Iranischer Regierungskritiker Abtin stirbt in Haft | Aktuell Nahost | DW | 09.01.2022
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Nahost

Iranischer Regierungskritiker Abtin stirbt in Haft

Der iranische Dichter, Filmemacher und Regimekritiker Baktash Abtin ist tot. Er starb in einem Gefängnis in Teheran an den Folgen einer Corona-Infektion.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Ilna und des iranischen Schriftstellerverbands (CNI) starb der 47-jährige Abtin bereits am Samstag im berüchtigten Ewin-Gefängnis im Norden der Hauptstadt. Wegen der akuten Corona-Erkrankung war Abtin schon seit einigen Tagen im Koma, so CNI auf seiner Instagram-Seite.

Als hochrangiges Mitglied des CNI galt Abtin seit Jahren als einer der schärfsten Kritiker des islamischen Regimes. Im September vergangenen Jahres wurde er wegen angeblicher Propaganda gegen das Regime verhaftet. Seitdem saß er im Ewin-Gefängnis. Berichten zufolge soll seine Corona-Infektion zu spät behandelt worden sein und zu seinem Tod geführt haben.

Die Gefängnisbehörde wies die Kritik vehement zurück. Bei Abtin sei bereits Anfang Dezember ein Corona-Test durchgeführt worden, der negativ ausgefallen sei, teilte die Behörde laut Nachrichtenportal Misan mit. Trotzdem sei er zunächst in ein staatliches Krankenhaus und später, auf Wunsch seiner Familie, in eine Privatklinik verlegt worden. Abtin sei daher rechtzeitig medizinisch versorgt worden und in einer Privatklinik - und nicht im Gefängnis - gestorben, hieß es weiter.

Iran I Baktash Abtin im Koma

Baktash Abtin hatte in den letzten Tagen vor seinem Tod im Koma gelegen

Kritiker und die politische Opposition im Land zweifeln jedoch an den Angaben. Asar Mansuri, Generalsekretärin der reformorientierten Partei Ettehad Mellat (Volksunion), forderte den Justizchef auf, den Fall nochmals akribisch überprüfen zu lassen. "Sie sollten sich nicht auf die Angaben der Gefängnisbehörde verlassen, sondern Abtins Anwalt, Familienangehörige und auch Ärzte nochmal befragen", appellierte Mansuri an Justizchef Gholamhussein Mohseni Edzehi. Erst dann könne die Justiz weitere dubiose Todesfälle in den Gefängnissen des Iran verhindern.

haz/sti (dpa, rtr, afp)