Indien verbietet chinesisches Video-Portal TikTok | Aktuell Asien | DW | 30.06.2020
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Beziehungen zwischen Indien und China

Indien verbietet chinesisches Video-Portal TikTok

Indien hat TikTok und 58 andere chinesische Apps untersagt. Als Grund nannte die zuständige Behörde Sicherheitsbedenken. Das Verbot folgt auf einen tödlichen Grenzkonflikt mit China im Himalaya-Gebiet.

China App TikTok

TikTok verspricht Nutzern viel Spaß - doch in Indien soll das chinesische Portal nicht mehr genutzt werden

Die Programme gefährdeten Indiens Souveränität, die Landesverteidigung, die staatliche Sicherheit und öffentliche Ordnung, begründete das Ministerium für Informationstechnologie den Schritt die chinesische App TikTok von indischen Handys zu verbannen. Es gebe mehrere Berichte, wonach Nutzerdaten von einigen dieser Apps missbraucht und auf Server außerhalb des Landes übertragen würden, hieß es in einer Mitteilung. Kaum eine Plattform wird derzeit so kontrovers diskutiert wie TikTok. Auch in in den USA und Großbritannien prüfen Behörden, ob TikTok sensible Nutzerdaten weitergegeben hat. 

Inzwischen sind TikTok und die anderen betroffenen Apps nicht mehr im Google Play Store und Apple App Store in Indien zu finden. Wie ein weitergehendes Verbot aussehen könnte, ist unklar. Inder, die die Tanz- und Musik-App bereits auf ihr Handy heruntergeladen hatten, konnten diese bislang am Dienstag noch nutzen. 

Indien Proteste gegen Grenzverletzungen durch China

Proteste nach dem Grenzkonflikt in Allahabad, Indien: Die wachsenden Spannungen könnten zum Verbot der Apps geführt haben

TikTok Indien wies derweil die Kritik der Regierung in Neu-Dehli von sich. Die Nutzerdaten würden an keine ausländische Regierungen, einschließlich der chinesischen weitergegeben. Auch für die Zukunft sei dies nicht geplant. 

Krise zwischen Indien und China 

Das Verbot von TikTok und anderen chinesischen Apps, wie der Browser von Alibaba und der Messenger WeChat, folgt auf einen tödlichen Grenzkonflikt um das Himalaya-Gebiet. Kürzlich starben bei einer Eskalation an der indisch-chinesischen Grenze mindestens 20 indische Soldaten. Um die Region haben die beiden Länder vor Jahrzehnten Krieg geführt.

Auf indischer Seite gab es zunehmend Druck auf die Regierung hart gegen China vorzugehen. Einige indische Handelsverbände haben dazu aufgerufen, chinesische Güter zu boykottieren. TikTok hat in Indien einen seiner größten Märkte, die Plattform ist sehr beliebt und hat mehr als 100 Millionen Nutzer. Das Portal erlaubt es, kurze Videos hochzuladen und mit anderen zu teilen.

TikTok-Nutzer gelten als "unpatriotisch" 

Aliva Chatterje allerdings, eine Teenagerin aus der Stadt Chinsurah in Westbengalen, ist vom Boykott der indischen Regierung wenig beeindruckt. Gegenüber der Deutsche Welle sagte sie: "Ich benutze TikTok hauptsächlich, um meine Videos zu schneiden. Nun werde ich einfach eine andere App benutzen. Die Sperrung der Apps ist vielleicht eine Chance für indische Anbieter. Das wird der indischen Wirtschaft helfen." Alivas Ansicht wird von hunderten Nutzern in den indischen sozialen Medien geteilt. "Wir wollen TikTok nicht mehr. Bye bye TikTok", schrieb ein Nutzer auf Instagram als Kommentar auf eine Ankündigung von TikTok Indien.

Unterstützer von TikTok werden in den sozialen Medien nicht selten als "unpatriotisch" gebrandmarkt. Salman Khan aus dem nordwestlichen Bundesstaat Gujarat - ein Namensvetter des berühmten Bollywood-Stars - ist mit TikTok-VIdeos über die Hindi-Filmindustrie in Bombay bekannt geworden. In den sozialen Medien wird er nun auf Instagram attackiert: "Wirst du das Land für ein bisschen Ruhm verraten?"

Und ein Rechtsanwalt aus Neu Delhi, der namentlich nicht genannt werden will, erklärte gegenüber der Deutsche Welle: "Wir können uns gegen China militärisch nicht behaupten, deswegen nutzen wir unsere wirtschaftliche Softpower, um China für sein Verhalten an der Grenze zahlen zu lassen."

sth/AR (dpa, rtr, afp, dw.com) 

 

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