Kanada stuft ″Proud Boys″ als Terroristen ein | Aktuell Amerika | DW | 04.02.2021
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Rechtsradikalismus

Kanada stuft "Proud Boys" als Terroristen ein

Die "Proud Boys" gelten als besonders gewaltbereit. Als erstes Land der Welt hat Kanada die Rechtsextremisten nun als Terrorgruppe definiert.

Washington Protestmarsch Proud Boys

"Proud Boys" und Anhänger bei ihrem Protestmarsch gegen Joe Biden am 14. November in Washington

Unter Beobachtung standen die rechtsradikalen "Proud Boys" (Stolze Jungs) in Kanada bereits seit 2018. Die federführende Beteiligung der Gruppierung am Sturm auf das Kapitol in Washington am 6. Januar, bei dem fünf Menschen getötet worden waren, trug nach Angaben der kanadischen Regierung mit zu der Entscheidung bei, die "Proud Boys" als Terrororganisation einzustufen. Damit können gegen Mitglieder und Unterstützer Strafverfahren wegen terroristischer Verbrechen eingeleitet und Vermögenswerte eingefroren werden. 

Wachsende Bedrohung für die Gesellschaft 

Der Minister für öffentliche Sicherheit, Bill Blair, sagte, die rechtsextreme Gruppe sei eine "ernsthafte und wachsende Bedrohung für die kanadische Gesellschaft". Die "Proud Boys" hätten sich bei dem Angriff während der Bestätigung des gewählten US-Präsidenten Joe Biden selbst entlarvt. Ihre Absicht, Gewalt zu schüren, sei ziemlich klar gewesen.

Die Regierung in Ottawa bezeichnete die "Proud Boys" als neofaschistische Gruppe mit halbautonomen Ortsverbänden in den USA, Kanada und dem Rest der Welt. Deren Mitglieder verträten frauenfeindliche, islamophobe, antisemitische, fremdenfeindliche Ansichten und die Ideologie einer vermeintlichen Überlegenheit der Weißen.

USA Ausschreitungen in Washington

Wo sie auftauchen, gibt es Gewalt: "Proud Boys" und Gegendemonstranten liefern sich am 12. Dezember in Washington Straßenschlachten

In der vergangenen Woche hatte das Parlament Premierminister Justin Trudeau aufgefordert, die "Proud Boys" als terroristische Gruppierung einzustufen. Einen entsprechenden Antrag der oppositionellen Neuen Demokratischen Partei (NDP) nahmen die Abgeordneten einstimmig an.

Trump wollte sich nicht distanzieren      

In den USA hatten sich die "Proud Boys" im vergangenen Jahr immer wieder gewaltsame Auseinandersetzungen mit linken Aktivisten geliefert. Der damalige Präsident Donald Trump ließ im Wahlkampf eine gewisse Nähe zu den Extremisten erkennen.

US-Kapitol | Sturm der Trump-Fans

Ein gewaltiger Mob stürmt am 6. Januar den Sitz des US-Kongresses

Im Zusammenhang mit den schweren Ausschreitungen im Kapitol nahmen die US-Behörden jetzt einen weiteren Mann fest. Er bezeichnet sich selbst als Waffen-Sergeant des Ortsverbandes Seattle der "Proud Boys". 

Die "Proud Boys" wurden 2016 von dem Kanadier Gavin McInnes gegründet. Der gebürtige Schotte agiert als rechtsextremer Autor und politischer Kommentator.

se/wa (afp, ap, rtr)

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