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"Die Politik der neuen griechischen Regierung trägt Früchte"

Kostas Simeonidis
11. Oktober 2019

Die Wirtschaftslage in Griechenland scheint sich zu erholen – das ist auch ein Verdienst der neuen Regierung in Athen, sagt Jürgen Matthes. Eine Rezession in Deutschland sieht er nicht kommen.

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Jürgen Matthes Institut der deutschen Wirtschaft Köln
Jürgen Matthes, Institut der deutschen Wirtschaft KölnBild: Institut der deutschen Wirtschaft Köln

Deutsche Welle: Aus dem griechischen Finanzministerium verlautete am Dienstag, man erwarte kommendes Jahr ein Wirtschaftswachstum von 2,8 Prozent. Und das trotz der globalen Unsicherheiten und der Konjunkturabkühlung, die Sie auch erwähnt haben. Das ist doch sehr positiv zu beurteilen, oder?

Jürgen Matthes: Das ist definitiv positiv. Und es zeigt, dass ein reformorientierter, unternehmensfreundlicherer, angebotsorientierterer Kurs der Regierung, also der neuen Regierung jetzt, seine Früchte tragen kann. Denn einer der entscheidenden Punkte ist, dass das Vertrauen der Unternehmen und der Wirtschaftsakteure in die griechische Wirtschaft nicht da war, d.h., man wollte nicht investieren (…). Wenn jetzt wieder das Vertrauen in die Politik zurückkommt, dann sind wir natürlich wieder in einer Situation wo auch das Wachstum wieder zurückkommen kann. Das ist was wir schon seit Jahren immer wieder gefordert haben (…).

Das Problem bei der früheren Regierung war, dass immer der Eindruck da war, es ist immer nur der Druck von außen der sie zum Handeln zwingt und dass die Regierung eigentlich lieber einen linksorientierten und nicht so angebotsfreundlichen Kurs fahren würde. Nachdem die frühere Regierung viel Vertrauen zerstört hat, kommt das Vertrauen auch sehr langsam wieder zurück. Eine neue Regierung die ohnehin dann mit der Neuen Demokratie konservativer und liberaler aufgestellt ist und die dann auch die richtigen Entscheidungen am Anfang trifft, mit Privatisierungskurs und die Banken stärker in Richtung Konsolidierung zwingt, das bringt natürlich Vertrauen zurück und Vertrauen ist die entscheidende Währung die Griechenland nach vorne bringen kann.

Der Hafen von Piräus
Der Hafen von PiräusBild: Imago Images/ZUMA Press

Wie ernst ist zurzeit die Lage in Deutschland? Droht tatsächlich eine Rezession?

Das glauben wir nicht, weil die Binnenwirtschaft noch kräftig gegenhält. Die Industrie ist zwar schon seit einiger Zeit damit konfrontiert, dass die Produktion zurückgeht und somit eine Rezession in der Industrie selbst herrscht, klar vorwiegend vermittelt über die Außenwirtschaft, über die Schwäche im Export aufgrund der Schwäche des Welthandels. Brexit, Trump und Protektionismus, zusammen mit der Unsicherheit die den globalen Investitionszyklus deutlich dämpft, sind die entscheidenden Faktoren.

Auf der anderen Seite ist aber der Arbeitsmarkt weiter in einer sehr sehr starken Verfassung. Sowohl die Arbeitslosigkeit sinkt leicht weiter (obwohl zu Letzt ganz bisschen gestiegen). Es gibt auch weiter einen leichten Aufbau bei den Erwerbstätigen und vor allem ist die Lohnentwicklung weiter so, dass die Leute mehr Geld real in der Tasche haben und die Kaufkraft steigt. Von daher, die Stärke der Binnenwirtschaft wird dem entgegenkommen. Der private Konsum und Investitionen waren zuletzt auch noch einigermaßen stabil im II. Quartal.

Die entscheidende Frage ist, wie weit frisst sich die Industrierezession nachher doch in die andere Bereiche hinein. Das hängt natürlich davon ab, wie lange die Industrierezession anhalten wird und ob sie noch deutlich tiefer wird. Je mehr diese beiden Faktoren relevant werden, desto größer wäre natürlich die Gefahr, dass nach und nach auch dann die Binnenwirtschaft etwas schwächelt. Aber eine tiefe Rezession oder eine richtige Krise sehen wir momentan nicht.

Für den Fall, dass es doch ernster würde, wäre Griechenland dafür gewappnet sein? Oder wäre es einer der ersten Länder, die in Mitleidenschaft gezogen würden?

Natürlich würde eine Schwäche von Deutschland insgesamt auf den Euroraum ausstrahlen. Aber die Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Griechenland sind lange nicht so intensiv, wie z.B. zwischen Deutschland und Frankreich oder Deutschland und den Niederlanden. Von daher ist Griechenland natürlich weiter in eine Situation, wo eine Verunsicherung die sich im Euroraum breit machen könnte auch die griechische Wirtschaft treffen könnte. Aber die realwirtschaftlichen Kanäle sind aber   vergleichsweise überschaubar von ihrer Größe her.

Das Gespräch führte Konstantinos Simeonidis

Jürgen Matthes ist Leiter des Kompetenzfelds Internationale Wirtschaftsordnung und Konjunktur des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln.