UN: 273 Millionen Kinder weltweit besuchen keine Schule
25. März 2026
Rund um den Globus ist mindestens jedes sechste Kind von Bildung ausgeschlossen - nur zwei von drei Jugendlichen schließen die Sekundarschule ab. Das geht aus dem in Paris veröffentlichten Weltbildungsbericht "Access and Equity" (Zugang und Chancengerechtigkeit) der UN-Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) hervor.
Danach haben im Jahr 2024 rund 273 Millionen Minderjährige keine Schule besucht. Wahrscheinlich liege diese Zahl sogar um 13 Millionen höher, weil Daten aus zehn Krisenländern fehlten, heißt es in dem Bericht weiter.
Wachsende Bevölkerung, Krisen, weniger Geld
Hauptgründe für diese Zahlen sind laut der UN-Organisation Bevölkerungswachstum, Krisen und sinkende Bildungsetats. Besonders stark sei der Trend in afrikanischen Ländern südlich der Sahara.
Dramatisch sei die Lage auch in Regionen, die von Konflikten betroffen sind. So hätten im Nahen und Mittleren Osten etwa die regionalen Spannungen zahlreiche Schulschließungen nach sich gezogen.
Angesichts der aktuellen Zahlen drohe die Weltgemeinschaft ihr selbst gestecktes Ziel zu verfehlen, bis 2030 für alle Menschen inklusive, chancengerechte und hochwertige Bildung sicherzustellen. Das heiße aber nicht, dass der Ansatz grundsätzlich gescheitert sei, so die Autoren des Berichts. Fortschritte seien gleichwohl möglich.
Beispielhaft verweist die UNESCO-Studie darauf, dass einige Länder die Zahl junger Menschen, die keine Schule besuchen, seit dem Jahr 2000 um mindestens 80 Prozent gesenkt hätten. Dazu gehörten Madagaskar und Togo bei Kindern, Marokko und Vietnam bei Jugendlichen sowie Georgien und die Türkei bei jungen Erwachsenen.
Mangelnde Bildungsgerechtigkeit in Deutschland
Deutschland liegt bei der Bildungsgerechtigkeit hinter anderen europäischen Staaten zurück. "Fast vier von fünf Kindern aus wohlhabenden Haushalten, aber weniger als eines von drei Kindern aus benachteiligten Haushalten erhalten eine Gymnasial-Empfehlung", heißt es im Weltbildungsbericht.
Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund gehörten zu einer besonders betroffenen Gruppe. Die Bildungsverläufe von Zugewanderten werden demnach stark vom Alter bei ihrer Ankunft in Deutschland geprägt. Von denjenigen, die vor dem sechsten Lebensjahr eingewandert sind, schafft etwa die Hälfte einen Berufsabschluss oder das Abitur. Bei denen, die bei ihrer Ankunft in Deutschland zwischen 14 und 18 Jahre alt waren, sind es nur noch 38 Prozent.
Die Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission, Maria Böhmer, bezeichnete die Studie als "Weckruf". Es sei entscheidend, Benachteiligungen früh abzubauen und öffentliche Mittel so einzusetzen, "dass sie dort ankommen, wo der Unterstützungsbedarf am größten ist". Sie verwies auf das Startchancen-Programm, das Schulen mit besonderen Herausforderungen unterstütze.
se/gri (kna, epd, afp, dpa)