″Japans Beethoven″ am Ende | Musik | DW | 07.03.2014
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Musik

"Japans Beethoven" am Ende

Ein Skandal beschäftigte die Klassik-Szene in Japan: Ein tauber Starkomponist hatte lange weltweit Beachtung gefunden. Zweifel waren aufgekommen. Jetzt hat Japans "falscher Beethoven" seine Glaubwürdigkeit verloren.

Mamoru Samuragochi war Jahrzehnte lang als tauber Starkomponist gefeiert worden. Mitte der neunziger Jahre hatte er sich mit klassischen Kompositionen zu Videospielen wie etwa "Resident Evil" einen Namen gemacht. Seine "Hiroshima"-Sinfonie wurde als Ehrung der Opfer des Atomangriffs bekannt und später zur Hymne für den Überlebenswillen der von der Tsunami-Katastrophe im März 2011 betroffenen Regionen.

Vor einigen Wochen trat dann plötzlich Musikdozent Takashi Niigaki vor die Öffentlichkeit in Tokio und verriet, dass "Japans Beethoven" weder Noten lesen noch komponieren könne. Er selbst habe für Mamoru Samuragochi als Ghostwriter gearbeitet und alle Werke für den "Starkomponisten" geschrieben.

Der überführte Schwindler Samuragochi warf seinem langjährigen Komplizen am Freitag (07.03.2014) auf einer Pressekonferenz Verrat vor. Der habe das üble Spiel so lange mitgemacht, wie sein Honorar gestimmt habe. Über 50.000 Euro habe er Niigaki für die Erstellung der Partituren gezahlt, das Gesamtkonzept sei aber immer sein eigenes gewesen, begründete der Blender sein Verhalten.

Das Bild zeigt Mamoru Samuragochi am 28. dezember 2013 mit langen Haaren und dunkler Sonnebrille vor einem Orchester in Hiroshima auf der Höhe seiner gefälschten Karriere als Japans Beethoven. (Foto: JIJI PRESS/AFP/Getty Images)

Hiroshima 2013: Alles nur Schwindel

Erstmals entschuldigte sich Samuragochi nun selbst für die jahrelange Täuschung mit einem Komponisten-Ghostwriter. "Ich bedauere zutiefst, dass ich meine Fans betrogen und andere enttäuscht habe", sagte der Fünfzigjährige in Tokio. Für den Bußgang hatte Samuragochi , der früher lange Haare, Bart und dunkle Sonnenbrille trug, sein Erscheinungsbild komplett verändert, wirkte nun eher wie ein braver Büroangestellter.

Bis zum Freitag hatte Samuragochi auch die Mär von seiner (zuletzt teilweisen) Taubheit aufrecht erhalten. Er hatte 2001 behauptet, seit seinem 35. Lebensjahr taub zu sein. "Mein Gehör zu verlieren war ein Geschenk Gottes. Ich habe mich deshalb aber nicht vom Komponieren abhalten lassen", hatte er einem Journalisten des US-Magazins "Time" erklärt, der ihn als "den Beethoven des digitalen Zeitalters" feierte. Doch vor Journalisten stellte sich jetzt in Tokio heraus, dass Samuragochi sämtliche Fragen gut verstehen konnte. Der Mythos des "japanischen Beethoven" ist damit nach fast zwei Jahrzehnten endgültig erloschen. Seine Karriere dürfte ein abruptes Ende finden.

pz/ jb (AFP)