Kanadas Premier Trudeau zittert sich durch die Wahl | Aktuell Amerika | DW | 21.10.2019
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Parlamentswahl in Kanada

Kanadas Premier Trudeau zittert sich durch die Wahl

Der Wahlkampf war schmutzig im flächenmäßig zweitgrößten Land. Von der einstigen Begeisterung für den Regierungschef ist nicht mehr viel zu sehen. Dennoch hoffen Trudeaus Liberale bei der Parlamentswahl auf einen Sieg.

Kanada Parlamentswahlen 2019 Justin Trudeau (picture-alliance/dpa/H. Ruckemann)

Alles nur Show: Premier Justin Trudeau am letzten Wahlkampftag

Kurz vor der Öffnung der Wahllokale in Kanada an diesem Montag veröffentlicht das Wahlkampfteam von Premierminister Justin Trudeau ein letztes Video: Es zeigt den 47-Jährigen, wie er im engen T-Shirt einen Berg in Vancouver besteigt. Ein dynamischer Trudeau, ein Klimaschützer. Auch der konservative Herausforderer Andrew Scheer ließ ein Video verbreiten. Der 40-Jährige zeigt sich ebenfalls im Wald. Die einhellige Meinung hier: wie langweilig. 

Doch so eindeutig sind die Mehrheitsverhältnisse nicht. Letzte Umfragen sehen bei der Parlamentswahl ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Liberalen und Konservativen. Die absolute Mehrheit von 170 Sitzen im Parlament in Ottawa wird wohl keine der beiden Parteien bekommen. Allerdings liegen die Direktkandidaten in vielen Wahlkreisen so eng beieinander, dass Prognosen schwierig sind.

Kanada Parlamentswahlen 2019 Andrew Scheer (Reuters/C. Osorio)

Auch er hofft auf den Sieg: Herausforderer Andrew Scheer mit einer Kandidatin der Konservativen in Vancouver

Justizministerin unter Druck gesetzt

Trudeau, der die vergangenen vier Jahre mit seinen Liberalen mit absoluter Mehrheit regiert hat, büßte in den vergangen Monaten viel an Zustimmung ein. Im Frühjahr wurde öffentlich, dass er seine damalige Justizministerin unter Druck gesetzt hatte, um Ermittlungen gegen das kanadische Unternehmen SNC-Lavalin wegen Bestechung in Libyen zu unterdrücken. Erst als eine Ethik-Kommission ihn später deswegen rügte, entschuldigte sich Trudeau.

Im September dann tauchte ein 20 Jahre altes Bild auf, das Trudeau mit dunkel geschminktem Gesicht - verkleidet als Aladdin - auf einer Party zeigte. Er entschuldigte sich für sein "rassistisches" Verhalten, sei schon immer "von Kostümen mehr begeistert gewesen, als es manchmal angebracht ist."

Minderheiten, Einkommensschwache, NAFTA

Doch in der Summe blieb die Empörung in der Bevölkerung geringer, als Trudeaus Gegner erhofft hatten. Anhänger der Liberalen wiesen darauf hin, Trudeau habe Minderheiten aktiv eingebunden, es gebe eine bessere Unterstützung für einkommensschwache Familien und das zwischenzeitlich vor dem Aus stehende Handelsabkommens NAFTA mit den USA und Mexiko sei unter Dach und Fach.

Greta Thunberg bei einer Klimademonstration in Edmonton, Kanada (picture-alliance/empics/D. Chidley )

Greta Thunberg bei einer Klimademonstration im kanadischen Edmonton am vergangenen Freitag

Trudeaus Gegner bemängeln jedoch, er habe einige seiner Versprechen wie eine Wahlrechtsreform oder einen ausgeglichenen Haushalt bis 2019 nicht gehalten. Andere empfinden seine Klimapolitik trotz der Einführung einer CO2-Steuer als nicht weitreichend genug.

An Unterstützung verloren hat Trudeau vor allem bei linken Wählern. Viele der 37 Millionen Kanadier, von denen viele tendenziell eher liberal und links wählen, können allerdings auch mit den Ansichten des konservativen Scheer etwa zu Abtreibung oder Schwulenehe nichts anfangen.

Die kleinen Parteien sind der Königsmacher

Im Falle einer nötigen Minderheitsregierung - in Kanada nichts Ungewöhnliches - wären die kleinen Parteien das Zünglein an der Waage. Unter ihnen befanden sich die Sozialdemokraten von Jagmeet Singh zuletzt im Aufwind. Diese stehen wie auch die Grünen den Liberalen politisch näher. Auch die Regionalpartei Bloc Bloc Québécois könnte am Ende ausschlaggebend sein.

Zum Abschluss des Wahlkampfs gab es noch prominente Schützenhilfe aus den benachbarten USA. Ex-Präsident Barack Obama rief die kanadischen Wähler via Twitter dazu auf, Premier Trudeau eine zweite Amtszeit zu verschaffen.

se/sti (afp, dpa, ap)

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