Japan ringt auf Schauplatz Indonesien mit China | Asien | DW | 20.01.2020
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Kampf um Einfluss im Südchinesischen Meer

Japan ringt auf Schauplatz Indonesien mit China

Indonesien will mit Unterstützung aus Japan Chinas Ansprüche auf Fischereigebiete am Rande des Südchinesischen Meeres eindämmen. Japan muss gleichzeitig darauf achten, seine Wiederannäherung an China nicht zu gefährden.

Am 11. Januar vertrieben drei Marinekreuzer der indonesischen Streitkräfte (Titelfoto) über 50 chinesische Schiffe aus der nördlichen Natuna-See, einem Gebiet zwischen der malaiischen Halbinsel und Borneo. Die Flotte aus Fischern und Küstenwache hatte ihre Netze zwei Wochen lang in einem Seegebiet ausgeworfen, in dem sich die exklusive Wirtschaftszone von Indonesien und das von China beanspruchte Südchinesische Meer innerhalb seiner international nicht anerkannten sogenannten Nine-Dash-Line ("Neun-Striche-Linie") überlappen. Der Konflikt ist älter: Vor vier Jahren hatte die indonesische Marine ein Fischerboot der Volksrepublik in den Gewässern, die China auch als "traditionelles Fanggebiet" beansprucht, beschossen. Darauf hatte Indonesien im Dezember 2018 eine Militärbasis auf den Natuna-Inseln eröffnet.

Indonesien Jakarta Treffen Präsident Joko Widodo mit Außenminister Japans Toshimitsu Motegi und CEO der SoftBank Masayoshi Son (Biro Pers Sekretariat Presiden/Muchlis Jr)

Auf gute Zusammenarbeit: Japans Außenminister Toshimitsu Motegi und der indonesische Präsident Joko Widodo Anfang Januar in Jakarta

Japanische Investitionsoffensive

Damals wie heute setzt die indonesische Regierung auf Unterstützung aus Japan, um die chinesischen Hoheitsansprüche abzuwehren. Präsident Joko "Jokowi" Widodo und Japans Außenminister Toshimitsu Motegi verständigten sich am 10. Januar in Jakarta auf eine engere Zusammenarbeit "in Bezug auf das Südchinesische Meer". Motegi versprach Widodo eine technische Unterstützung der indonesischen Küstenwache schon ab diesem Monat sowie neue Kapitalhilfen für die Natuna-Inselgruppe. Im soeben abgelaufenen Jahr hatte Japan Indonesien bereits 22,7 Millionen US-Dollar für die Entwicklung von Fischereihäfen auf sechs Inseln, darunter der Natuna-Gruppe, sowie 7,3 Millionen US-Dollar für einen Fischmarkt auf Natuna zugesagt. Laut Motegi sollen die Bauvorhaben im Februar beginnen.

Eine flankierende Wirkung zu diesen Plänen entfaltet der Vorstoß des japanischen Investors Masayoshi Son, der ebenfalls am 10. Januar mit Widodo zusammenkam. Son bot ihm nach Informationen von Bloomberg eine Investition von 30 bis 40 Milliarden Dollar für die geplante neue indonesische Hauptstadt auf Borneo an. Der Milliardär mit koreanischen Wurzeln wurde bereits in den Lenkungsausschuss für den Städtebau berufen, der in diesem Jahr beginnen soll. Die angebotene Summe ist erstaunlich hoch, denn die Regierung in Jakarta schätzt die gesamten Baukosten nur auf 34 Milliarden US-Dollar. Doch das Angebot von Son wird in Indonesien ernstgenommen: Seine Softbank Group hat über den Mobilitätsanbieter Grab und den Online-Marktplatz Tokopedia bereits vier Milliarden Dollar in Indonesien gesteckt.

Infografik Karte Südchinesisches Meer DE

Die Natuna-See befindet sich zwischen den beiden Teilen Malaysias

Wettbewerb um Einfluss in der Region

Mit diesen privaten und staatlichen Investitionen aus Japan wird Indonesien zu einem neuen Schauplatz des Wettstreits zwischen den Regierungen in Tokio und Peking um Einfluss auf Asien. Dabei liegt der Schwerpunkt auf Kapitalhilfen für eine bessere Infrastruktur von Straßen über Häfen bis zu Bahnlinien. China setzt dafür seine "Belt and Road"-Initiative (BRI) und die 2016 gegründete "Asiatische Infrastruktur-Investment Bank" (AIIB) ein. Japan antwortet mit seiner „freien und offenen Indopazifik-Strategie" für "hochqualitative Infrastruktur" und benutzt die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) in Manila. Mit seiner Strategie will Japan verhindern, dass die großen Seetransportwege Asiens unter chinesische Kontrolle geraten.

In Indonesien gehört Japan schon seit den 1970er und 1980er Jahren zu den größten Investoren und war zuletzt hinter Singapur die Nummer zwei mit 31 Milliarden US-Dollar Gesamtsumme in den vergangenen zehn Jahren. Aber China liegt inzwischen an dritter Stelle, auch dank des Zuschlags für den Bau der 150 Kilometer langen Superschnellzugstrecke zwischen Jakarta und Bandung zum Preis von 5,5 Milliarden Dollar. Bei der Vergabe ging ein japanisches Baukonsortium leer aus. Aber im vergangenen Jahr besänftigte Indonesien die japanische Enttäuschung mit einem Auftrag über 4,2 Milliarden Dollar für eine 436 Kilometer Bahnstrecke zwischen Jakarta und Surabaya. Indonesien ist auch ein wichtiger Absatzmarkt für die japanische Autoindustrie. Allein die Marken der Toyota-Gruppe machten 2019 laut Marktforscher Marklines mehr als die Hälfte der Verkäufe von 940.000 Stück aus.

Peking Abe bei Xi (picture-alliance/dpa/Kyodo)

Verbesserte Beziehungen zu China haben für Japan Priorität.

Tokio will Pekinger Besorgnisse entkräften

Die verstärkte Kooperation mit Japan könnte Indonesien dazu ermutigen, sich stärker gegen Chinas Ausbreitung im Südchinesischen Meer zu stemmen. Denkbar wäre sogar die Entstehung einer gemeinsamen Front der betroffenen Anrainerstaaten entlang der von China gezogenen Neun-Striche-Linie gegen Chinas Expansionsbestrebungen. Eine solche Entwicklung würde allerdings den Bemühungen der Regierung in Tokio um eine Verständigung mit seinem großen asiatischen Rivalen China zuwiderlaufen. Die beiden Großmächte in Ostasien haben sich nach langer Eiszeit in den Beziehungen wieder einander genähert, und zwar als eine Folge der Handelsstreitigkeiten zwischen China und den USA. Im Herbst 2018 besuchte Japans Premier Shinzo Abe Peking, im April soll der Gegenbesuch von Staatspräsident Xi Jinping in Tokio erfolgen.

Außenminister Motegi milderte denn auch vorausschauend die mutmaßliche Verärgerung in China über die japanische Unterstützung für Indonesien ab. Er hoffe auf eine friedliche Lösung des Streits zwischen China und den südostasiatischen Ländern auf der Grundlage des Völkerrechts, sagte der Außenminister am Montag im Parlament. Die Volksrepublik beansprucht etwa 80 Prozent der rohstoffreichen Gewässer im Südchinesischen Meer. In den vergangenen Jahren löste China internationale Proteste aus, als es an mehreren Riffen im Südchinesischen Meer Land aufschüttete und Militärbasen errichtete.

 

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