Indien wartet auf Entschuldigung der Briten | Aktuell Asien | DW | 13.04.2019
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Massaker von Amritsar

Indien wartet auf Entschuldigung der Briten

Indien erinnert an das Massaker von Amritsar vor 100 Jahren. Damals hatten britische Truppen das Feuer auf unbewaffnete Demonstranten eröffnet. Eine offizielle Entschuldigung aus Großbritannien gibt es bis heute nicht.

Indien Gedenkfeiern zum 100. Jahrestag des Jallianwala Bagh Massakers (Getty Images/AFP/N. Nanu)

Amritsar in Indien: Gedenken an das Massaker vor 100 Jahren

Am 13. April 1919 sollen in Amritsar nach britischen Angaben 379 Menschen getötet worden sein, indischen Zahlen zufolge gab es rund tausend Todesopfer. Nach Protesten im Norden der Stadt schossen die britischen Kolonialtruppen wahllos auf unbewaffnete Männer, Frauen und Kinder im Jallianwala Bagh-Park. Die Tat hatte dazu beigetragen, die Unabhängigkeitsbewegung gegen die britische Kolonialmacht zu stärken. Drei Jahrzehnte später, im Jahr 1947, wurde Indien schließlich ein unabhängiges Land.

Bis heute keine Entschuldigung

Indien hat am Samstag an das Massaker erinnert. Auch Großbritannien beteiligte sich an dem Gedenken. "Wir werden nie vergessen, was hier passiert ist", sagte der britische Hochkommissar für Indien, Dominic Asquith, bei der Kranzniederlegung in Amritsar im Nordwesten Indiens. Die Geschichte könne nicht neu geschrieben werden, es könne jedoch aus ihr gelernt werden, sagte Asquith. Der indische Regierungschef Narendra Modi nannte das Massaker auf Twitter "entsetzlich".

Eine offizielle Entschuldigung Großbritanniens gibt es bis heute nicht. Die britische Premierministerin Theresa May hatte erklärt, Großbritannien bedauere zutiefst, was passiert sei. Der höchste Minister im indischen Bundesstaat Punjab, Amarinder Singh, sagte, Mays Worte reichten nicht aus. Notwendig sei eine "unmissverständliche offizielle Entschuldigung".

"Vorgänge liegen lange zurück"

Bereits im Jahr 1997 erinnerte Königin Elisabeth II. bei einem Besuch in Amritsar an das Massaker. Statt einer Entschuldigung im Namen Großbritanniens erregte eher ihr Ehemann Philip Aufmerksamkeit. Er kritisierte, die Zahl der Todesopfer sei von indischer Seite "sehr stark übertrieben" worden.

Im Jahr 2013 besuchte Mays Vorgänger David Cameron Indien und bezeichnete das Massaker als "zutiefst beschämend". Doch auch er entschuldigte sich nicht für den Vorfall vor 100 Jahren. "Wir dürfen nie vergessen, was hier passiert ist. Und durch das Erinnern müssen wir sicherstellen, dass das Vereinigte Königreich sich immer für das Recht auf friedlichen Protest weltweit einsetzt", schrieb Cameron damals in das offizielle Gästebuch.

David Cameron zu Besuch in Indien (Reuters)

David Cameron in Indien: ""Ereignisse passierten 40 Jahre vor meiner Geburt"

Später rechtfertigte Cameron den Verzicht auf eine formale Entschuldigung damit, dass die Vorgänge lange zurücklägen. Er erklärte, es gebe eine Menge von Dingen in der britischen Kolonialgeschichte, auf die das Land stolz sein könne, doch gebe es auch schlechte Ereignisse, von denen man lernen müsse.

Britische Kirche ruft zu Gedenken auf

Das Oberhaupt der Kirche von England, Erzbischof Justin Welby, forderte ein respektvolles Gedenken an Amritsar auch in Großbritannien: "Eine hohe Zahl unschuldiger Sikhs, Hindus, Muslime und Christen wurden von britischen Truppen erschossen. Als Briten können wir diesen beschämenden Teil unseres kolonialen Erbes nicht außen vor lassen." Der Geistliche mahnte dazu, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen, um eine gedeihliche Zukunft für alle Menschen zu ermöglichen.

pgr/kle (afp, ap, kna)