Jazztrompeter Tomasz Stanko ist tot | Musik | DW | 29.07.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Musik

Jazztrompeter Tomasz Stanko ist tot

Der Pole gehörte zur Avantgarde europäischer Musiker, die dem amerikanischen Free Jazz einen völlig eigenständigen Sound entgegensetzte. Jetzt starb Tomasz Stanko mit 76 Jahren.

Die Meldung über den Tod des Musikers lief am Sonntag (29.7.2918) im polnischen Radio, das sich auf Stankos Tochter berief. "Ich bin absolut geschockt", so der Jazzgeiger und Saxofonist Michal Urbaniak. "Stanko war ein Prophet, ein großartiger Musiker, der stets auf hohem Niveau spielte."

Von Miles Davis bis Chet Baker: große Vorbilder

Tomasz Stanko wuchs in einem musikalischen Elternhaus auf und nahm schon früh Klavier- und Geigenunterricht. Er studierte en der Musikakademie in Krakau. Für mich hat alles mit modernem Jazz angefangen", sagte er einmal. "Mit Miles Davis, John Coltrane und Chet Baker." Für seine Idole gab er sogar Klavier- und Geigenspiel auf und griff zur Trompete.

1962 gründete er als 20-Jähriger das Quartett Jazz Darings, das sich stilistisch am Free Jazz von Ornette Coleman orientierte; die Band gewann noch im selben Jahr einen Amateurjazzwettbewerb, bei dem Stanko als bester Musiker ausgezeichnet wurde. "Ich war damals tief im Existentialismus eingetaucht. Das französische New Wave Cinema, der italienische Neo-Realismus, die Pariser Bohème und Bücher von Faulkner und Joyce: All das diente mir als Inspirationsgrundlage."

Der Edgar Allan Poe der Trompete 

Doch Tomasz Stanko blieb nicht im Schatten seiner Vorbilder und entwickelte einen ganz eigenen Stil. Wegen des dunklen Tons seines Instruments bekam der Musiker den Beinamen "Edgar Allan Poe der Trompete" verpasst. Der bekannte deutsche Musikjornalist Joachim-Ernst Berendt nannte ihn den "weißen Ornette Coleman", was Stanko stets zurückwies. Ab den 1990er Jahren arbeitete Stanko eng mit dem Münchner Label ECM zusammen. Seinen internationalen Durchbruch erzielte er 1997 mit dem Album "Litania", einer Hommage an den polnischen Filmkomponisten und Jazzer Krzysztof Komeda. Im Laufe seines Lebens veröffentlichte er rund 40 Alben und spielte unter anderem mit dem Pianisten Cecil Taylor, dem Schlagzeuger Jack DeJohnette oder dem Bassisten Dave Holland. Seine Konzerte in Europa und den USA waren meist ausverkauft.

Polen Jazzmusiker Tomasz Stanko (picture-alliance/dpa)

Jazzliebhaber auf der ganzen Welt schätzen Stankos unerwechselbar dunklen Sound

2013 zeichnete ihn die französische Jazzakademie mit dem Titel "Europäischer Musiker des Jahres" aus. Stankos unverwechselbarer Sound, die slawische Melancholie und der dunkle Sound seiner Trompete sind jetzt verklungen. Der Musiker starb mit 76 Jahren in seiner polnischen Heimat. 

suc/jj (afp, rtr)

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema