IS-Todesdrohung gegen Blogger | Asien | DW | 20.10.2015
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Asien

IS-Todesdrohung gegen Blogger

Bangladeschs bekanntester Blogger Imran Sarker hat eine Morddrohung des Islamischen Staates auf Facebook bekommen. Im Interview mit der Deutschen Welle erklärt er, warum er die Drohung ernst nimmt.

Imran Sarker ist einer der bekanntesten und erfolgreichsten Blogger seines Landes mit knapp einer Million Followern auf seinen Seiten in den sozialen Netzwerken. Er repräsentiert eine Blogger-Community, die ein säkulares und tolerantes Klima in dem mehrheitlich muslimischen Land unterstützt. Sarker ist eine aktive Stimme gegen religiösen Fundamentalismus und ein Kritiker der amtierenden Regierung von Sheikh Hasina.

DW: Wer, glauben Sie, steckt hinter der Morddrohung gegen Sie?

Imran Sarker: Wir haben auch früher dauernd Drohungen über soziale Medien, am Telefon oder mit der Post bekommen. Aber am vergangenen Samstag habe ich eine Morddrohung auf Facebook erhalten, von einem Account, auf dem der Name Islamischer Staat (IS) verwendet wird.

Die Person, die mir die Nachricht geschickt hat, droht mir, mich so wie die beiden Ausländer, die vor kurzem ermordet wurden, zu töten. Ich habe den Account überprüft. Die Leute, die ihn betreiben, sind Follower einer ganzen Reihe von Facebook-Seiten und -gruppen, die eng mit der Terrorgruppe verbunden sind.

Sie haben auch vorher schon Drohungen erhalten. Warum haben Sie es diesmal der Polizei gemeldet?

Diese Drohungen dürfen nicht länger ignoriert werden - nachdem bereits vier meiner Blogger-Kollegen in diesem Jahr ermordet worden sind. Außerdem sind vor kurzem zwei Ausländer in Dhaka getötet worden. Wenn man sich die aktuellen Entwicklungen ansieht, dann kann ich die neue Drohung nicht einfach ignorieren und annehmen, es sei ein Fake.

Stattdessen denke ich, ist es klug, direkt nach einer solchen Drohung zu handeln. Die Strafverfolgungsbehörden haben mir empfohlen, Anzeige zu erstatten und Personenschutz zu beantragen, weil sie dann in die Lage versetzt werden, in der Sache zu ermitteln. Ich habe außerdem Anzeige erstattet in der Hoffnung, dass die Regierung ernsthaft dafür sorgt, dass die Drohungen und Morde aufhören.

Haben Sie seitdem Polizeischutz?

Die Polizei hat noch nicht entschieden, ob sie mir diesen Schutz gewährt. Aber sie haben mir versichert, dass sie ihr Bestes tun werden, um die Person, die sich hinter dem Facebook-Account verbirgt, der für die Drohung verwendet wurde, ausfindig zu machen.

Warum werden Blogger in Bangladesch zur Zielscheibe gemacht?

Nach dem Mord an dem Blogger Avijit Roy im Feburar sagten wir: Das ist ein Versuch, das Land zu destabilisieren. Wir befürchteten, dass es nicht bei Mordanschlägen auf Blogger bleiben würde. Wir gingen bereits damals davon aus, dass Intellektuelle und Ausländer zur Zielscheibe gemacht werden, falls die Behörden die Angriffe nicht stoppen. Aber die Regierung hat nichts getan, um die Morde zu beenden. Das Resultat sind vier tote Blogger in nur sechs Monaten, die Mörder sind weiter auf freiem Fuß.

Anstatt sie zu verhaften, wies die Polizei darauf hin, dass es sich bei den Mordopfern um Blogger und Atheisten handelt. Diese Kommentare deuten eine gewisse Unterstützung für die Mörder an. Ich meine, dass die Regierung versagt hat, ihre Bürger vor den Mördern zu beschützen.

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