Juncker: Merkel hoch qualifiziert für EU-Amt | Aktuell Europa | DW | 20.04.2019
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Europa

Juncker: Merkel hoch qualifiziert für EU-Amt

Kurz vor dem Ende seiner eigenen politischen Karriere hat Jean-Claude Juncker nun ausgesprochen, was viele, nicht nur in Brüssel, denken: Europa-Politik ohne Angela Merkel? Kaum vorstellbar. Juncker hätte da eine Idee.

EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker hält es für denkbar, dass Angela Merkel nach ihrer Zeit als Kanzlerin eine Rolle auf europäischer Ebene übernimmt. "Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, dass Angela Merkel in der Versenkung verschwindet", sagte Juncker der Funke Mediengruppe. "Sie ist nicht nur eine Respektsperson, sondern ein liebenswertes Gesamtkunstwerk." Mit Blick auf ein mögliches EU-Amt fügte er hinzu: "Hochqualifiziert wäre sie." Allerdings ende die Wahlperiode in Deutschland erst 2021, fügt Juncker sicherheitshalber hinzu.

Wer ist der Nachfolger?

Über einen Wechsel Merkels nach Brüssel wird immer wieder spekuliert. Allerdings hat die Kanzlerin gesagt, sie strebe keine anderen politischen Ämter mehr an. Nach der Europawahl Ende Mai wird Junckers Posten an der Spitze der EU-Kommission neu besetzt, ebenso wie das Amt von Ratschef Donald Tusk. Der 64-jährige Juncker pocht darauf, dass die stärkste Partei nach der Europawahl den Kommissionspräsidenten stellt oder zumindest vorschlagen darf. "Ich bin ein großer Anhänger dieses Spitzenkandidaten-Modells", sagte er. Beobachter gehen davon aus, dass die Staats- und Regierungschefs in dieser Frage ein bestimmendes Wort mitreden.  

EU-Kommission in Brüssel (picture-alliance/dpa/APA/R. Schlager)

Wer wird am Sitz der EU-Kommission in Brüssel demnächst das Sagen haben?

Der luxemburgische Christdemokrat hatte sich gegen eine zweite Amtszeit entschieden. Sein Mandat endet am 31. Oktober. Auf die Frage, was er über sich in den Geschichtsbüchern lesen wolle, antwortete er: "Er hat sich redlich bemüht." Und er fügte hinzu: "Schön wäre vielleicht noch der Zusatz: Er hat einige Dinge in Ordnung gebracht." Zu seinen Plänen sagte der Luxemburger, er werde sich "schriftlich äußern - zu dem, was war, und zu dem, was aktuell passiert". Spekulationen über einen schlechten Gesundheitszustand wies er erneut zurück.

"Nicht jetzt die Bürger dafür bestrafen"

Juncker äußerte sich in dem Interview auch zu einer Reihen von aktuellen politischen Fragen - vor allem zum Verhältnis der EU zu Großbritannien. Trotz des erneuten Brexit-Aufschubs bestehe die Gefahr eines ungeordneten Ausstiegs des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union weiter. Das hätte langanhaltende konjunkturdämpfende Auswirkungen. Großbritannien sollte die neue Frist bis zum 31. Oktober nun nutzen "und nicht wieder vergeuden". Von einer Teilnahme Großbritanniens an der Europawahl im Mai sei nun fest auszugehen. "Die Briten sind aller Wahrscheinlichkeit nach am Tag der Europawahl noch in der Europäischen Union." Dann gelte der EU-Vertrag, wonach EU-Bürger in allen Mitgliedstaaten das Recht haben, an den Wahlen teilzunehmen. "Wir können ja nicht jetzt die Bürger dafür bestrafen, dass es die Briten nicht hingekriegt haben, zum vereinbarten Termin auszutreten."

ml/stu (dpa, rtr, afp)

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