Insolventer Fernsehhersteller Loewe stellt Betrieb ein | Wirtschaft | DW | 25.06.2019
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Deutschland

Insolventer Fernsehhersteller Loewe stellt Betrieb ein

Loewe war einst Pionier der Fernsehtechnik. Nach langjähriger Krise ist dem Unternehmen nun endgültig das Geld ausgegangen. Ab dem Wochenende soll der Geschäftsbetrieb ruhen. Fast alle Mitarbeiter werden freigestellt.

Deutschland Pleite Fernsehhersteller Loewe (picture-alliance/dpa/D. W. Ebener)

Bereits 2013 war Loewe schon einmal in die Isolvenz geraten (Archivbild)

Der insolvente Fernsehhersteller Loewe ist pleite und muss Ende der Woche kurzfristig den Betrieb einstellen. Die Gläubiger seien nicht gewillt, ein weiteres Darlehen zur Fortführung des Geschäfts zu geben, teilte Loewe-Chef Ralf Vogt in einer Stellungnahme mit. "Wir sind daher aus insolvenzrechtlichen Gründen zum Schutz unserer Gläubiger verpflichtet, den Geschäftsbetrieb voraussichtlich zum 01.07.2019 vorläufig bei geringster Kostenlast ruhend zu stellen."

Es ist nicht einmal klar, ob Loewe im nächsten Monat noch seine rund 400 Mitarbeiter bezahlen kann. Laut Mitteilung des am Montag bestellten vorläufigen Insolvenzverwalters Rüdiger Weiß ist die Zahlung der Löhne und Gehälter im Rahmen von Insolvenzgeld nur bis Anfang Juli sichergestellt. Den Beschäftigten des in Kronach ansässigen Unternehmens droht zum größten Teil der Verlust ihrer Arbeitsplätze. Die IG Metall forderte, die Belegschaft in einer Transfergesellschaft weiter zu beschäftigen.

Suche nach Investor soll weitergehen

In einer Betriebsversammlung sei den Mitarbeitern mitgeteilt worden, dass sie zum 1. Juli freigestellt werden, so Weiß - bis auf eine "Kernmannschaft", die den "Investorenprozess" vorantreiben solle. Dies betreffe zehn bis fünfzehn Mitarbeiter, teilte der Bayreuther Rechtsanwalt mit. Die Suche nach einem Investor, der das Unternehmen retten könnte, solle weiterlaufen, so Weiß, der bislang als Sachwalter eingesetzt war.

Deutschland Pleite Fernsehhersteller Loewe (picture alliance/dpa/J. Jensen)

Loewe setzte lange Zeit Maßstäbe im Bereich der Fernsehtechnik

Loewe hatte bereits Anfang Mai ein Insolvenzverfahren in Eigenregie beantragt - zum zweiten Mal innerhalb von sechs Jahren. Dabei hätte Geschäftsführer Vogt weiter die Geschicke des Unternehmens lenken können. Bei dem nun eingeleiteten regulären Insolvenzverfahren verliert das Management die Kontrolle über das Unternehmen. Zudem gibt es einen schweren Konflikt mit der IG Metall.

Gewerkschaft kritisiert Sachwalter und Investor

Der Bevollmächtigter der IG Metall in Coburg, Jürgen Apfel, warf Weiß vor, die Suche nach einem Investor blockiert zu haben, obwohl zehn Anfragen vorgelegen hätten. Der bayerische Bezirksleiter der IG Metall, Jürgen Horn, wiederum macht die britische Beteiligungsgesellschaft Riverrock für die Entwicklung verantwortlich. Laut IG Metall hat Riverrock Loewe bereits mit einem zweistelligen Millionendarlehen ausgeholfen, ist nun aber nicht bereit, einen weiteren Kredit zu geben.

"Es deutet einiges darauf hin, dass der Finanzinvestor Riverrock abwartet, bis Loewe endgültig ausgeblutet ist, um erst danach mit den Trümmern des Unternehmens Geld zu verdienen", sagte Horn. Nach der Betriebsstilllegung könnte ein Investor sich für einen Neustart die Rosinen herauspicken und niedrigere Löhne zahlen.

Zukunftskonzept sieht keine Produktion mehr vor

Laut Geschäftsführer Vogt gibt es ein Konzept für Loewe, nach dem sich das Unternehmen auf Vertrieb, Marketing, Design und Produktentwicklung konzentrieren solle. Die Produktion in Kronach soll demnach in ein Logistik-, Reparatur- und Ersatzteilzentrum umgebaut werden.

Das 1923 gegründete fränkische Unternehmen war ein Pionier der Fernsehtechnik, hat jedoch seit langem mit der übermächtigen Konkurrenz aus Südkorea, Japan und China zu kämpfen. Nach einer ersten Insolvenz gehörte Loewe seit 2014 dem Finanzinvestor Stargate, der mit Krediten der Beteiligungsgesellschaft Riverrock arbeitet. Auch die Technik in Loewe-Produkten ist längst nicht mehr nur Made in Germany. Im Februar hatte Vogt eine strategische Partnerschaft mit dem japanischen Elektronikhersteller Toyoichi bekannt gegeben, der unter anderem LCD-Displays liefert.

ww/jj (dpa, rtr)

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