Jens Söring: Virginia entlässt Deutschen nach Jahrzehnten aus US-Haft | Aktuell Welt | DW | 26.11.2019
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Justiz

Jens Söring: Virginia entlässt Deutschen nach Jahrzehnten aus US-Haft

Mehr als 30 Jahre saß der ehemalige deutsche Diplomatensohn Jens Söring wegen Doppelmordes in einem US-Gefängnis. Jetzt ist er frei und soll nach Deutschland abgeschoben werden. Begnadigt wurde er jedoch nicht.

Jens Söring (picture-alliance/AP Photo/S. Helber)

Jens Söring

Die Vorsitzende des Begnadigungsausschusses in Virginia, Adrianne Bennett, bezeichnete den Beschluss, den 53-Jährigen Söring auf Bewährung freizulassen und abzuschieben, als angemessen. Insbesondere wegen seines jungen Alters zum Tatzeitpunkt und der Länge der bereits verbüßten Strafe. Eine Begnadigung werde jedoch abgelehnt. Söring wurde der Einwanderungsbehörde ICE übergeben und mit einem Wiedereinreiseverbot für die USA belegt. Wann er nach Deutschland abgeschoben wird, ist noch nicht bekannt. Aus dem Auswärtigen Amt in Berlin heißt es, die deutsche Botschaft in Washington betreue "Herrn Söring weiterhin intensiv konsularisch und steht bezüglich weiterer Schritte in engem Kontakt mit dem Rechtsanwalt sowie den Behörden vor Ort".

Als 18-Jähriger soll Söring das Ehepaar Derek und Nancy Haysom mit Dutzenden Messerstichen erstochen haben. Sie waren die Eltern seiner damaligen Freundin Elizabeth Haysom, die wegen Anstiftung zum Mord zu zweimal 45 Jahren verurteilt worden war. Die Entscheidung, den deutschen Staatsbürger freizulassen, sei "überraschend", schrieb die "Washington Post". Der brutale Doppelmord hatte jahrzehntelang in den USA und auch international für Aufmerksamkeit gesorgt. Der Ausschuss sprach sich auch für die Entlassung von Elizabeth Haysom aus. Die kanadische Staatsbürgerin soll ebenfalls in ihr Heimatland abgeschoben werden. 

Zweifel am Schuldspruch

Nachdem das junge Paar unter Tatverdacht geraten war und sich zur Flucht entschlossen hatte, wurde es 1986 in London verhaftet und schließlich an die USA ausgeliefert. Jens Söring wurde 1990 zu zweimal lebenslanger Haft verurteilt. Das Urteil gilt unter Juristen als umstritten.

Söring hatte die Tat zuerst gestanden, angeblich um seine damalige Freundin vor der Todesstrafe zu bewahren. Später hat er das Geständnis widerrufen und in zahlreichen Interviews seine Unschuld beteuert. Er sei fälschlicherweise davon ausgegangen, als Sohn eines deutschen Diplomaten diplomatische Immunität zu genießen. Darüber hinaus wurden viele Beweismittel aus dem Prozess entkräftet. Sogar kürzlich durchgeführte DNA-Untersuchungen sprechen gegen das Urteil.

In Deutschland setzt sich seit Jahren ein Unterstützerkreis für Söring ein. Die Mitglieder halten den Verurteilten für unschuldig. Auch in dem Dokumentarfilm "Das Versprechen" aus dem Jahr 2016 wurde das Urteil gegen Söring infrage gestellt.

jp/rb  (dpa,epd)