Japan: Strengere Regeln für Zuwanderung
29. Juni 2026
"Ich war schockiert. Es ist einfach zu teuer, alle drei Jahre 100.000 Yen für die Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis zu zahlen", sagt Srijana Sunar. 100.000 Yen, umgerechnet etwa 550 Euro, sind zu viel für die 29-jährige Nepalesin. Im Monat verdient sie jetzt 145.000 Yen (etwa 790 Euro). Sie arbeitet seit 2018 in einer Fabrik in Japan.
Ende Mai verabschiedete die japanische Regierung ein Gesetz und erhöht ab März 2027 die Höchstgebühr für die Änderung des Aufenthaltsstatus oder für die Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis von Ausländern. Statt derzeit 10.000 müssen sie dann 100.000 Yen pro Person zahlen.
Seine langjährigen Bemühungen als ausländischer Arbeiter in Japan seien nicht "belohnt" worden, sagt Srijanas Ehemann, Spandan Sunar. Er arbeitet seit 2016 für ein japanisches Transportunternehmen und eine Sprachschule für Japanisch. "Wir sind keine Neuankömmlinge. Wir haben einen rechtmäßigen Aufenthaltstitel, halten uns an die Regeln und zahlen Steuern. Aber unsere Freiheit, einen neuen Job mit besseren Arbeitsbedingungen zu suchen, ist sehr eingeschränkt", sagt Sunar in akzentfreiem Japanisch.
Das junge Paar hat 2022 in Japan geheiratet und möchte sich dauerhaft in Japan niederlassen. Allerdings muss es beweisen, dass es sich das auch leisten kann. Denn die Umschrift auf eine unbefristete Niederlassungserlaubnis soll ab 2027 umgerechnet 1650 Euro kosten. Außerdem müssen die Antragsteller ein jährliches Mindesteinkommen von 16.500 Euro nachweisen können.
Alternde Gesellschaft
Japans Bevölkerung schrumpft. 2025 zählte das japanische statistische Amt 119,7 Millionen Einwohner. Das sind 941.000 weniger als 2024. Gleichzeitig sind 356.000 Ausländer neu nach Japan zugewandert. Ende 2025 leben etwa 4,1 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in Land der aufgehenden Sonne.
"Ausländische Arbeitskräfte sind unverzichtbar", sagt Toshihiro Menju, Experte für japanische Zuwanderungspolitik, im DW-Interview. "Ohne sie würde die Gesellschaft nicht funktionieren. Es ist unmöglich, den Mangel an Arbeitskräften allein damit auszugleichen, mehr Frauen für die Arbeitswelt zu rekrutieren oder mehr Roboter einzusetzen."
Die Zahl ausländischer Arbeitskräfte habe branchenübergreifend zugenommen, sagt Menju, der auch Gastprofessor an der Kansai-Universität für Internationale Studien ist. "Von hoch qualifizierten Berufen bis hin zur Pflege: sie sind überall. Es gibt immer weniger Menschen, die die grundlegende Infrastruktur der Gesellschaft in Japan stützen."
Japan verschärft Einwanderungspolitik
Im Januar einigte sich die Regierung unter der konservativen Premierministerin Sanae Takaichi der Dauerregierungspartei LDP auf ein Paket strengerer Maßnahmen in Bezug auf Zuwanderung. Schon im November 2025 wurde eine staatliche Ausländerbehörde für die Regulierung der Migration gegründet.
Zu den neuen Maßnahmen gehören zum Beispiel die Verdopplung der Aufenthaltsdauer als Grundlage für die Einbürgerung auf zehn aufeinanderfolgende Jahre sowie Vorgaben für als zwingend notwendig angesehene japanische Sprachkenntnisse für eine dauerhafte Niederlassung. "Viele unserer öffentlichen Infrastrukturen waren nicht für eine so große Zahl ausländischer Besucher und Zuwanderer konzipiert worden", sagt Takashi Yamashita, Abgeordneter der LDP und Vorsitzender der Arbeitsgruppe für Migration, im DW-Interview.
"Wir ziehen eine klare Grenze. Wir werden diejenigen, die die staatlichen Leistungen mittragen und sie auch fair in Anspruch nehmen, nachdrücklich unterstützen. Wir werden aber gleichzeitig entschlossen gegen Missbrauch, übermäßige Inanspruchnahme der Sozialleistungen und Ausnutzung vorgehen. Wir arbeiten daran, das Gefühl der Ungerechtigkeit in der Öffentlichkeit zu beseitigen."
Ablehnung gegenüber Ausländern
Die Verschärfung der Politik erfolgt vor dem Hintergrund wachsender öffentlicher Bedenken gegenüber Ausländern. Laut einer repräsentativen Meinungsumfrage 2025 gaben 37 Prozent der Befragten an, sie hielten es für "nicht gut", dass es immer mehr Ausländer bei der Arbeit und im Stadtbild gebe. Das waren 10 Prozentpunkte mehr gegenüber 2024.
Ein 26-jähriger japanischer Berater aus Tokio, der anonym bleiben möchte, äußert seine Besorgnis darüber, dass die Zugewanderten kein ausreichendes Verständnis über Japan hätten, vor allem nicht über die gesellschaftlichen Normen oder wenn es um die öffentliche Sicherheit gehe.
"Zum Beispiel herrscht in Japan ein gewisser Konsens als eine ungeschriebene Regel, dass man an öffentlichen Orten Rücksicht auf andere nimmt. Ich beobachte jedoch Verhaltensweisen wie das Abspielen von Musik ohne Kopfhörer oder das Telefonieren in Zügen, die vielen Menschen Unbehagen bereiten. Japaner neigen dazu, solche Verhaltensweisen nicht direkt anzusprechen, obwohl sie sich unwohl fühlen."
Eine 34-jährige Chinesin, die im Aussehen nicht wesentlich von den Einheimischen unterscheidet und bei einem IT-Unternehmen in Tokio arbeitet, sagt: "Die Realität als internationale Arbeitskräfte in Japan unterscheidet sich je nach Nationalität. Von Menschen wie mir, die aus Ostasien kommen, wird erwartet, dass ich mich eher wie Japaner benehme."
Politischer Rechtsruck
"Es wird unter den Japanern allmählich eine negative Stimmung aufgebaut, dass die japanische Kultur und Identität durch Menschen mit Migrationshintergrund bedroht wären", sagt Koki Yamaguchi, ein 27-jähriger japanischer Doktorand in Osaka.
Diese Stimmung nutzte die rechtspopulistische Partei mit ihrem Slogan "Japaner zuerst". Sie konnte bei den Parlamentswahlen im Juli 2025 deutliche Gewinne (15 von 245 Sitzen) erzielen.
"Der Sanseito ist gelungen, die 'Ausländerfrage' auf die politische Agenda zu setzen", sagt Sachi Takaya, außerordentliche Professorin an der Universität Tokio. "Die Takaichi-Regierung behauptet, eine klare Grenze zwischen ihrer Politik und der Fremdenfeindlichkeit zu ziehen. Doch in der Praxis verfolgt sie eine zuwanderungsfeindliche Politik."
Für Spandan Sunar aus Nepal, der seit zehn Jahren in Japan lebt und arbeitet, ist die Zukunft düster. Doch trotz hoher Kosten und der strengeren Politik gegenüber ausländischen Arbeitskräften haben er und seine Frau kaum eine andere Wahl, als zu bleiben. Es wäre aber auch ein "Verlust" für Japan, wenn neue Maßnahmen ausländische Arbeitskräfte dazu zwingen würden, das Land zu verlassen. "Die Schaffung einer Willkommenskultur, in der wir ermutigt werden, zu bleiben und einen Beitrag zu leisten, würde Japan letztendlich zugutekommen."
Aus dem Englischen adaptiert von Dang Yuan