Jedes vierte Kind hat keine Kindheit | Aktuell Welt | DW | 28.05.2019
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Menschenrechte

Jedes vierte Kind hat keine Kindheit

Weltweit hat sich die Situation der Kinder seit 2000 verbessert. Doch 690 Millionen Jungen und Mädchen wachsen unter erbärmlichsten Bedingungen auf. In Konfliktgebieten ist es besonders hart. Und wo steht Deutschland?

Syrienkonflikt | Menschen mit Behinderung (Getty Images/AFP/A. Watad)

Kinder in einem Flüchtlingslager in der nordsyrischen Provinz Idlib (Archiv)

"Kinder, die heute geboren werden, haben so gute Chancen wie nie zuvor, gesund, gebildet und geschützt aufzuwachsen und ihr Potenzial voll zu entfalten", bilanziert das Hilfswerk Save the Children bei der Vorstellung seiner Studie. Vor 20 Jahren seien noch weltweit 970 Millionen Kinder von Gewalt, Mangelernährung, Zwangsehen, Kinderarbeit, Teenagerschwangerschaften oder fehlendem Zugang zu Bildung betroffen gewesen. Diese Zahl sei inzwischen auf 690 Millionen gesunken. Die gute Entwicklung sei einem veränderten politischen Willen zu verdanken, aber auch sozialen Investitionen und der Umsetzung der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung, meint Save the Children.

Symbolbild Deutschland Grundgesetz Familie (picture-alliance/dpa/M. Balk)

Eltern mit ihren drei Kindern in Campen, Niedersachsen (Archiv)

Die Organisation berichtet von 4,4 Millionen weniger Todesfällen im Kindesalter pro Jahr, 49 Millionen weniger Kindern mit Wachstumsstörungen durch Mangelernährung, 94 Millionen weniger arbeitenden Kindern, 115 Millionen weniger Kindern, die keine Schule besuchen und drei Millionen weniger Teenagerschwangerschaften pro Jahr.

Deutschland auf Platz sechs, die USA und China im Mittelfeld

176 Länder hat das Hilfswerk für seinen Bericht untersucht, aktuelle Daten mit denen aus dem Jahr 2000 verglichen und daraus eine Rangliste erstellt. Ganz vorn: Singapur. Danach folgen Schweden, Finnland, Norwegen und Slowenien, Deutschland liegt auf Platz sechs. Westeuropäische und südostasiatische Länder machen die Top Ten unter sich aus.

Mächtige Nationen wie die USA, China und Russland hinken trotz ihrer wirtschaftlichen und technologischen Stärke den meisten Staaten in Westeuropa hinterher. China und die USA teilen sich laut der Studie den 36. Platz, Russland belegt Rang 38.

Sierra Leone Mädchen bei Theaterstück gegen Genitalverstümmelung (picture-alliance/Plan International)

In Sierra Leone führen Kinder ein Theaterstück gegen Genitalverstümmelung auf (Archiv)

Fortschritte in Ruanda 

Die größten Fortschritte sind laut Save the Children indes in einigen der ärmsten Ländern zu beobachten: So sei zum Beispiel in Ruanda die Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren um fast 80 Prozent gesunken, die Quoten bei Kinderarbeit, Teenagerschwangerschaften und Kindsmorden hätten sich halbiert. Auch Äthiopien, Sierra Leone und Niger machten große Fortschritte - wenngleich sie trotzdem auf hinteren Plätzen verharren.

Schule Ruanda
(DW/A. Koch)

Kinder in einer Schule in Ruanda (Archiv)

Ganz hinten in der Liste stehen Länder südlich der Sahara, wie die Zentralafrikanische Republik, Tschad und eben auch Niger. In diesen Ländern erlebten die wenigsten Kinder eine echte Kindheit, heißt es weiter.

Jeder Junge und jedes Mädchen hat das Recht auf eine Kindheit

Die Vorstandsvorsitzende von Save the Children Deutschland, Susanna Krüger, macht bei der Vorstellung des Berichts deutlich: "Jeder Junge und jedes Mädchen hat das Recht auf eine Kindheit." Man dürfe nicht tatenlos zusehen, wenn Kinder arbeiten müssten, durch behandelbare Krankheiten stürben oder Mädchen schwanger würden. Krüger warnt die Regierungen davor, sich auf den Fortschritten auszuruhen.

Syrien Homs Bevölkerung 02.02.2014 (Reuters)

Zwei Jungen in der syrischen Stadt Homs (Archiv)

Kinder in Syrien oder dem Jemen leiden besonders

Am schlechtesten geht es Kindern in Konfliktgebieten: Rund 420 Millionen Kinder sind laut der Studie betroffen, das sind doppelt so viele wie 1995. Konfliktländer haben die höchste Kindersterblichkeitsrate, einen überproportionalen Anteil unterentwickelter Kinder und eine steigende Zahl von Kindern, die nicht zur Schule gehen. Auch Frühverheiratung und Kinderarbeit kommen in Konfliktländern wie Syrien oder dem Jemen überproportional häufig vor.

Jemen | Huthi Rebellen in Sanaa (picture alliance/dpa/H. Al-Ansi)

Huthi Rebellen im Jemen rekrutieren Jungen für ihren Kampf (Archiv)

Vertreibung sei der einzige "Kindheitszerstörer", der seit dem Jahr 2000 zugenommen habe, macht Save the Children deutlich. Fast 31 Millionen Kinder seien heute davon betroffen, ein Anstieg um 80 Prozent in den vergangenen zwei Jahrzehnten.

se/mak (kna, epd, dpa, afp, rtr)