Indiens Oberstes Gericht entkriminalisiert Homosexualität | Aktuell Asien | DW | 06.09.2018
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Indien

Indiens Oberstes Gericht entkriminalisiert Homosexualität

Indiens Oberstes Gericht hat ein Gesetz aus der Kolonialzeit aufgehoben, das Homosexualität unter Strafe stellt. Religiöse Gruppen laufen Sturm gegen die Liberalisierung.

Eine Aktivistin bei einer Gay-Pride-Parade im südindischen Chennai im Juni (Getty Images/AFP/A. Sankar)

Eine Aktivistin bei einer Gay-Pride-Parade im südindischen Chennai im Juni

Gleichgeschlechtlicher Sex steht in Indien nicht mehr unter Strafe. In einer einstimmigen Entscheidung kippten die fünf Richter der zuständigen Kammer das entsprechende Gesetz. "Eine einvernehmliche Beziehung zwischen zwei einwilligenden Erwachsenen kann nicht gegen die Verfassung verstoßen", erläuterte Richter Dipak Misra beim Verlesen des Urteils. 

Paragraph 377 ist ein Relikt der britischen Kolonialgesetzgebung aus den 1860er Jahren. Es bestraft Homosexualität als "Geschlechtsverkehr wider die Natur" mit dem Höchststrafmaß lebenslänglicher Haft. Ein örtliches Gericht in Neu Delhi hatte Homosexualität im Jahr 2009 zwar gewissermaßen legalisiert. Das Oberste Gericht führte nach Beschwerden religiöser Gruppen die Strafbestimmungen 2014 aber wieder ein. 

Indiens Oberster Gerichtshof in Neu Delhi (picture-alliance/AP Photo/A. Qadri)

Indiens Oberster Gerichtshof in Neu Delhi

In einem anderen Bereich hatte sich Indiens Oberstes Gericht schon damals liberaler gezeigt. Nur einen Monat nach der umstrittenen Entscheidung zum Verbot gleichgeschlechtlichen Geschlechtsverkehrs erkannten die Richter Transsexuelle offiziell als drittes Geschlecht an.

Seit 2016 wurden mehrere Anträge für die Abschaffung des Paragraphen 377 eingereicht, seit Juli hat das Oberste Gericht diese angehört. Religiöse Gruppen laufen Sturm gegen eine mögliche Legalisierung von Homosexualität. 

LGBT-Demo im zentralindischen Bhopal im Juli (Getty Images/AFP/A. Sankar)

LGBT-Demo im zentralindischen Bhopal im Juli

Offiziellen Statistiken zufolge wurden 2016 insgesamt 2187 Fälle "unnatürlicher Vergehen" registriert. Sieben Menschen wurden verurteilt.

Gleichgeschlechtlicher Sex ist besonders in den ländlichen Gebieten Indiens ein Tabu-Thema. Homophobie ist weit verbreitet, einige sehen Homosexualität nach wie vor als Geistesstörung an. Etwa jede dritte lesbische Frau hat einer neuen Umfrage zufolge körperliche Misshandlungen und Vergewaltigungen durch Verwandte erlitten. 

stu/gri (afp, dpa)
 

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