige lieber seine eigenen vier Wände. "Naja, man bleibt im Elternhaus definitiv immer Kind", sagt er. Die Mutter umsorge einen. Aber dafür müsse man sich halt auch immer anpassen. "Das fängt an bei: Warum bist du nicht vor 12 Uhr zuhause? Und hört auf bei: Räum’ mal dein Zimmer auf."

Putzplan, Party, Pauken

Der russische Geographiestudent Vitali hat es geschafft, auf dem privaten Wohnungsmarkt ein kleines Appartement zu ergattern. Allerdings hat es etwas gedauert. "Ich hab vier Monate lang überall gesucht", erzählt er. So viel Zeit solle man sich schon lassen, rät Vitali. Der Student lebt mit seiner Freundin zusammen, das spare Miete. "Früher habe ich auch mal in einer WG gewohnt, aber da gab es viele Partys, und ich konnte nicht richtig lernen."

Die Serbin Tijana Milunovic beim Kochen mit einem Wohnheim-Mitbewohner (Foto: DW / Suzanne Cords)

Tijana Milunovic hat viele neue Freunde gefunden

Lange Zeit war die WG die beliebteste Wohnform unter Studenten. Doch im Moment gehe der Trend wieder zum Einzelzimmer, hat Cornelia Gerecke vom Kölner Studentenwerk festgestellt. In Zeiten von Bachelor- und Masterstudiengängen müssten die Studierenden ihr Lernpensum schneller durchziehen als frühe Generationen. "Wer allein wohnt, muss sich auch nicht mit Putzplan oder Küchendienst rumärgern", lächelt sie. Wenn WG-Bewohner sich nicht an Absprachen hielten und das Bad dann irgendwann völlig verklebt sei, komme es schon mal zu Reibereien. Meist klärten die Studierenden das untereinander, so Gerecke. Doch in ganz schlimmen Fällen stellt das Studentenwerk einen Mediator, der den Streit zu schlichten versucht.

Im Wohnheim der Serbin Tijana Milunovic ist man sich wegen unterschiedlicher Auffassungen von Sauberkeit auch schon in die Haare geraten. "Aber wir schaffen das", sagt die angehende Politikwissenschaftlerin. Nachdem sie ihre neue Bleibe anfangs eher abschreckend fand, fühlt sie sich mittlerweile rundum wohl. "Ich bin Ausländerin und brauche hier in einer ganz neuen Stadt natürlich neue Freunde." Im Wohnheim lebten alle friedlich und tolerant in einer Multi-Kulti-Atmosphäre zusammen, erzählt Tijana Milunovic. "Wenn die ganze Welt so wäre, das wäre ein perfekter Ort."

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