Kardinal Marx fordert Ende der Vertuschung | Aktuell Welt | DW | 23.02.2019
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Anti-Missbrauchsgipfel im Vatikan

Kardinal Marx fordert Ende der Vertuschung

Geschwiegen, vertuscht und verdunkelt wurde in der Katholischen Kirche schon zu lange. Damit muss Schluss sein, fordert der Chef der Deutschen Bischofskonferenz. Und er hat klare Vorstellungen wie es weitergehen soll.

Kardinal Reinhard Marx prangerte beim Anti-Missbrauchsgipfel im Vatikan offen Vertuschung und Machtmissbrauch an: "Akten, die die furchtbaren Taten dokumentieren und Verantwortliche hätten nennen können, wurden vernichtet oder gar nicht erst erstellt." Nötig seien nun Fakten und Offenheit.

Nicht Transparenz, sondern Taten und deren Vertuschung fügten der Kirche Schaden zu, betonte Marx in seiner Rede vor den rund 140 hohen Würdenträgern der Katholischen Kirche und Papst Franziskus, die sich am dritten Tag des Krisentreffens im Synodensaal des Vatikans versammelt haben.

"Der sexuelle Missbrauch von Kindern und Jugendlichen ist zu einem nicht geringen Teil auf den Machtmissbrauch im Bereich der Verwaltung zurückzuführen", fuhr Marx fort. Die Verwaltung habe nicht dazu beigetragen, dass der Sendungsauftrag der Kirche erfüllt werde, sondern dass dieser "verdunkelt" und unmöglich gemacht wurde. Sexueller Missbrauch durch Geistliche wurde in der Vergangenheit in vielerlei Hinsicht vertuscht - auch in Deutschland, räumte der Münchener Erzbischof ein.

Das gehe auch aus einer von der Deutschen Bischofskonferenz in Auftrag gegebenen und im vergangenen Jahr veröffentlichten Studie hervor. Demnach gab es in einigen deutschen Bistümern Akten "mit Bezug auf sexuellen Missbrauch Minderjähriger, die in früherer Zeit vernichtet worden waren", sagte Kardinal Marx.

Ende der Geheimniskrämerei

"Transparenz bedeutet nicht die unkritische Annahme und die disziplinlose Verbreitung von Missbrauchsvorwürfen", stellte Marx klar. Stattdessen sollten Vorwürfe geklärt und konkretisiert werden und die Öffentlichkeit, die Behörden und die römische Kurie zu gegebener Zeit darüber informiert werden. Es gebe keine Gründe, warum Missbrauchsfälle unter das päpstliche Geheimnis fallen sollten, sagte Marx.

Insgesamt müsse die Kirche vier Maßnahmen ergreifen: Vertraulichkeit und Geheimhaltung neu definieren, ihr Rechtssystem öffentlichen Standards anpassen, Zahlen und Einzelheiten zu Missbrauchsfällen öffentlich melden und gerichtliche Verfahren veröffentlichen. Fakten könnten Vertrauen stiften, betonte Marx. "Institutionelles Misstrauen führt zu Verschwörungstheorien bezüglich einer Organisation und Legendenbildung über eine Organisation."

Video ansehen 02:27

Missbrauch und Verantwortung: Zweiter Tag des Gipfels im Vatikan

Der Anti-Missbrauchsgipfel im Vatikan endet an diesem Sonntag. Papst Franziskus hatte dazu die Chefs der 114 Bischofskonferenzen weltweit und Vertreter der römischen Kurie, von Orden und Religionsgemeinschaften eingeladen. Er will Wege finden, wie die lange vertuschte sexualisierte Gewalt gegen Kinder durch Geistliche künftig verhindert werden kann. Mit Spannung wird die Schlussansprache des Papstes erwartet.

qu/as (dpa, kna)

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