Infineon will mit Milliarden-Zukauf in Top-Liga der Chiphersteller | Wirtschaft | DW | 03.06.2019
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Halbleiterbranche

Infineon will mit Milliarden-Zukauf in Top-Liga der Chiphersteller

Investieren und zukaufen in unsicheren Zeiten. Der Chiphersteller Infineon will beides und hat es auf den US-Konkurrenten Cypress abgesehen. Die Börse senkt den Daumen, Infineon sackt auf Zweieinhalb-Jahres-Tief.

Neun Milliarden Euro will Infineon für den Rivalen aus Kalifornien ausgeben. Der Dax-Konzern bietet für Cypress Semiconductor 23,85 Dollar je Aktie in bar, wie Infineon am Montag in München mitteilte. Ein entsprechender Vertrag sei bereits unterzeichnet. Infineon ist der größte deutsche Chiphersteller.

Durch den Erwerb von Cypress stärke Infineon die Ausrichtung auf wachstumsträchtige Geschäftsfelder, hieß es zur Begründung: "Wir werden unseren Kunden das umfassendste Portfolio für die Verbindung der realen mit der digitalen Welt anbieten", so Infineon in der Mitteilung. Die Amerikaner produzieren unter anderem Halbleiter, die für künftige Schlüsseltechnologien wie autonomes Fahren und Industrie 4.0 verwendet werden. Mit dem Zukauf in den USA will Infineon zur Nummer eins bei Chips für den Automobilmarkt aufsteigen.

Schlusslicht im Dax

Kaum war die Nachricht raus, wurde Infineon am Montag zum Schlusslicht im Dax, dem deutschen Aktienindex. Anlegern stieß vor allem der gebotene Preis von neun Milliarden Euro sauer auf. Das Gebot entspricht laut Infineon einer Prämie von 46 Prozent auf den jüngsten Durchschnittskurs der Cypress-Aktie. "Der Kaufpreis ist ambitioniert, insbesondere im Hinblick auf die aktuellen Marktunsicherheiten", sagte Analyst Harald Schnitzer von der DZ Bank.

Speicherchip auf Kreditkarte Symbolbild Smartcard (picture-alliance/dpa/J. Büttner)

Ausrichtung auf wachstumsträchtige Bereiche: autonomes Fahren und Internet der Dinge

Dagegen argumentiert das Management, die Technologieportfolios beider Gesellschaften ergänzten sich. Das eröffne großes Potenzial in den wachstumsstarken Zielmärkten Automotive, Industrie und Internet der Dinge (IoT). Infineon-Chef Reinhard Ploss erwartet, dass die positiven Umsatzeffekte durch die Übernahme langfristig bei mehr als 1,5 Milliarden Euro pro Jahr liegen. Zudem sieht er ein Sparpotenzial von jährlich 180 Millionen Euro.

Für Infineon wäre es der bisher größte Übernahmeversuch in der Geschichte des 1999 von Siemens ausgegliederten Unternehmens. Die Übernahme soll bis spätestens Anfang 2020 abgeschlossen sein, wenn die Aktionäre und die Aufsichtsbehörden grünes Licht geben. Derzeit rangiert Infineon im weltweiten Vergleich hinter den US-Firmen Intel, Micron, Qualcomm und Broadcom sowie auch hinter dem südkoreanischen Konkurrenten Samsung.

Infografik Infineon Übernahmepläner Cypress DE

Erholung lässt auf sich warten

Die Pläne fallen allerdings in nicht ganz einfache Zeiten für die Branche. Zwar erwarten Marktbeobachter seit längerem eine Erholung für den Sektor. Allerdings lässt die auf sich warten. So hatte Infinion-Chef Ploss im letzten Herbst noch ein Umsatzplus von elf Prozent für dieses Jahr in Aussicht gestellt. Im Februar war dann noch von neun Prozent die Rede, im März nur noch von fünf Prozent. Auch Intel, Branchenriese aus dem Silicon Valley, scheint nicht mehr so optimistisch und rechnet für die kommenden Jahre nur mit klar einstelligen Wachstumsraten.

Ungeachtet dessen treibt Infineon die Expansion auch durch hohe Investitionen voran. Nach Medienberichten will der Konzern in diesem Geschäftsjahr 1,5 Milliarden Euro in neue Fabriken und neue Maschinen stecken - bei einem Umsatz von 7,6 Milliarden im letzten Jahr. 

Huawei (picture-alliance/dpa/AP/A. Wong)

Milliardenschweres Problem - auch für die Chip-Branche

Und dann ist noch das Problem Huawei. Bislang setzt Infineon rund ein Viertel seiner Produkte in China ab. Zu den Großkunden zählt auch der chinesische Technologieriese Huawei, der durch die US-Regierung mit einem Bann belegt wurde. Von dem Bann soll auch getroffen werden, wer noch Geschäfte mit Huawei macht.  Durch die Übernahme des US-Konkurrenten Cypress wollen die Müncher nach eigenen Angaben die "Ausrichtung auf strukturelle Wachstumstreiber" stärken, etwa den Bereich Internet der Dinge. Zugleich aber, so Beobachter, dürfte das Geschäft die Abhängigkeit des Unternehmens von China reduzieren.

ar/hb (rtr, dpa, afp – Archiv)

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