Iran spricht von Angriff auf Atomanlage | Aktuell Nahost | DW | 11.04.2021
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Nuklearstreit

Iran spricht von Angriff auf Atomanlage

Inmitten der Gespräche über eine Wiederbelebung des internationalen Atomabkommens mit dem Iran spricht das Land von einer "terroristischen" Attacke auf eine seiner Atomanlagen. Propaganda oder tatsächlich ein Gewaltakt?

Iran Atomanlage Natans

Die Anlage im iranischen Natans

Das iranische Staatsfernsehen hatte am Sonntag zunächst einen Zwischenfall in Natans gemeldet. Es habe ein Problem im Stromnetz der dortigen Atomanlage gegeben, sagte ein Sprecher der iranischen Atomenergiebehörde. Niemand sei verletzt worden und es habe auch keine Kontamination gegeben. Am Samstag hatte der Iran mitgeteilt, neue Zentrifugen zur Urananreicherung in Natans in Betrieb genommen zu haben.

Nuklearer Terrorismus?

Wenig später klang es anders. "Um die Ziele jener zu durchkreuzen, die diesen terroristischen Akt befehligt haben, wird der Iran zum einen seine Nukleartechnologie weiter verbessern und zum anderen weiter an einer Aufhebung der repressiven US-Sanktionen arbeiten", sagte der Chef der iranischen Atombehörde, Ali Akbar Salehi, im staatlichen Fernsehen. Sein Land behalte sich vor, gegen die Täter vorzugehen. Salehi forderte die Internationale Atomenergiebehörde IAEA und die internationale Staatengemeinschaft auf, ebenfalls auf "diesen nuklearen Terrorismus" zu reagieren. Ein IAEA-Sprecher lehnte eine Stellungnahme ab.

Indirekte Atomgespräche zwischen dem Iran und den USA

In der vergangenen Woche wurden die Atomgespräche in Wien wieder aufgenommen

Irans Außenminister Mohammad Dschawad Sarif benannte laut Staatsfernsehen Israel als Schuldigen für den Angriff und kündigte Vergeltung an. Ein Sprecher seines Ministeriums nannte den Angriff einen möglichen "Akt gegen die Menschheit".

In Israel berichtete der öffentlich-rechtliche Sender Kan, der Mossad habe einen Cyberangriff gegen die Atomanlage von Natans ausgeführt. Der Sender berief sich auf Geheimdienstquellen, ließ aber offen, aus welchem Land. Der Schaden in Natans sei größer als vom Iran bekanntgegeben. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu äußerte sich bei einer Veranstaltung mit Führungskräften aus Militär und Geheimdienst zwar nicht über den Zwischenfall von Natans. Er sagte jedoch, der Kampf gegen die Nuklearisierung des Iran sei eine gewaltige Aufgabe.

Bericht: Atomprogramm um Monate zurückgeworfen

Die "New York Times" berichtete unter Berufung auf zwei höhere US-Geheimdienstmitarbeiter von einem immensen Schaden in der Anlage selbst: Beide sprachen demnach von einer israelischen Geheimdienstoperation, die eine heftige Explosion ausgelöst habe. Als deren Folge sei das gesamte Stromnetz einer Untergrundanlage, in der die Zentrifugen für die Urananreicherung hergestellt werden, zerstört worden. Die Schäden könnten das iranische Atomprogramm um mindestens neun Monate zurückwerfen - und die Verhandlungsposition bei den Wiener Gesprächen zur Rettung des 2015 geschlossenen Atomabkommens deutlich schwächen.

Das iranische Außenministerium stellte die Schäden als weniger entscheidend dar: "Die Schäden beziehen sich auf die IR-1 Zentrifuge, aber wir stellen in der Zwischenzeit bereits die IR-9 Generation her", sagte Außenamtssprecher Said Chatibsadeh. Der israelische Angriff werde die Arbeit in Natans nicht beeinträchtigen, zitierte die Agentur Isna den Sprecher.

Was wird aus dem Atomabkommen?

Bundesaußenminister Heiko Maas äußerte sich besorgt über den Zwischenfall, der "keinen positiven Beitrag" zu den Verhandlungen leiste. Seit vergangener Woche laufen in Wien Gespräche über eine mögliche Rückkehr der USA in das Abkommen, das sie unter dem damaligen Präsidenten Trump 2018 verlassen hatten. Die USA hatten einseitig wieder Sanktionen verhängt, der Iran antwortete mit der allmählichen Abkehr von seinen vertraglich zugesagten Verpflichtungen. Derzeit reichert die islamische Republik mehr Uran zu höheren Konzentrationen an, als abgesprochen.

Im vergangenen Jahr war in der unterirdischen Anlage nahe der Stadt Natans schon einmal ein Brand ausgebrochen. Die Regierung hatte dies ebenfalls als Versuch ausgemacht, das Atomprogramm des Landes zu sabotieren.

ml/ack/ehl (rtr, AFP, ap)

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