Keine BMW und Mercedes mehr auf der 5th Avenue? | Wirtschaft | DW | 06.07.2018
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Strafzölle auf Autos

Keine BMW und Mercedes mehr auf der 5th Avenue?

US-Präsident Trump will keine BMW und Mercedes mehr auf der 5th Avenue in New York sehen. Er werde im Handelskonflikt nicht ruhen, bis es soweit sei. Doch wie soll das funktionieren? Anne Schwedt aus New York.

Die 5th Avenue in New York City. Hier reiht sich ein Markengeschäft an das nächste. Ein Schaulaufen der Reichen und Schönen. Auf der Straße die teuersten Luxus-Fahrzeuge. Darunter auch die neuesten Modelle von Mercedes und BMW. Wenn es nach Präsident Trump geht, fahren die hier bald aber nicht mehr.

Bereits im Wahlkampf versprach Trump, der amerikanischen Wirtschaft zu helfen, Jobs zu schaffen und die einheimische Produktionen anzukurbeln. Andere Länder, die Waren in sein Land importieren? Ein großer Dorn im Auge. Deutsche Luxusautos, die tagtäglich am Trump Tower vorbei auf der 5th Avenue fahren, waren für ihn wohl eine Versinnbildlichung von all dem, was er nicht will.

So soll Trump im April zu Frankreichs Präsident Macron gesagt haben, er werde den Handelskrieg so lange führen, bis er keine Mercedes Benz und BMW mehr auf der 5th Avenue sieht. Wie will er dieses Ziel nun also erreichen?

USA New York - Mercedes Benz auf der 5th Avenue (picture-alliance/dpa/R. Jensen)

Mitten im Herzen von Manhattan: Mercedes Benz-Niederlassung auf der 5th Avenue

Szenario 1: 25 Prozent Zölle auf Autos aus der EU

Wenn Autohersteller aus der EU plötzlich zwischen 20 und 25 Prozent auf Autos zahlen müssten, die sie in den USA verkaufen wollen - dann wären bald alle Mercedes und BMW von der 5th Avenue verschwunden. Das muss sich Trump gedacht haben, als er vergangenen Monat per Twitter mit diesen Zöllen drohte.

Klingt zunächst logisch, findet auch Automarkt Analyst Efraim Levy. "Die Zölle würden dann sehr wahrscheinlich an die Konsumenten weitergegeben werden”, sagt er. Wenn die Preise für deutsche Autos steigen, würden weniger Menschen kaufen.

Würden ehemalige BMW und Mercedes-Fahrer deshalb aber jetzt auf eine amerikanische Automarke umschwenken? "Ich fahre seit 20 Jahren Mercedes", sagt ein Benz-Fan in Manhattan. Notfalls würde er auch mehr dafür bezahlen. Auch ein junger BMW-Fahrer auf der 5th Avenue würde seiner Marke treu bleiben. "Amerikanische Autos gefallen mir nicht", sagt er. Er würde dann eher ein billigeres Modell eines deutschen Autos kaufen.

Bisher lassen sich die Kunden also von Trumps Drohungen nicht beirren. Die stabilen Absatzzahlen von Mercedes- und BMW-Autohändlern in den USA bestätigen das. "Ich glaube, viele Leute warten erst einmal darauf, was tatsächlich passiert" sagt Levy. "In der Vergangenheit hat Trump auch oft was Großes angedroht und dann wurde es doch nicht so stark umgesetzt." Und selbst wenn Trump mit seiner Drohung wahr macht - alle BMW und Mercedes bekommt er dadurch nicht von der 5th Avenue.

Bilanz aus diesem Szenario:

- Neue Arbeitsplätze bei amerikanischen Autoherstellern: Wenige.

- Geld in der Staatskasse: 25 Prozent auf alle importierten europäischen Autos (rund 5,2 Milliarden Dollar pro Jahr)

- Mercedes und BMW auf der 5th Avenue: Wohl etwa genauso viele, aber womöglich billigere Modelle.

Szenario 2: Keine Autozölle zwischen den USA und der EU

Diese Null-Lösung hat der US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, diese Woche den Chefs deutscher Autobauer vorgeschlagen. Klingt nach dem kompletten Gegenteil von dem, was Trump zuvor angedroht hat. Und auch wenn es für die EU im Vergleich zum ersten Szenario zunächst einmal nach der besseren Option aussieht, gewinnen doch die USA.

Bisher müssen die USA für Autoimporte in die EU Zölle in Höhe von durchschnittlich zehn Prozent zahlen. Auf Autos, die aus der EU in die USA kommen, fallen hingegen nur 2,5 Prozent an. Was würde so ein Null-Zollabkommen also bedeuten? Amerikanische Autos würden in der EU möglicherweise zehn Prozent billiger werden. Würden Europäer deshalb dann massenhaft Marken aus den USA kaufen? Eher unwahrscheinlich. Gleichzeitig kann Deutschland Mercedes und BMW zollfrei auf die 5th Avenue bringen

BMW-Werk Spartanburg in den USA (picture-alliance/dpa)

Größtes BMW-Werk der Welt: Spartanburg, Bundesstaat South Carolina

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Doch wie groß ist die Bereitschaft der EU für einen solchen Deal wirklich? Was Trump bei seinen Überlegungen nicht vergessen darf, ist, dass deutsche Autobauer einen Großteil ihrer Fahrzeuge für den US-Markt bereits in den USA herstellen. Sie machen also genau das, was Trump eigentlich will: Jobs schaffen. BMW hat sein weltweit größtes Werk in South Carolina. Mercedes beschäftigt in den USA rund 24.000 Mitarbeiter direkt und weitere 150.000 indirekt durch beispielsweise Zulieferungen.

Viele Autos, die deutsche Autobauer in den USA herstellen, bleiben nicht einmal dort. BMW exportiert mehr als 70 Prozent seiner jährlichen US-Produktion von den USA in andere Länder. Einer der größten Abnehmer dabei: China - das Land mit dem Trump nun offiziell einen Handelskrieg begonnen hat. Gegenzölle aus China treffen somit also auch europäische Autobauer. Und das obwohl die EU mit China in gar keinem Handelskonflikt steht.

Deutsche Autobauer in den USA könnten daraus nun zwei Konsequenzen ziehen. Autos, die sie in den USA herstellen, in den USA lassen. Das würden mehr BMW und Mercedes auf der 5th Avenue bedeuten. Oder aber ihre Produktion für den chinesischen Markt direkt nach China verlegen. Das würde die USA tausende Arbeitsplätze kosten.

Bilanz aus diesem Szenario:

- US-Arbeitsplätze: Tausende in Gefahr.

- Geld in der Staatskasse: Ersparnis von zehn Prozent an Zöllen auf Autoimporte in die EU (rund 5.7 Milliarden Dollar pro Jahr).

- Mercedes und BMW auf der 5th Avenue: Mehr als vorher.

Wie Donald Trump es also auch macht, die BMW und Mercedes auf der 5th Avenue wird er nicht los. Sie gehören nämlich genauso zum Bild dieser Straße wie der Trump Tower.

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