Kardinal Pell zu sechs Jahren Haft verurteilt | Aktuell Welt | DW | 13.03.2019
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Australien

Kardinal Pell zu sechs Jahren Haft verurteilt

George Pell ist der bisher ranghöchste katholische Geistliche, der wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen schuldig gesprochen wurde. Nun verkündete ein Gericht das Strafmaß gegen den Australier - live übertragen.

Der ehemalige Finanzchef des Vatikans, George Pell, ist wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Richter Peter Kidd verhängte das Strafmaß gegen den Kurienkardinal am Mittwochvormittag (Ortszeit) in Melbourne. Damit blieb Kidd deutlich unter der möglichen Höchststrafe von 50 Jahren.

Schon im Dezember war Pell von einer Geschworenen-Jury für schuldig befunden worden, Mitte der 1990er Jahre in der Sakristei der örtlichen Kathedrale zwei Chorknaben missbraucht zu haben. Zu jener Zeit war er Erzbischof der australischen Millionenmetropole. 

Nicht der "Sündenbock"

Strafmindernd wertete Kidd unter anderem Pells Alter, seinen Gesundheitszustand und seine Lebensleistung. Auch dürfe er nicht zum "Sündenbock" für Fehler der katholischen Kirche gemacht werden, betonte der Richter. Das Strafmaß richte sich einzig und allein nach der Schwere der Vergehen des 77-Jährigen. Eine vorzeitige Entlassung auf Bewährung sei nach drei Jahren und acht Monaten möglich.

Pell, der seit Ende Februar im Gefängnis sitzt, beteuert nach wie vor seine Unschuld. Seine Anwälte legten bereits Berufung gegen das Urteil ein. Der Berufungsprozess wird vermutlich im Juni beginnen.

 Australien Justiz l Missbrauchsprozess gegen Kardinal George Pell l Urteilsverkündung - Live (Getty Images/M. Dodge)

Interessierte konnten die Ausführungen von Richter Peter Kidd auch außerhalb des Gerichtssaales live verfolgen

Unterdessen droht Pell ein weiteres Verfahren: Ein 50-jähriger Mann plant laut australischen Medienberichten eine Zivilklage gegen ihn. Dabei geht es um Vorwürfe sexuellen Fehlverhaltens in einem Schwimmbad in Pells Heimatort Ballarat in den 1970er Jahren.

Der Fall George Pell ist ein neuer Schlag für die von zahlreichen Missbrauchsskandalen erschütterte katholische Kirche. Pell gehörte auch zu den engsten Beratern von Papst Franziskus, war zuletzt aber von seinen Aufgaben entbunden.

wa/ww (dpa, afp, kna)

Die Redaktion empfiehlt