Julius Maada Bio ist neuer Präsident in Sierra Leone | Aktuell Afrika | DW | 04.04.2018
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Westafrika

Julius Maada Bio ist neuer Präsident in Sierra Leone

Der Kandidat der Opposition entschied die Stichwahl um das Präsidentenamt in Sierra Leone knapp für sich. Wenige Stunden nachdem die Nationale Wahlkommission ihn zum Sieger erklärte, wurde Bio vereidigt.

Sierra Leone Wahlsieger Julius Maada Bio, neuer Präsident | Amtseid (Reuters/O. Acland)

Wahlsieger Julius Maada Bio

Julius Maada Bio von der größten Oppositionspartei, der Sierra Leone People's Party (SLPP), erhielt 51,8 Prozent der Stimmen, der bisherige Außenminister Samura Kamara von der regierenden All People's Congress (APC) 48,2 Prozent. Wegen eines Streits über die Methode der Stimmauszählung hatte sich das offizielle Ergebnis der Wahl vom vergangenen Samstag verzögert. Dann ging alles ganz schnell. Bereits wenige Stunden nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses wurde Bio vereidigt.

Der 53-jährige Wahlsieger Bio hatte im Januar 1996 mit einem Putsch den damaligen Militärmachthaber Valentine Strasser gestürzt. Als General übernahm er bis zur ersten freien Wahl in Sierra Leone wenige Monate später vorübergehend die Regierungsgeschäfte. Bei der Präsidentschaftswahl 2012 unterlag er Amtsinhaber Ernest Koroma, der nach zwei Amtszeiten nicht mehr kandieren durfte. Der unterlegene Kandidat in der Stichwahl, der 66-jährige Wirtschaftswissenschaftler Kamara, gilt seit Jahrzehnten als politischer Strippenzieher hinter den Kulissen in Sierra Leone.

Kamara-Anhänger wittern Betrug

Bereits vor Verkündung des Wahlergebnisses hatten Kamara-Anhänger am Mittwoch in der Hauptstadt Freetown demonstriert, Plakate von Bio abgerissen und den Vorwurf einer "ausländischen Einmischung" in die Wahl erhoben, wie ein AFP-Reporter berichtete. Sicherheitskräfte riegelten die Zentrale von Bios Partei SLPP ab, wo sich hunderte Anhänger des Oppositionskandidaten versammelt hatten. Sie feierten bereits vor Verkündung des offiziellen Ergebnisses den Wahlsieg ihres Kandidaten.

Die erste Wahlrunde am 7. März hatte Bio bereits mit einem knappen Vorsprung von 15.000 Stimmen für sich entschieden. Daraufhin reichte die Regierungspartei APC eine Klage wegen Wahlbetrugs ein. Das Oberste Gericht wies schließlich den Antrag auf eine Suspendierung der Stichwahl zurück, verschob den Wahlgang allerdings um vier Tage auf den 31. März. Rund drei Millionen Menschen waren aufgerufen, ihre Stimme abzugeben

Überschattet wurde der Wahlkampf von scharfen verbalen Attacken der beiden Kandidaten und einer Serie von Angriffen auf Anhänger beider Seiten. Ihre Parteien, die APC und SLPP, dominieren seit Jahrzehnten das politische Leben in Sierra Leone.

Die Stichwahl galt auch als Test für die demokratische Konsolidierung des kleinen westafrikanischen Staates. Zwischen 1991 und 2002 gab es einen Bürgerkrieg, dem 120.000 Menschen zum Opfer fielen. 2014 starben bei der Ebola-Epidemie fast 4.000 Menschen. Die Wirtschaft brach in Folge der Seuche um ein Viertel ein, die staatliche Entwicklung wurde um Jahre zurückgeworfen. Sierra Leone zählt trotz seiner Bodenschätze zu den ärmsten Ländern der Welt.

qu/ww (rtre, afp, dpae, APE)

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  • Datum 04.04.2018