IWF: Trump gefährdet gute Weltkonjunktur | Wirtschaft | DW | 17.04.2018
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Konjunkturprognose

IWF: Trump gefährdet gute Weltkonjunktur

Trotz der Handelsstreitigkeiten erwartet der Internationale Währungsfonds eine weiter wachsende Weltwirtschaft. Der IWF sagt für 2018 und 2019 ein globales Wachstum von jeweils 3,9 Prozent voraus, sieht aber Risiken.

Ungeachtet eines weiterhin strammen weltweiten Wirtschaftswachstums warnt der Internationale Währungsfonds (IWF) vor  erheblichen Risiken für die globale Konjunktur. Der gegenwärtige Handelsstreit, vor allem zwischen den beiden größten Volkswirtschaften USA und China, sei ein großes Risiko und könne Wachstum früher als nötig abwürgen, teilte der IWF am Dienstag in Washington mit. In Industrieländern seien alterndes Personal, Fachkräftemangel und nur langsam wachsende Produktivität weitere Probleme.

Seine Wachstumsprognosen für die Weltwirtschaft beließ der IWF unverändert bei jeweils 3,9 Prozent für dieses und nächstes Jahr. Für die USA wurden die Wachstumsprognosen um jeweils 0,2 Punkte auf 2,9 (2018) und 2,7 (2019) Prozent erhöht. Für die Eurozone liegt die Projektion für dieses Jahr 0,2 Punkte höher bei 2,4 Prozent. Die Erwartungen für die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr wurden ebenfalls um 0,2 Punkte auf 2,5 Prozent angehoben.

US-Defizit wird weiter wachsen

Der von US-Präsident Donald Trump befeuerte Handelsstreit kann nach Einschätzung des IWF die florierende Weltwirtschaft aus der Spur bringen. IWF-Chefvolkswirt Maurice Obstfeld (Artikelbild) sagte, es sei "geradezu paradox", dass wichtige Länder in Zeiten einer boomenden Wirtschaft mit einem Handelskrieg flirteten.

Die von Trump ausgelöste Runde neuer Importzölle sowie seine Drohungen mit weiteren Maßnahmen dürften nicht viel an den weltweiten Ungleichgewichten im Handel ändern. Im Gegenteil: Der IWF rechnet für 2019 mit einem US-Handelsdefizit, das rund 150 Milliarden Dollar höher liegen könnte, als er es noch im Oktober 2017 erwartet hatte.

Zudem bezeichnete der IWF die längerfristigen Wachstumsaussichten der den meisten Industrieländer als ernüchternd. Dabei sei die hohe Verschuldung von Staaten und Haushalten eine Hypothek. Kurzfristig sollten allerdings die Volkswirtschaften in den USA und Deutschland stärker zulegen als bislang erwartet.

Gute Aussichten für Deutschland

Für die USA erwartet der IWF in diesem Jahr einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 2,9 Prozent, im nächsten Jahr von 2,7 Prozent. Das Institut schraubt damit seine Januar-Prognose um jeweils 0,2 Punkte nach oben. Mittelfristig erwartet der Fonds allerdings, dass sich das Wachstum in den Vereinigten Staaten wieder abschwächt, auf ein Niveau von etwa 2,3 Prozent. Trump hat sich drei Prozent zum Ziel gesetzt.

In seinem Bericht geht das Institut auch auf die Perspektiven für Deutschland ein, die es insgesamt positiv einschätzt. Für das laufende Jahr sagt der IWF eine Zunahme des deutschen BIP um 2,5 Prozent voraus, womit er seine Prognose vom Januar um 0,2 Punkte hinaufsetzte. Die Vorhersage für 2019 beließ das Institut unverändert bei 2,0 Prozent.

Der Bundesregierung empfahl der IWF, die gestiegenen Steuereinnahmen schwerpunktmäßig für Investitionen in die digitale Infrastruktur, in die Kinderbetreuung und die Ausbildung und Integration von Flüchtlingen zu nutzen. Das Wachstum könne durch verstärkten Zugang von Frauen und Ausländern zum Arbeitsmarkt befördert werden.

Spare in der Zeit, dann hast du in der Not

Der Fonds ergänzte, es gebe weitere Faktoren, die längerfristig dämpfend wirkten. "Das globale Wachstum wird sich voraussichtlich nach den nächsten paar Jahren verlangsamen", hieß es in dem Bericht. Das Pro-Kopf-Wachstum werde insbesondere in etablierten Industrieländern auf ein Niveau sinken, das unter dem Durchschnitt der Jahre vor der Finanzkrise von 2008 liegen dürfte.

In vielen Ländern Europas, so auch Deutschland, sei das unter anderem eine Folge der demografischen Entwicklung. In den USA dagegen werde der Impuls der jetzigen Steuersenkungen ab 2020 nachlassen. Die Länder müssten die aktuell gute Lage nutzen, um sich mit Reformen und Rücklagen krisenfester zu machen.

dk/hb (dpa, afp, rtr)