Irans Medien geißeln ″sinnlose Reise″ Maas′ | Asien | DW | 12.06.2019
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Irans Presseecho auf Maas-Visite

Irans Medien geißeln "sinnlose Reise" Maas'

Die Reise von Außenminister Heiko Maas nach Teheran fand in den iranischen Medien ein wenig freundliches Echo. Auch Rolle und Zustand der EU wurden sehr negativ dargestellt.

In den iranischen Medien wurde die Reise von Außenminister Heiko Maas nach Teheran durchweg negativ kommentiert. Das betrifft sowohl Medien des Lagers, welches das Atomabkommen rundweg ablehnt, als auch solche Medien, die denjenigen wie Präsident Rohani nahe stehen, die das Abkommen prinzipiell erhalten wollen, wenn auch nicht bedingungslos.

Am krassesten kommt die ablehnende Position in der Karikatur der Zeitung "Djavan" zum Ausdruck, in der Maas mit Hitlergruß gezeigt wird. Der Artikel hat die Überschrift: "Die faschistischen Erwartungen des europäischen Gesandten." Das Blatt ist Sprachrohr der iranischen Revolutionsgarden, der Hauptstütze des Kleriker-Regimes unter dem geistlichen Führer Ali Chamenei.  In dem ihm eigenen Stil wird der angebliche Niedergang Europas ausgeführt: "Die stinkenden Überreste des Nazismus und Faschismus dienen Europa zur moralischen Erneuerung und Selbstvergewisserung just zu dem Zeitpunkt seiner größten Schwäche. Jedoch sind die ekelerregenden geistigen Ausflüsse der europäischen Selbstbespiegelung nur gut für die Mumifizierung der Leiche des Atomabkommens. Europa verharrt einfach nur in jämmerlicher Passivität."

Der "Djavan"-Kommentator fragt sich dann, warum diese sogenannte europäische Union in ihrem Zustand völliger Schwäche einen Gesandten nach Teheran schickt, der einerseits erklärt, dass Europa nichts ohne Amerikas Willen tun, andererseits nicht akzeptieren kann, dass Iran sich dem Atomabkommen nicht mehr in vollem Umfang verpflichtet sieht. "Warum ist also diese Reise überhaupt in Angriff genommen worden"?  fragt "Djavan" rhetorisch.

Iran Teheran | Bundesaußenminister Heiko Maas & Mohammed Dschawad Sarif, Außenminister Iran (Tasnim)

"Mit leeren Händen gekommen" - Außenminister Maas und sein Amtskollege Sarif

Reaktion auf deutsche Israel-Politik

Ebenso wie "Djavan" nimmt auch "Keyhan", eine weiteres Sprachrohr der radikalen Hardliner im Iran, den Besuch Maas' aufs Korn. Insbesondere die von Maas in Teheran bekräftigte Freundschaft und besondere Beziehung Deutschlands mit Israel wird mit Häme überschüttet: "Ein bedeutender Anteil der Sitze im deutschen Parlament wird von nicht-deutschen Zionisten besetzt", behauptet die Zeitung. Die deutsche Haltung gegenüber dem "illegitimen und kindischen israelischen Regime" sei "entwürdigend und sklavisch."

"Keyhan" nimmt auch Anstoß am Auftreten von Maas: "Während seiner Pressekonferenz hat er in seinen Worten und selbst in der Art, wie er sich zusammen mit den iranischen Regierungsvertretern bewegte, Arroganz und Unhöflichkeit gezeigt." "Keyhan" nannte darüber hinaus die Frage des Reporters der deutschen Zeitung "Bild" an den iranischen Außenminister Dschawad Sarif  "schamlos", warum der Iran Homosexualität nicht respektiere.

Berichterstattung der Reise des deutschen Außenministers Heiko Maas in den Iran (Arman Newspaper)

Auch die moderate Zeitung "Arman" kritisiert die Rolle Berlins und der EU

"EU beschränkt sich auf Krisenmanagement"

Auch Medien, welche die Position der Regierung von Präsident Rohani vertreten, äußern sich negativ über die Maas-Visite, wenn auch in gemäßigter Form. In der Zeitung "Arman" schreibt Hamdireza Assefi, ein ehemaliger iranischer Außenamtssprecher, unter der Überschrift "Wir können keine Wunder bewirken": "Die Worte des deutschen Außenministers auf der Pressekonferenz zeigten, dass Heiko Maas mit leeren Händen nach Teheran kam. Europa versucht sich als Krisenmanager in der Region, es versucht nicht, seine Defizite und Schwächen auszugleichen. Für Europa stehen seine Sicherheitsinteressen in der Region im Vordergrund."

Und deshalb arbeite Deutschland mit Washington und Präsident Trump in jeder erdenklichen Weise zusammen, kommentiert Assefi. Um das Atomabkommen am Leben zu erhalten, habe Deutschland dagegen nie mehr getan, als seinen Standpunkt zu vertreten. "Europa hat bewiesen, dass es nicht mehr als eine Art Kolonie der USA ist. Europa kann seine politischen Ziele nicht unabhängig von den USA verfolgen. Deswegen wird es immer schwieriger werden, das Abkommen zu retten, während der Iran immer weniger Kompromissbereitschaft zeigen wird", sagt der ehemalige Außenamtssprecher voraus.     

 

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