Japans Ex-Premier Nakasone ist tot | Aktuell Welt | DW | 29.11.2019
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Asien

Japans Ex-Premier Nakasone ist tot

Über Jahrzehnte dominierte Yasuhiro Nakasone die Politik der heute dittgrößten Volkswirtschaft der Welt. Jetzt ist der ehemalige japanische Regierungschef im Alter von 101 Jahren gestorben.

Während seiner Regierungszeit von 1982 bis 1987 haderte Yasuhiro Nakasone mit der pazifistische Nachkriegsverfassung seines Landes. Der konservative Politiker trat dafür ein, Japan die Möglichkeit zugeben, wie jeder andere souveräne Staat auch seine Interessen mit militärischen Mitteln wahren zu können. Unter anderem sorgte er mit martialischen Äußerungen für Aufsehen und erklärte etwa, Japan sei ein "unsinkbarer Flugzeugträger der freien Welt".

Nakasone kam 1959 als Generaldirektor des Amtes für Wissenschaft und Technik erstmals in die Regierung und leitete auch die Atomenergiekommission. Über Jahrzehnte blieb er an den Schaltstellen der Macht. Seine Amtszeit als Premier fiel in die letzten Jahre des Kalten Krieges. Nakasone setzte sich für ein starkes Sicherheitsbündnis mit den USA ein; seine enge Duzfreundschaft mit dem damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan ging als "Ron-Yasu-Diplomatie" in die Geschichtsbücher ein.

Umstrittene Besuche des Yasukuni-Schreins

Für ein militärisches Wiedererstarken Japans setzt sich heute auch Nakasones rechtskonservativer Parteikollege und späterer Nachfolger Shinzo Abe ein. Auch der gegenwärtige Regierungschef hat wie seinerzeit Nakasone das Ziel, die pazifistische Verfassung zu ändern: Diese entspreche nicht der einer unabhängigen Nation, da sie Japan 1946 von der Besatzungsmacht USA aufgezwungen worden sei.

Zu Nakasones Selbstverständnis eines "gesunden" nationalen Selbstbewusstseins gehörten auch offizielle Besuche des umstrittenen Yasukuni-Schreins. In dem Shinto-Heiligtum im Herzen Tokios wird der in Kriegen für das japanische Kaiserreich Gestorbenen gedacht - unter ihnen sind auch verurteilte und hingerichtete Kriegsverbrecher. Ministerpräsident Abe hatte den Schrein zuletzt im Dezember 2013 besucht und damit scharfe Kritik ausgelöst. Seither beließ es der Rechtskonservative bei Opfergaben.

bri/jj (dpa, ape)