IS droht mit Rache für Christchurch | Aktuell Welt | DW | 19.03.2019
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Terror

IS droht mit Rache für Christchurch

Der blutige Terroranschlag auf zwei Moscheen in Neuseeland könnte eine neue Spirale der Gewalt in Gang setzen. Die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" spricht bereits von Vergeltung.

Die "Anführer der Ungläubigen" hätten über die Opfer des Massakers in der neuseeländischen Stadt Christchurch nur Krokodilstränen vergossen, erklärte ein Sprecher der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS). Die Tötungsszenen aus den beiden Moscheen spornten die Anhänger des IS an, ihre Religion und ihre Glaubensbrüder zu rächen, betonte er.

Die Echtheit seiner mehr als 40 Minuten langen Audiobotschaft kann zwar nicht zweifelsfrei überprüft werden. Sie wurde aber über die üblichen Kanäle des "Islamischen Staats" in den sozialen Medien verbreitet.

Brenton Tarrant (picture-alliance/AP Photo)

Wollte möglichst viele Muslime töten: Brenton Tarrant

Bei dem rassistisch motivierten Doppelanschlag am Freitag hatte Brenton Tarrant mindestens 50 Menschen getötet. Mehr als 30 Verletzte werden noch im Krankenhaus behandelt. Der 28 Jahre alte Rechtsextremist aus Australien, der den Anschlag selbst filmte, muss wegen vielfachen Mordes mit einer lebenslangen Haftstrafe rechnen.

"Rächt das Blut"

Der IS-Sprecher drohte zudem den USA und ihren Verbündeten weiteren Widerstand in Syrien an. "Rächt das Blut eurer Brüder und Schwestern", forderte er Anhänger auf. Seit mehreren Wochen versuchen Truppen unter kurdischer Führung mit Unterstützung der internationalen Anti-IS-Koalition, den Ort Baghus unter Kontrolle zu bringen. In ihrer letzten Bastion in Syrien halten sich noch einige hundert IS-Kämpfer auf engstem Raum verschanzt.

Syrien Angriff auf IS Stellungen in Baghus (Getty Images/AFP/D. Souleiman)

Schwer umkämpft: Baghus in Syrien

US-Präsident Donald Trump hatte Ende Februar erklärt, dass "100 Prozent" der zwischenzeitlich vom IS beherrschten Gebiete zurückerobert worden seien. Dieser "fingierte Sieg" habe mit der Realität nichts zu tun, meinte dazu der IS-Sprecher.

Gedenken im Parlament

Inzwischen gedachte das neuseeländische Parlament mit einem islamischen Gebet der 50 Todesopfer des Anschlags. Premierministerin Jacinda Ardern begann ihre Rede vor den Abgeordneten mit der arabischen Grußformel "Salam aleikum" ("Friede sei mit Euch"). Sie verlangte in ihrer Rede von den großen Internet-Konzernen wie Facebook und Google, ihrer moralischen Verantwortung gerecht zu werden und die Verbreitung solcher Videos zu verhindern. "Das darf kein Fall sein, in dem es allein um Profit geht, nicht um Verantwortung." Auch mehrere neuseeländische Netzbetreiber forderten von den Konzernen, mehr zu tun. Zudem zogen verschiedene neuseeländische Firmen wie eine Lottogesellschaft und Banken, die bei Facebook Werbung geschaltet hatten, ihre Anzeigen zurück.

Die Premierministerin verzichtete in ihrer Rede darauf, den mutmaßlichen Attentäter beim Namen zu nennen. Sie sagte: "Er wollte viele Dinge mit seinem Akt des Terrors zu erreichen. Eines davon war, berühmt zu werden. Deshalb werden Sie von mir niemals seinen Namen hören." Dem Australier droht wegen vielfachen Mordes lebenslange Haft.

30 Verletzte in Kliniken

Vier Tage nach dem rassistisch motivierten Massaker am vergangenen Freitag wurden noch 30 Verletzte im Krankenhaus behandelt. Nach Angaben der Kliniken sind neun von ihnen in kritischem Zustand.

 Unterdessen wurden die Leichname mehrerer Todesopfer an die Familien übergeben. Nach einem Bericht der Zeitung "New Zealand Herald" plant die muslimische Gemeinde von Christchurch eine gemeinsame Trauerfeier, möglicherweise an diesem Mittwoch. Alle Todesopfer sind Muslime. Einige von ihnen sollen aber auch im Ausland bestattet werden. Die meisten Opfer kommen aus Einwandererfamilien. Im Islam ist es eigentlich üblich, dass Tote binnen 24 Stunden beigesetzt werden.

wa/haz/kle (dpa, afp)

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