Isenheimer Altar bekommt teure Frischekur | Kunst | DW | 04.09.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kunst

Isenheimer Altar bekommt teure Frischekur

Die ausdrucksstarken Gemälde des Isenheimer Altars gehören zu den bedeutendsten Werken europäischer Kunst. Längst haben die Bilder ihren Glanz verloren. Doch das soll sich nun ändern.

Der berühmte Isenheimer Altar im elsässischen Colmar bekommt eine Frischekur. Das Meisterwerk von Matthias Grünewald (um 1480-1528) wird von Mitte September an drei bis vier Jahre lang umfassend restauriert. Den Plan für das 1,2 Millionen Euro teure Projekt stellten das Museum Unterlinden, die verantwortlichen Restauratoren und Experten am Dienstag (04.09.2018) in Colmar vor.

Die Bildtafeln des Wandelaltars seien vergilbt, sagte Blandine Chavanne, Chefin der Verwaltungsbehörde für die französischen Museen. Um die Strahlkraft der Farben wieder herzustellen, soll der Schutz-Anstrich auf den Gemälden zum Teil abgetragen werden. Die Holzskulpturen sollen entstaubt, die Bemalung, die sich mancherorts löst, fixiert werden. Die Arbeiten sollen hauptsächlich im Museum, unter den Augen der Besucher, stattfinden. Dabei nehmen sich die Restaurateure immer nur eine der drei ausgestellten Schauseiten vor; die zwei anderen bleiben vollständig sichtbar.

Umfangreiche Voruntersuchungen und Begleitung

Der heiklen Arbeit an dem Meisterwerk gingen umfangreiche Studien voraus: Die Bilder wurden geröntgt und mit 3D-Mikroskopen untersucht, Pigmentproben wurden entnommen. Die letzte Restaurierung wurde 2011 abgebrochen, nachdem die Fachpresse ein zu schnelles Vorgehen angeprangert hatte. Ein Experten-Komitee soll jeden Schritt begleiten, um zu verhindern, dass die Original-Malschicht Schaden nimmt.

Besonderer Schatz der Malkunst

Der Isenheimer Altar von Matthias Grünewald in Colmar (picture-alliance / dpa)

Höllenwesen treiben ihr böses Spiel

Die Gemälde des Isenheimer Altars bilden das Hauptwerk von Matthias Grunewald. Er schuf sie nach neuesten Forschungen 1512 bis 1516. In der detaillierte Darstellung des leidenden Christus am Kreuz, der erlösenden Auferstehungsszene oder in der von Höllenwesen bevölkerten Heimsuchung des Antonius kommen naturalistische Darstellung und mystische Weltsicht meisterhaft zusammen.

Der großformatige Isenheimer Altar stand ursprünglich in der Klosterkirche der Antoniter-Ordensgemeinschaft in Isenheim nahe Colmar. Hier war im 16. Jahrhundert ein Gedenkort für den heiligen Antonius. Kranke beteten um Heilung von Pest und dem grassierenden "Antoniusfeuer", einer durch verunreinigtes Getreide ausgelösten Vergiftung.

Seit dem 18. Jahrhundert wurde der Altar immer wieder restauriert und mit zahlreichen Lackschichten versehen. Ziel der nun beginnenden Restaurierung ist es, möglichst nahe an den Originalzustand zurück zu kommen.

kk/ld (DPA, KNA)