Joker Luca Waldschmidt schießt SC Freiburg auf Platz drei | Sport | DW | 29.09.2019
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Bundesliga-Story

Joker Luca Waldschmidt schießt SC Freiburg auf Platz drei

Er kam, schoss und traf: Gerade mal neun Minuten steht der junge Nationalspieler in Düsseldorf auf dem Platz, um das Spiel zugunsten des Sportclubs zu drehen und für den besten Saisonstart der Vereinshistorie zu sorgen.

Es ist eine dieser Szenen, die man sich als Fußball-Fan immer wieder anschauen möchte, aus unterschiedlichen Perspektiven, mal in Zeitlupe, dann wieder in natürlicher Geschwindigkeit. Nicht, weil hier ein besonderer Trick gezeigt wird, oder weil dieser Moment historisch ist. Hier spielt Fortuna Düsseldorf gegen den SC Freiburg am 6. Spieltag. Nein, sondern weil dieser kurze Lauf, dieser Schuss, dieses Tor so schlicht wie genial ist.

Es läuft die 81. Minute beim Stand von 1:1. Der Freiburger Profi Janik Haberer passt auf der linken Seite zu Luca Waldschmidt, der nicht lange überlegt, sich mit dem Rücken zum Tor um die rechte Achse dreht, ein paar Meter mit dem Ball in die Mitte sprintet, sich dabei nicht vom ausgestreckten Bein des Gegenspielers beirren lässt, um dann mit links den Ball, entgegen seiner Laufrichtung, aus rund 18 Metern ganz platziert in die rechte Ecke zu schießen.

Fußball Bundesliga Fortuna Düsseldorf v SC Freiburg Luca Waldschmidt (AFP/I. Fassbender)

Starker Abschluss von Luca Waldschmidt

"Wie ein kleiner Arjen Robben, wie er da nach innen zieht", meinte später Sportvorstand Jochen Saier. Es ist die Führung zum 2:1 (1:1), das spätere Siegtor, erzielt von einem Joker, der zu diesem Zeitpunkt gerade mal neun Minuten auf dem Platz steht. "Es ist für einige echt nicht so einfach, wenn man Luca heute zum Beispiel sieht", gab Kapitän Christian Günter später zu. 

Nationalspieler, aber keine Startelf-Garantie

Einfach ist es jedoch auch für Waldschmidt nicht. Bereits zum dritten Mal in Folge stand der Stürmer nicht in der Startelf des Sportclubs. Obwohl der 23-Jährige im Sommer mit der U21 eine furiose Europameisterschaft gespielt hat und dort Rekord-Torschützenkönig wurde und obwohl ihn Bundestrainer Joachim Löw Anfang des Monats erstmals in den Kader der A-Nationalmannschaft berufen hatte. Oder eben genau deshalb. Sein Trainer, Christian Streich, ist nämlich nicht nur ein Trainer mit großer Fachkompetenz, sondern vor allem ein Trainer mit hervorragendem Menschenverstand.

Der 54-Jährige Coach weiß natürlich, dass sein Schützling besonders im Rampenlicht steht. Nicht nur in der Bundesliga, auch große Klubs aus dem Ausland wie Lazio Rom sind nach der EM auf den jungen Stürmer aufmerksam geworden.

Luca Waldschmidt (Getty Images/A. Sabattini)

Hat den Sprung ins DFB-Team bereits geschafft - Luca Waldschmidt

Und gerade deshalb will er Waldschmidt aus dem Fokus nehmen, ihm immer wieder Pausen gönnen und ihm zudem aufzeigen, dass allein der Titel des EM-Rekord-Torschützen ihn nicht automatisch zum Stammspieler macht. "Er macht richtig Spaß und hat noch viel Potential", sagte Streich über seinen Schützling. "Ein sehr netter Kerl, ein guter Typ, der was im Kopf hat."

Linke Wucht

Ein Typ, der auffällig unauffällig ist, ohne Tätowierungen, ohne einen besonders modischen Haarschnitt, ohne spätpubertäre Star-Allüren, ohne Luxus-Auto, dafür mit Vespa, einer veganen Ernährung und großem Vertrauen in seinen Trainer:  "Er hat mir in der Vergangenheit immer wieder Tipps gegeben, um das Optimale rauszuholen."

Natürlich wird es Waldschmidt wurmen, dass er erneut nicht in der Startelf stand. Doch der 1,81 Meter große Offensivspieler weiß selbst, dass er Zeit braucht, um sich weiter zu entwickeln. "Ich habe nicht den einen Sprung bei der EM gemacht, sondern entwickle mich schon länger, Schritt für Schritt. Das war auch in der letzten Saison so und soll jetzt möglichst so weiter gehen."

Das tut es offenbar. Dank seines Tores in Düsseldorf, sein drittes in dieser Saison, ist Freiburg derzeit Tabellen-Dritter. Dank seiner Schnelligkeit, seiner technischen Fähigkeiten, seines linken Fußes, mit dem er so wuchtige Bälle schießen kann, wie sonst keiner in seiner Vereinsmannschaft und keiner in der deutschen Nationalmannschaft.

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