Klage von Ischgl-Urlaubern in Vorbereitung | Aktuell Europa | DW | 27.03.2020
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Corona-Hotspot

Klage von Ischgl-Urlaubern in Vorbereitung

Dass ein Ski-Urlaub Konsequenzen hat, ist nicht so ungewöhnlich. Ein gebrochenes Bein, zum Beispiel. Doch die Corona-Infektionen, die man sich in Tirol einfangen konnte, könnten folgenreicher sein.

Eine Sammelklage, die der österreichische Verbraucherschutzverein VSV vorbereitet, dürfte die Tiroler Behörden treffen wie eine Lawine: Rund 400 Ski-Urlauber könnten sich nach Angaben des Vereins zusammentun - wegen einer zu späten Reaktion auf den Beginn der Coronavirus-Epidemie. So viele Menschen haben sich bereits zwei Tage nach einem entsprechenden Aufruf gemeldet. Mehr als 350 von ihnen sind deutsche Ski-Urlauber. Die meisten hätten in Ischgl und im Paznauntal ihre Ferien verbracht.

Medienberichte reichten der Staatsanwaltschaft nicht

Gerade der populäre Wintersportort Ischgl gilt seit der exponentiellen Verbreitung des Erregers Sars-CoV-2 in Europa als eine Art "Krankheitsnest". Der VSV hat bereits Anzeige gegen den Tiroler Landeshauptmann Günther Platter sowie gegen Bürgermeister, Seilbahngesellschaften und weitere Behördenvertreter erstattet. Doch die Staatsanwaltschaft erklärte zunächst, dass sie allein auf der Grundlage gesammelter Medienberichte keine Ermittlungen einleiten werde. Auch daher werden die Fälle nun gesammelt.

Aus kommerziellen Gründen hinausgezögert?

Den Behörden in Tirol wird vorgeworfen, zu spät auf erste Anzeichen eines Ausbruchs in Ischgl reagiert und damit der Ausbreitung des Virus Vorschub geleistet zu haben. Der VSV erklärte, er such über seine Website weitere Zeugenaussagen, um zu belegen, "dass die Schließung des Skiresorts aus kommerziellen Gründen hinausgezögert wurde".

Österreich Corona-Pandemie Ischgl

Gerade beim geselligen Apres-Ski könnten sich viele Ski-Gäste und Personal gegenseitig angesteckt haben

Ischgl rückte in den Fokus, weil dort ein Barkeeper einer beliebten Après-Ski-Bar Anfang März positiv auf das Virus getestet wurde und zuvor zahlreiche Gäste angesteckt haben könnte. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft, ob der positive Coronavirus-Test einer Mitarbeiterin eines weiteren Gastronomiebetriebes in Ischgl Ende Februar nicht den Behörden gemeldet wurde.

Schließlich unter Quarantäne

Der Betrieb blieb Medienberichten zufolge stattdessen noch zwei Wochen lang geöffnet und wird inzwischen mit hunderten Corona-Fällen vor allem in Deutschland und Österreich, Dänemark und Norwegen in Verbindung gebracht. Andere Urlauber, die sich ebenfalls dort im Skiurlaub infizierten, kamen aus Kanada, Großbritannien, Island und Schweden.

Österreich Coronavirus Polizeikontrolle Ischgl (picture-alliance/APA/J. Gruber)

Abgebrochen: Urlauber verlassen das Paznauntal

Seit dem 18. März steht ganz Tirol unter Quarantäne. Manche Urlauber konnten die Gegend noch überstürzt verlassen. Am Freitag zählte Österreich mehr als 7000 Infizierte und 58 Tote.

ml/rb (afp, dpa)