Japan kehrt nach Fukushima zur Atomkraft zurück | Aktuell Asien | DW | 11.08.2015
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Aktuell Asien

Japan kehrt nach Fukushima zur Atomkraft zurück

In der Bevölkerung Japans ist die Erinnerung an die Katastrophe von Fukushima noch nicht verblasst. Kein Grund für Tokio, den Reaktor Sendai nicht trotzdem wieder hochzufahren. Es soll nicht der letzte gewesen sein.

Lange standen alle 48 Atomreaktoren des Landes still. Nun hat Japan erstmals seit der Atomkatastrophe von Fukushima am 11. März 2011 wieder einen Kernreaktor in Betrieb genommen. Der erste Block des Atomkraftwerks (AKW) Sendai im Südwesten des Inselreiches sei angeschaltet worden, gab der Betreiberkonzern Kyushu Electric Power am Dienstag morgen bekannt.

Ab Freitag soll Block 1 Strom produzieren, im Oktober soll dann der zweite Block folgen. Es ist ein Erfolg für die rechtskonservative Regierung Shinzo Abes, die wiederholt deutlich machte, dass sie auf Atomkraft nicht verzichten will. Dafür setzte sie sich über den Widerstand der eigenen Bevölkerung hinweg. Bis zuletzt hatten Bürger vor Gericht versucht, das Wiederanfahren zu stoppen. Auch Umfragen sprechen eine deutliche Sprache: Eine Mehrheit der Japaner lehnt eine Rückkehr zur Atomkraft ab.

Angst vor einem zweiten Fukushima

Hunderte Atomkraftgegner demonstrierten am Montag vor dem AKW Sendai. Dem Betreiber und den Behörden warfen sie vor, unklar gelassen zu haben, wie sie im Falle eines ähnlichen Unfalls wie in Fukushima Zehntausende von Anwohnern evakuieren wollten. Etwa 220.000 Menschen leben innerhalb eines Radius von 30 Kilometern um Sendai herum.

Die Gefahr einer neuerlichen Katastrophe ist längst nicht vollkommen gebannt: Gewaltige Erdbeben sind in Japan keine Seltenheit. Darüber hinaus liegt das AKW nur 50 Kilometer vom Vulkan Sakurajima entfernt, einem der aktivsten Vulkane des Landes. "Sie missachten fundamentalste Prinzipien der nuklearen Sicherheit und des Schutzes der öffentlichen Gesundheit", sagte Shaun Burnie, Atomexperte bei Greenpeace Deutschland der Deutschen Presse-Agentur.

Atomkraft statt Öl und Gas

Dabei war das AKW in Sendai das erste, das die nach der Reaktorkatastrophe eingeführten neuen Sicherheitsauflagen erfüllt hat. Tokio spricht in diesem Zusammenhang gar von den "strengsten Sicherheitsvorkehrungen der Welt".

Japans Ministerpräsident Shinzo Abe (Foto: picture-alliance/dpa)

Shinzo Abe hat seine Entscheidung im Sinne der japanischen Wirtschaft getroffen

Gleichzeitig bekannte ein Regierungssprecher: "Das Wiederanfahren von Atomreaktoren, deren Sicherheit bestätigt wurde, ist für unsere Energiepolitik wichtig." Als Ersatz für den Ausfall der AKW's deckten japanische Betreiberkonzerne den Strombedarf mit Wärmekraftwerken. Dafür musste das rohstoffarme Land jedoch teures Öl und Gas importieren. Daraus entstehen Kosten, die Abe nicht länger in Kauf nehmen will. Bis zum Jahr 2030 soll der Anteil an Atomenergie an der Stromversorgung Japans deshalb weiter bis auf mindestens 20 Prozent steigen. Dafür müssen 24 weitere Reaktoren wieder angeschlossen werden.

nin/wl (dpa, afp)

Die Redaktion empfiehlt