Indigene leitet Chiles Verfassungskonvent | Aktuell Amerika | DW | 05.07.2021
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Südamerika

Indigene leitet Chiles Verfassungskonvent

Die Mitglieder der Verfassungsgebenden Versammlung in Chile haben abgestimmt. Das Gremium, das ein neues Grundgesetz für das südamerikanische Land ausarbeiten soll, bekommt mit Elisa Loncón eine Indigene als Vorsitzende.

Elisa Loncón ist Uniprofessorin, gilt als politisch unabhängig und gehört zum Volk der Mapuche. Nun ist die 58-Jährige die Präsidentin von Chiles Verfassungsgebender Versammlung. Das Gremium wählte sie bei der konstituierenden Sitzung im Gebäude des ehemaligen Nationalkongresses in Santiago de Chile zu seiner Vorsitzenden. Loncón erreichte im zweiten Wahldurchgang mit 96 von 155 Stimmen die absolute Mehrheit.

Elisa Loncón

Konventspräsidentin Loncón: Für ein pluralistisches und interkulturelles Chile

"Ich möchte allen dafür danken, dass sie eine Mapuche und eine Frau gewählt haben, um die Geschichte dieses Landes zu verändern", sagte die Wissenschaftlerin in ihrer ersten Ansprache nach der Wahl. Eine Rede, die sie auf Mapudungun, der Sprache der Mapuche, und auf Spanisch hielt. Der Verfassungskonvent werde Chile in ein pluralistisches und interkulturelles Land verwandeln.

Das Volk votierte für eine neue Verfassung

Auch der ebenfalls gewählte Vize-Präsident der Versammlung Jaime Bassa, ein unabhängiger Anwalt, steht für eine neue Politik in dem südamerikanischen Staat. Parteilose Kandidaten und linke Oppositionsparteien hatten bei der Wahl zum Verfassungskonvent im Mai gut abgeschnitten und rund 40 Prozent der Sitze geholt. Nach spätestens einem Jahr soll der Konvent eine neue Verfassung vorlegen, über die die Chilenen wiederum in einem Referendum abzustimmen hätten.

Jaime Bassa

Vizevorsitzender Bassa: Vertreter einer neuen Politik in Chile

Im Oktober hatten die Bürger mit großer Mehrheit für die Ausarbeitung einer neuen Verfassung votiert. Der aktuelle Text stammt noch aus der Zeit der Militärdiktatur von General Augusto Pinochet (1973-1990). Eine neue Verfassung gehörte zu den Hauptanliegen der Demonstranten, die Ende 2019 zu Tausenden auf die Straße gingen, um einen besseren Zugang zu Gesundheitsversorgung und Bildung sowie eine Abkehr vom neoliberalen Wirtschaftssystem zu fordern.

Mehr als 30 Menschen kamen bei den Protesten ums Leben, der Polizei wurde exzessive Gewaltanwendung vorgeworfen. Auch am Sonntag kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizisten, wegen derer die konstituierende Sitzung unterbrochen werden musste.

AR/qu (dpa, rtr)

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