Kardinal Marx fordert Neuaufbruch in katholischer Kirche | Aktuell Deutschland | DW | 16.09.2018
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Nach Missbrauchsvorwürfen

Kardinal Marx fordert Neuaufbruch in katholischer Kirche

Angesichts des Missbrauchsskandals fordert der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Marx, Veränderungen. Er sei "tief bedrückt" von der Realität sexuellen Missbrauchs Minderjähriger.

"Es ist immer noch erschütternd, was Kindern und Jugendlichen, die sich Priestern anvertraut haben, durch dieses unvorstellbare Leid widerfahren ist", sagte der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, in einem Gottesdienst in Schönstatt bei Koblenz. "Deshalb braucht es einen neuen Aufbruch in dieser Kirche, gegenüber den Betroffenen und Gott." Der Münchner Kardinal sagte, an der Seite der Betroffenen zu stehen, sei "bleibende Verpflichtung" der Kirche. "In den Betroffenen schaut Gott uns an, er leidet wie die Opfer unter dem, was Priester - Männer, die Gott folgen wollten - Minderjährigen angetan haben." 

"Tiefe Wunden des Missbrauchs"

Nach dem Bekanntwerden erster Ergebnisse einer Studie zu sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche sei er "tief bedrückt, erschüttert und beschämt". Die Kirche spüre, dass die "tiefe Wunde des Missbrauchs" nicht verheile.

Die von der Deutschen Bischofskonferenz in Auftrag gegebene Studie soll am 25. September auf der Herbst-Vollversammlung der katholischen Bischöfe in Fulda vorgestellt werden. Medienberichten zufolge nennt die Studie zwischen 1946 und 2014 insgesamt 3677 sexuelle Vergehen durch 1670 Kleriker an überwiegend männlichen Minderjährigen. Außerdem ergab sie, dass Bistümer zur Vertuschung von Vorwürfen Akten vernichteten.

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Studie: Tausende Missbrauchopfer in Deutschland

Die Studie trage dazu bei, den Blick zu schärfen, so Marx. Gott leide an dem, was die Kirche übersehen, wo sie weggeschaut und was sie nicht habe wahrhaben wollen, sagte Marx. Die Studie trage dazu bei, den Blick zu schärfen, sagte Marx. "Wir werden darüber in der Vollversammlung der Bischofskonferenz in Fulda sprechen und uns fragen, was daraus folgt", so der Münchner Erzbischof.

"Ich schäme mich für meine Kirche"

Auch der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki zeigte sich "zutiefst getroffen". "Ich schäme mich an dieser Stelle für meine Kirche", sagte der Erzbischof im "Wort des Bischofs". Wer sich als Seelsorger und Diener Gottes an Menschen schuldig gemacht habe, der habe seine Aufgabe "pervertiert", betonte er. Woelki sagte, es sei beschämend, dass die Kirche solche Taten zugelassen habe und "dass nachweislich vertuscht wurde, weil man den Ruf der Institution über das Wohl des Einzelnen gestellt hat". Dem wolle er entgegentreten. "Ich dulde in unserem Erzbistum keinerlei Vertuschung." Als Erzbischof sei er zudem dafür verantwortlich, dass sexueller Missbrauch nie mehr vorkomme, auch wenn Fachleute sagten, dass man diesen hundertprozentig nie verhindern könne und die Täter oft äußerst gerissen vorgingen. 

"Es ist zu viel Leid hinter jeder nüchternen Zahl, die man da hört", sagte der Kardinal. Er hat nach eigenen Worten mit Betroffenen gesprochen. "Ich kann daher erahnen, was in ihnen vorgeht, aber ganz nachempfinden kann man das von außen wohl nie." Der Erzbischof rief die Kirche zur Buße auf. Neben der Verhinderung von Vertuschung gehöre dazu, den beschrittenen Weg der Präventionsarbeit weiterzugehen, die Betroffenen anzuhören und ihr Leid auszuhalten.

sam/haz (afp, dpa, epd)

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