Jerusalem: Brücken bauen durch Sprache und Literatur | Kultur | DW | 16.07.2018
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Übersetzerpreis

Jerusalem: Brücken bauen durch Sprache und Literatur

Der deutsch-hebräische Übersetzerpreis geht an Anne Birkenhauer Molad und Nili Mirsky. Die Auszeichnung soll die kulturellen Beziehungen zwischen den beiden Ländern stärken. Von Tania Krämer, Jerusalem.

"Ich bin mit Wörtern groß geworden und weiß, wie wichtig Wörter sind", sagt Anne Birkenhauer Molad (Artikelbild), eine der beiden Preisträgerinnen. Ausgezeichnet wird sie für die deutsche Übersetzung des Romans "Kommt ein Pferd in eine Bar" des israelischen Schriftstellers David Grossman. Ihr sei es gelungen, sagt die Jury, der "Vielfalt unterschiedlicher hebräischer Idiome und Ausdrucksweisen im Deutschen Gestalt zu verleihen".  In einer kurzen Feierstunde im Biblischen Museum in Jerusalem übergaben Kulturstaatsministerin Monika Grütters und Israels Kulturministerin Miri Regev die Auszeichnung. 

Nili Mirsky wurde posthum für ihre hebräische Übersetzung von Thomas Manns Roman "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" geehrt. Mirsky ist im Januar 2018 verstorben. Die Jury sei "beeindruckt" von ihrer "Fähigkeit, eine hervorragende hebräische Version" des Werkes von Thomas Mann zu erschaffen, dessen Schreibstil als besonders schwierig zu übersetzen gilt. Mirsky habe sich in ihrer langen Karriere vor allem auf Klassiker konzentriert und bereits andere Werke von Thomas Mann übersetzt, wie die "Buddenbrooks" und "Tod in Venedig". Den Preis nahm ein enger Freund entgegen.  

Monika Grütters: "Mauern aus Schuld und Schmerz überwinden"

Der mit 10.000 Euro dotierte Übersetzerpreis wurde 2014 im Rahmen der deutsch-israelischen Regierungskonsultationen beschlossen und wird alle zwei Jahre abwechselnd in Deutschland und Israel vergeben. Die Idee dazu entstand anlässlich der Feier zu 50 Jahren seit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen den beiden Ländern.

"Mit dem deutsch-hebräischen Übersetzerpreis würdigen wir diejenigen, die nach der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern nicht nur die Grenzen der Sprache, sondern auch Mauern aus Schuld und Schmerz überwinden halfen", betonte Monika Grütters mit Blick auf die deutsch-israelische Vergangenheit. Israels Kulturministerin Miri Regev wiederum nannte die Auszeichnung eine Würdigung der hervorragenden Beziehungen zwischen Israel und Deutschland und zeigte sich erfreut, dass die Preisvergabe in Jerusalem stattfand.

Israel Jerusalem Verleihung Übersetzerpreis (DW/Tania Kraemer)

Kulturstaatsministerin Monika Grütters und die israelische Kulturministerin Miri Regev

Übersetzer stehen oft im Schatten der Schriftsteller und Autoren. Doch ohne sie ist es nicht möglich, in die jeweils andere Welt einzutauchen: "Grossmans Bücher lese ich Zeile für Zeile und baue sie Satz für Satz auf. Jeder Satz bringt noch ein neues Bild, und dann schreibe ich es neu. Dann kommt eine zweite und dritte Version - so bekomme ich eine Tiefenschärfe für jede einzelne Szene", sagt Anne Birkenhauer Molad über ihre Arbeit.

In dem Buch geht es um einen Kabarettisten, der in einer israelischen Kleinstadt auftritt. Den Ton und den Rhythmus der Handlung zu treffen, sei eine Herausforderung gewesen: "Ich kenne keinen anderen israelischen Autor, der so tief in seine Personen hineingeht, beschreibt und sich so tief mit ihnen identifiziert beim Schreiben. Dann muss man ihn auch so übersetzen, da darf man nicht einen Schritt dahinter zurückbleiben und ihn von außen übersetzen", sagt Birkenhauer, die seit 1986 in Jerusalem und Tel Aviv lebt.

"Israel ist ein junges Land, deshalb werden die Übersetzungen vom Hebräischen ins Deutsche hauptsächlich Gegenwartsautoren sein", sagt Grütters im Gespräch mit der DW. Einerseits sei es wichtig, Israelis die klassische deutsche Literatur nahe bringen zu können. Auf der anderen Seite können deutsche Leser durch die Übersetzung hebräischer Werke mehr über die verschiedenen Realitäten in Israel erfahren.

David Grossmans Bücher wurden in mehr als 30 Sprachen übersetzt. Er gilt als einer der wichtigsten israelischen Schriftsteller, als kritisch und unbequem. "Uns ist natürlich die Unabhängigkeit der Künste wichtig, gerade dieses Experimentelle, das gelegentlich Unbequeme und provozierende Element fördern wir mit staatlichen Mitteln ausdrücklich", so Staatsministerin Grütters. Ohne diese Künste sei eine Demokratie kaum überlebensfähig.

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