Japans Prinzessin Mako: Traumatisiert zum Standesamt | Asien | DW | 03.10.2021
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages
Anzeige

Kaiserliche Familie

Japans Prinzessin Mako: Traumatisiert zum Standesamt

Die Japaner hadern bis zum Schluss mit der Partnerwahl von Prinzessin Mako. Die Kontroverse beeinflusste auch Überlegungen zur Thronfolge. Martin Fritz aus Tokio.

Japan | Prinzessin Mako von Akishino und Kei Komuro

Prinzessin Mako und Kei Komuro bei der Bekanntgabe ihrer Verlobung im September 2017

Nach vier Jahren des Wartens heiratet Prinzessin Mako endlich ihren Studienschwarm Kei Komuro. Das Hofamt verkündete den 26. Oktober als Termin für die standesamtliche Hochzeit. Doch die Nachricht löste in Nippon keine Freude aus. Umfragen zufolge lehnen bis zu 90 Prozent der Japaner die Verbindung ab, weil Komuro nach ihrem Geschmack nicht einmal den normalen Moralstandard des Landes erfüllt, geschweige denn den hohen Standard der Kaiserfamilie. Seine Mutter soll hohe Schulden bei einem Ex-Verlobten nicht zurückgezahlt und Witwenrente unrechtmäßig bezogen haben.

Wegen der Berichte hatte das Hofamt den Eheplan von Mako und Kei jahrelang auf Eis gelegt. Dennoch blieben die Umstände bis heute im Dunkeln. Der Sohn wird "Aufnahmeteufel" genannt, weil er Gespräche der Prinzessin und ihrer Eltern heimlich mitgeschnitten haben soll. Vor wenigen Tagen löste er einen Shitstorm aus, als er seine Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden trug.

Japan | Kei Komuro

Kei Komuro mit Pferdeschwanz

Die harsche Berichterstattung ist an der knapp 30-jährigen Prinzessin nicht spurlos vorübergegangen. Mako leide an einer "komplexen posttraumatischen Belastungsstörung" (PTBS), teilte das Hofamt anlässlich der Bekanntgabe der Hochzeit mit. Für eine Besserung müssten die negativen Berichte aufhören. "Sie bekam das Gefühl, dass die Verleumdungen ihre Menschenwürde mit Füßen traten", erklärte ihr Arzt Tsuyoshi Akiyama. Sie erlebe Flashbacks voller Ängste und könne schwer ein "Gefühl des Wohlbefindens" empfinden.

Wurde also schon wieder eine Frau im Kaiserhaus zum Opfer der Medien? Nach Pressevorwürfen zu ihrem angeblich falschen Benehmen verlor bereits die abgedankte Kaiserin Michiko, damals die erste Bürgerliche am kaiserlichen Hof, monatelang ihre Stimme. Ihre Schwiegertochter und Amtsnachfolgerin Masako leidet seit zwei Jahrzehnten an den Folgen einer Anpassungsstörung, weil sie keinen männlichen Erben gebären konnte.

Dubioses Timing der Diagnose

Doch im Fall von Mako weckte das Timing der Veröffentlichung bei vielen Japanern Zweifel an der Echtheit der Diagnose. Falls es ihr so schlecht ginge, wie könne sie dann heiraten und dazu eine Pressekonferenz geben, schrieb ein Nutzer. Offenbar solle die Bekanntmachung ihrer Erkrankung die Kritik an ihr stoppen.

Die PTBS-Diagnose lieferte dem entschlossenen Paar auch eine neue Begründung, warum es bald nach New York übersiedeln will. Komuro legte dort kürzlich die Anwaltsprüfung ab und arbeitet für eine Kanzlei in Manhattan. Mako, eine Kennerin japanischer Kunst, hat schon eine Stelle bei einem Museum erhalten. Darüber hinaus scheint die Prinzessin alle Brücken hinter sich abbrechen zu wollen. Sie verzichtete auf die fünf Rituale und Zeremonien zum Abschied aus dem Kaiserhaus. Auch die staatliche Mitgift von 1,2 Millionen Euro, die ihr einen angemessenen Lebensstandard ermöglichen soll, schlug sie aus. Einige Berichterstatter verglichen ihre Reaktion mit Prinz Harry, der mit seiner Frau Meghan aus dem britischen Königshaus ebenfalls in die USA flüchtete. Doch ihr Fall ist anders gelagert: Durch ihre Heirat wird Mako zu einer Bürgerlichen und repräsentiert das Kaiserhaus nicht mehr.

Japan | Prinzessin Mako von Akishino

Prinzessin Mako will auf Mitgift verzichten (Archiv)

Ihr Mitgiftverzicht überzeugt viele Japaner nicht: Wenn Mako das Kaiserhaus wirklich so stark ablehnt wie sie es nun ausdrückt, dann hätte sie es nach dem Widerstand gegen ihre Heirat schon vor vier Jahren verlassen sollen. Das Kaisergesetz erlaubt diesen Schritt auch ohne die Heirat mit einem Bürgerlichen. Doch Mako behielt lieber ihren Status, der ihr eine jährliche Apanage von 70.000 Euro garantiert. Nach Meinung vieler Japaner sollte sie Dankbarkeit zeigen, statt ihre Ehe ohne Rücksichtnahme auf die Volksstimmung durchzusetzen.

Attacken auf weibliche Thronfolge

Die Kontroverse belastet inzwischen die Zukunft des Kaiserhauses. Auf Twitter wurde Makos Eltern vorgeworfen, sie hätten die Prinzessin falsch erzogen. So hatten Mako und ihre drei Jahre jüngere Schwester Kako als erste Mitglieder der Kaiserfamilie nicht an der erzkonservativen früheren Adelsuniversität Gakushuin studiert, sondern lernten an der weltoffeneren International Christian University in Tokio die Freiheit lieben.

Japans Kaiser - Akihito

Kaiserliches Familienfoto von 1994: Prinzessin Mako (mit Kuscheltier) sitzt zwischen Großeltern Akihito (l.) und Michiko, ihre Eltern Fumihito und Kiko stehen hinter der Großmutter. Links und rechts außen sitzen Naruhito (r.) und Masako, derzeit Kaiser und Kaiserin von Japan. Ihre Tante Sayako (hinten links) verlässt das Kaiserhaus 2005 nach Heirat mit einem Bürgerlichen

Zeitweise kursierte der Hashtag "Die Mako-Familie soll aus dem Kaiserhaus ausgestoßen werden". Dadurch würde das Kaiserhaus jedoch die Thronfolger verlieren. Makos Vater, Kronprinz Fumihito (55), ist der jüngere Bruder des Kaisers Naruhito. Fumihito und sein 15-jähriger Sohn Hisahito sind die einzigen männlichen Nachkommen der Kaiserfamilie. Der Tenno (wie die japanischen Herrscher genannt werden) selbst hat nur eine Tochter: Aiko.

Der Skandal hat auch die Debatte um die Thronfolge beeinflusst. Bislang dürfen laut Gesetz nur Männer Kaiser werden. Aber die männliche Thronlinie würde enden, falls Hisahito und seine künftige Frau keinen Sohn bekämen. Umfragen zufolge würde die Mehrheit der Japaner auch eine Kaiserin akzeptieren. Dann könnte die heute 19-jährige Aiko ihrem Vater Naruhito auf den Chrysanthementhron folgen. Doch bei einer Expertenanhörung im Frühjahr nutzten konservative Experten den Mako-Streit, um Stimmung gegen Frauen auf dem Thron machen.

Japan Kaiser Akihito mit Familie

Familienfoto aus dem Jahr 2016: Die kaiserliche Familie hat endlich männlichen Nachwuchs: Prinz Hisahito, in der hinteren Reihe. Ebenfalls hinten, ganz links außen: Prinzessin Mako, neben ihrer Cousine Aiko

Professor Hidetsugu Yagi von der Universität Reitaku behauptete, dass auch eine zukünftige Tochter von Mako und Kei theoretisch Kaiserin werden könnte. Jedoch wird derzeit nur eine weibliche Thronfolge auf der männlichen Erblinie diskutiert.

Die konservative Journalistin und Royal-Expertin Yoshiko Sakurai lehnte eine andere Lösungsidee ab, wonach die Prinzessinnen trotz Heirat im Kaiserhaus bleiben sollen. Dadurch könnten auch Männer wie Komuro in die Tenno-Familie einheiraten, warnte sie. Lieber sollte Japan die Kaiserfamilie durch frühere Adelige vergrößern, die nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg ihre Titel abgeben mussten, argumentierte Sakurai.

Die Redaktion empfiehlt