Indonesien blockiert Internet in Unruheprovinzen | Aktuell Asien | DW | 22.08.2019
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Papua und Westpapua

Indonesien blockiert Internet in Unruheprovinzen

Seit Tagen sind die Provinzen Papua und Westpapua in Aufruhr. Tausende Menschen demonstrieren teilweise gewalttätig gegen Polizeigewalt und für Autonomie. Nun hat die Polizei die Region vom Internet abgeschnitten.

Indonesien Proteste für Autonomie in Papua (picture-alliance/AP Photo/Burhan)

Demonstranten wollen die Autonomie Papuas erreichen, das im Westen der Insel Neuguinea liegt

Die Internet-Sperre bleibe so lange bestehen, bis sich die Lage auf der betroffenen Insel Neuguinea wieder normalisiert habe, sagte ein Sprecher des indonesischen Ministeriums für Telekommunikation. Mit der Blockade will die Regierung verhindern, dass sich die Proteste ausweiten.

Die Provinzen Papua und Westpapua sind im Westen der Insel Neuguinea angesiedelt. Dort hatte es Demonstrationen gegen Vorfälle auf Indonesiens Hauptinsel Java gegeben. Dabei soll die Polizei mit Gewalt gegen Studenten vorgegangen sein, die in der Stadt Surabaya im Osten Javas für das Selbstbestimmungsrecht von Westpapua und Papua demonstriert hatten. Die Polizei soll die Proteste gewaltsam zerschlagen und mehrere Studenten festgenommen haben. Auch sollen sie als "Affen" und "Schweine" beschimpft worden seien.

Es hatte bereits früher immer wieder Unabhängigkeitsbestrebungen gegeben, diesmal richten sich die Proteste aber explizit gegen die rassistischen Ausfälle der Polizei. Die Studenten sollen in ihrem Wohnheim festgenommen worden sein, nachdem sie die Flagge Indonesiens am Unabhängigkeitstag missachtet haben sollen.

Indonesien Proteste für Autonomie in Papua (picture-alliance/AP/Beawiharta)

Am Mittwoch hatten Demonstranten einen Markt in Fakfak in Brand gesetzt

Gewalt und Brände

Polizei und Militär entsandten Verstärkung in die drei Distrikte der Provinz Westpapua, die besonders von den gewalttätigen Protesten der vergangenen Tage betroffen waren. Laut der Nachrichtenagentur Reuters hat die Polizei 20 Menschen in der Stadt Timika festgenommen. Am Mittwoch hatten nach Angaben der Polizei Demonstranten in der Stadt Fakfak einen Markt sowie Regierungsgebäude in Brand gesetzt. Zudem zündeten Demonstranten in Sorong in Westpapua ein Gefängnis an. Mehr als 250 Häftlinge nutzten die Gelegenheit zur Flucht.

Der Präsident des Landes Joko Widodo sei darüber informiert worden, dass die Lage wieder unter Kontrolle sei, sagte ein Kabinettssprecher. Widodo hat in seiner bisherigen Amtszeit versucht, die angespannte Lage auf der Insel durch Infrastrukturprojekte in den Griff zu bekommen. Er hat die Provinzen häufiger als jeder andere Präsident besucht und angekündigt, eine neue Brücke eröffnen zu wollen. 

Indonesien hat das zuvor von den Niederlanden regierte Gebiet im Westen von Neuguinea nach einem umstrittenen Unabhängigkeitsreferendum 1969 formal annektiert. Im östlichen Teil der Insel liegt der Staat Papua-Neuguinea. Separatisten versuchen seit Jahrzehnten, die Unabhängigkeit der rohstoffreichen Region von Indonesien zu erreichen. Neuguinea ist die zweitgrößte Insel der Welt. 

lh/kle (dpa, rtr)