Kevin Kuranyi: ″Die WM lässt mich etwas ratlos zurück″ | FIFA WM 2018 in Russland | DW | 16.07.2018
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WM-Kolumne

Kevin Kuranyi: "Die WM lässt mich etwas ratlos zurück"

Frankreich hat sich den WM-Titel zwar verdient, aber wenig spektakulären Fußball gezeigt, findet Kevin Kuranyi. In seiner letzten WM-Kolumne zieht er seine persönliche Turnierbilanz.

Erst einmal muss man Frankreich zum WM-Titel gratulieren. Als Mannschaft haben sie das nicht so schlecht gemacht. Allerdings war es insgesamt nicht so ein interessanter Fußball, den die Franzosen gezeigt haben. Vor allem im Halbfinale gegen Belgien haben sie mir überhaupt nicht gefallen. Alle haben während des gesamten Turniers zusammen defensiv gearbeitet und haben dann auf ihre schnellen Spieler wie Kylian Mbappé und Antoine Griezmann gesetzt. Besonders schön anzusehen war das nicht. Das Spiel der Equipe Tricolore wirkte insgesamt auch ziemlich einfallslos und uninspiriert. Aber der Erfolg gibt ihnen am Ende Recht.

Es war aber auch eine WM, in der es nicht so schwer war, Weltmeister zu werden. Es gab nur ein paar Spiele auf spielerisch hohem Niveau. Bei Spanien gegen Portugal zum Beispiel ging es richtig hin und her. Ansonsten war das Niveau okay, aber nicht auf höchstem Level. Der Unterhaltungsfaktor war in vielen Spielen nicht sonderlich hoch. 

Kroaten können stolz sein

Einen neuen, fortschrittlichen Trend konnte ich auch nicht erkennen. Die vielen Standard-Tore und die defensive Spielweise der meisten Teams waren das Einzige, was auffällig war. So destruktive Spielweisen gab es aber schon immer. Wirkliche Neuerungen haben ich nicht erkennen können. In dieser Frage lässt mich die WM etwas ratlos zurück.

Russland WM 2018 Frankreich gegen Kroatien (Reuters/K. Pfaffenbach)

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Die Kroaten haben wenigstens versucht, spielerische Akzente zu setzen und haben den Titel nur ganz knapp verfehlt. Sie können jedenfalls stolz sein auf ihre Leistung bei dieser WM. Sie sind daran gescheitert, dass sie zweimal in den Ausscheidungsspielen in die Verlängerung gegangen sind. Die körperliche Belastung war für die Spieler zu hoch. Zumindest im Vergleich zu den anderen Mannschaften, weil die Kroaten ja auch nicht über eine so breite Qualität auf der Ersatzbank verfügen. Meist standen ja die selben elf Spieler auf dem Platz.

Meine Frau Viktorija ist auch Kroatin. Und sie ist, genau wie das ganze Land, stolz auf die Mannschaft. Ärger über die Final-Niederlage existiert zwar, aber das wird schnell wieder vergehen. Ganz Kroatien ist begeistert von diesem Team.

Russische Bevölkerung wird von WM profitieren

Positiv hervorzuheben ist auf jeden Fall die gute Stimmung, die es in ganz Russland während der WM gab. Die Menschen waren wirklich herzliche Gastgeber. Alles war hervorragend organisiert, alle Besucher haben sich sicher gefühlt. Das Land wird von dieser WM profitieren. Viele Fußball-Fans werden sicher nochmal wiederkommen, um hier vielleicht Urlaub zu machen und die Städte besser kennenzulernen.

WM Russland 2018 Pokal (picture allianceOffside/S. Stacpoole)

Die Fans sorgten für eine bunte Weltmeisterschaft 2018

Ich selbst bin nach einer sehr intensiven Zeit mit vielen Flugreisen froh, wieder nach Hause zu kommen. Jetzt noch Koffer packen, mich mit ein paar alten Freunden aus Moskau treffen und einen guten Abschluss finden. Am Dienstag geht es dann auch für mich zurück nach Deutschland.

Kevin Kuranyi begleitet die WM in Russland als DW-Kolumnist und TV-Experte der ARD. Er besitzt drei Staatsbürgerschaften von WM-Teilnehmern: Deutschland, Panama und die seines Geburtsland Brasilien. Für die DFB-Elf hat er 52 Spiele absolviert, wurde 2008 mit ihr Vize-Europameister. Nach einem Zerwürfnis mit Bundestrainer Joachim Löw, das Kuranyi im DW-Interview als "größten Fehler, den ich in meiner Fußballkarriere gemacht habe", bezeichnete, spielte er fünf Jahre lang in Russland und beendete 2017 seine aktive Laufbahn.

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