Katharina von Bora – die Lutherin | Kultur | DW | 12.10.2013
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Kultur

Katharina von Bora – die Lutherin

Sie war die Ehefrau von Martin Luther. Katharina von Bora wird in der Öffentlichkeit immer stärker wahrgenommen. Zu recht, wie Renate Kirsch für die evangelische Kirche erklärt.

Luthers Hochzeit, Stadtfest, Wittenberg, 2012. Martin Luther, Katharina von Bora. Porträts, Lutherhaus Wittenberg. Reportage. Copyright: Lutherhaus Wittenberg. Aufgennomen von DW / Maksim Nelioubin.

Martin Luther und Katharina von Bora, Lutherhaus Wittenberg

Eine vielseitige Frau

In Torgau an der Elbe hat sich mit der sogenannten Katharina-Luther-Stube der Ort erhalten, an dem Martin Luthers Frau vor rund 460 Jahren gestorben ist. Die Stube ist als kleines Museum gestaltet mit Exponaten aus der Lutherzeit. In der Mitte des Raumes aber steht eine moderne Bronzeplastik, ein Doppelpotrait der Lutherin: Auf der einen Seite die junge, zarte Katharina von Bora, die 1523 – 24Jahre ist sie alt - aus dem Kloster Nimbschen nach Wittenberg floh und zwei Jahre später die Frau des Reformators wurde. Auf der anderen Seite die gestandene Frau, voller Tatkraft und Entschlossenheit, die Luther gern „mein Herr Käthen“ nannte. Katharina Luther war – wie die Skulptur – in der Tat vielseitig.

Die „Herr Käthe“

Sie war tapfer, tüchtig, zart und zäh und genau die Richtige für den Reformator, der zwei Jahre gezögert hatte, die recht selbstbewusste, manchmal auch eigenwillige entlaufene Nonne zu heiraten. Bei Freund und Feind gab´s darüber heftige Reaktionen von Befremden bis hin zu übelsten Beschimpfungen, die sogar gedruckt wurden: „Wenn der Mönch heiratet, so wird alle Welt und auch der Teufel lachen und sein Vorhaben – die Reformation – wird scheitern“. Luther vermeldete aber gelassen, er vermute, dass der Teufel ob seiner Heirat eher weinen würde. Nach damaligem Volksglauben musste aus der Vermählung von Mönch und Nonne unweigerlich der Antichrist hervorgehen. Unter welch arger Belastung wird Käthe Luthers erste Schwangerschaft gestanden haben! Und welch eine Befreiung, als ein Jahr später ein gesunder Sohn Johannes ohne Pferdefuß und Teufelsschweif geboren wurde und im Laufe der Jahre noch fünf weitere Menschenkinder das Licht der Welt erblickten. Gleich nach der Hochzeit begann sie, aus dem heruntergekommenen Augustinerkloster eine wohnliche Heimstatt für ihren Mann und die späteren Kinder zu schaffen. Da musste viel umgebaut werden – alte Rechnungen bezeugen das. Sie legte Gärten an, besorgte Vieh und erhielt eine Berechtigung zum Bierbrauen. Das war wichtig, wenn die Brunnenwasserqualität nicht gut war. Immer mehr Gäste kamen ins Haus, zeitweise oder dauerhaft lebten bis zu 50 Menschen dort. Allesamt versorgt von der Verwalterin und Hausfrau Käthe. Wer Hilfe brauchte, bekam sie. Wer erkrankte, wurde gepflegt. Sie verstand die Kranken, sogar Pestkranke, gut zu pflegen. Das hatte sie im Kloster gelernt. Luther selbst war oft und heftig krank. Sie wusste ihm körperlich und seelisch aufzuhelfen. Manches Mal wird sie es nicht leicht gehabt haben mit diesem starken Mann, den die Schwermut schwach machen konnte.

„Auf dich traue ich“

Luther wusste, was er an seiner Frau hatte. So konnte er sie den „ Morgenstern von Wittenberg“ nennen, weil sie in aller Frühe mit ihrer Arbeit begann. „Ich habe überreichlich Grund, sie lieb und wert zu halten. Ich achte sie teurer als das Königreich Frankreich“, sagte er einmal in den Tischgesprächen vor Studenten und Gelehrten. Für manche der Teilnehmer an Luthers Tafel – selbstverständlich nur Männer – war es ungewöhnlich oder ärgerlich, dass die Hausfrau nicht nur teilnahm, sondern auch mitredete. Manchmal warf sie an passender Stelle einen Bibelvers ein, manchmal redete sie auch länger – „zu lange“, wie einer der vielen Mitschreiber der Tischreden überliefert. Mit ihrem tatkräftigen Selbstbewusstsein stand sie dem Frauenbild der meisten Zeitgenossen sehr im Wege. Auch Luther hatte bisweilen so seine Mühe. Dennoch: die Intelligenz und Urteilsfähigkeit seiner Frau wusste er sehr zu schätzen. So vertraute er ihr unter anderem die Aufsicht über die Drucklegung seiner Schriften an. Ihr Anteil an Luthers theologischer Arbeit ist größer als man lange Zeit angenommen hatte. Luther kann in seinen Briefen neben scherzhaften Anreden auch an seine „kluge frawen und doktorin“ oder auch „Predigerin“ schreiben. Was mag sie ihm gepredigt haben? Sicher immer wieder wie der Glaube aus der Studierstube hinaus ins Leben kommen muss. „Ich will an meinem Herrn Christus bleiben, wie eine Klette am Kleid“, hat sie bekannt. Ein Bild, das sie aus ihrer Gartenarbeit genommen hat, wenn Kletten beim Jäten ihrer Beete am Rock hängen blieben. Als 1535 die gesamte Lutherbibel im Druck erschienen war, hat sie sich daran gemacht, neben ihrer tagtäglichen Arbeit die gesamte Bibel zu lesen. Luther versprach ihr 50 Gulden Belohnung, die sie gewiss verdient haben wird. Vielleicht hat sich Luther auch einen Scherz erlaubt: Seine Frau hätte gewiss auch ohne die Belohnung ihre Lektüre vollendet. Sieben Jahre nach Luthers Tod flieht sie mit zwei ihrer Kinder vor der Pest, verunglückt unterwegs und stirbt in Torgau im Dezember 1552 nach monatelangem Krankenlager. Auf dem Grabstein in der Torgauer Stadtkirche ist sie mit einem Bibelbuch in Händen dargestellt. Das werden ihre Kinder veranlasst haben, die ihren Gebetsruf noch im Ohr hatten: „Herr, auf dich traue ich. Lass mich nimmermehr zuschanden werden.“

Renate Kirsch, Brannenburg am Inn (Bayern). Wort zum Sonntag. Copyright: Renate Kirsch

Renate Kirsch

Die Autorin:

Renate Kirsch (Jahrgang 1937) lebt in Oberbayern, in Brannenburg am Inn. Sie ist in Duisburg geboren und studierte Germanistik sowie evangelische Theologie und war dann als Deutsch- und v.a. als Religionslehrerin am Gymnasium tätig. Von 1988 bis 1992 sprach Renate Kirsch in der ARD das »Wort zum Sonntag«. Seit vielen Jahren ist sie in der kirchlichen Rundfunkarbeit, in der Erwachsenenbildung und beim Weltgebetstag der Frauen (jedes Jahr am 1. Freitag im März) tätig. Renate Kirsch ist mit einem Pfarrer verheiratet und sie haben drei mittlerweile erwachsene Kinder.

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