Indien und Pakistan sprechen Drohungen aus | Aktuell Welt | DW | 19.02.2019
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Unruhen in Kaschmir

Indien und Pakistan sprechen Drohungen aus

Zwischen den Atommächten Indien und Pakistan nehmen die Spannungen nach dem Anschlag auf indische Polizisten zu. Pakistans Außenminister bittet die Vereinten Nationen um Hilfe.

Indien Selbstmord-Attentat in Kaschmir (picture-alliance/AP Photo/U. Asif)

Der Anschlag auf einen indischen Militärkonvoi forderte mindestens 40 Opfer

Nach einem blutigen Anschlag im indischen Teil Kaschmirs vergangene Woche eskalieren die Spannungen zwischen Pakistan und Indien. Der pakistanische Ministerpräsident Imran Khan forderte Indien in einer Fernsehansprache auf, Klarheit zu schaffen. "Es ist in unserem Interesse, dass niemand von unserem Boden aus Gewalt verbreitet. Ich will der indischen Regierung versichern, dass wir handeln werden, wenn wir Hinweise gegen irgendjemanden in Pakistan haben", erklärte Khan. Indien solle "aufhören, Pakistan ohne Beweise und Indizien zu beschuldigen", forderte er weiter. Pakistan sei bereit, mit Indien zusammenzuarbeiten, um die Hintergründe des Anschlags aufzuklären. Die indische Regierung sprach von einer "lahmen Ausrede".

Schwerster Angriff seit 30 Jahren

Die Spannungen zwischen beiden Ländern hatten in den vergangenen Tagen zugenommen, nachdem ein junger Mann aus dem indischen Teil Kaschmirs eine Autobombe gezündet und mindestens 40 Angehörige der indischen paramilitärischen Polizeitruppe CRPF getötet hatte. Sie waren in einem Konvoi auf einer Autobahn unterwegs. Die aus Pakistan stammende Terrorgruppe Jaish-e-Mohammed, die seit vielen Jahren in Indien aktiv ist, reklamierte den Anschlag für sich. Es war der tödlichste Angriff auf indische Sicherheitskräfte in Kaschmir seit Beginn des Aufstandes von Separatisten und Islamisten vor 30 Jahren. Indien machte Pakistan für den Anschlag verantwortlich.

Premierminister Narendra Modi von der hindu-nationalistischen BJP gab seinen Sicherheitskräften freie Hand für eine "harte Antwort".  Das Attentat in der Konfliktregion setzt Modi auch deshalb unter Druck, weil sich dieser im Mai der Wiederwahl stellt. Der pakistanische Außenminister, Shah Mehsood Qureshi, sandte UN-Generalsekretär António Guterres nun einen Brief, in dem er um Intervention seitens der UN bat. "Die Vereinten Nationen müssen eingreifen, um Spannungen abzubauen", heißt es darin.

Indien Selbstmord-Angriff in Kaschmir (AFP/H. Naqash)

Indische Sicherheitskräfte auf dem Weg zum Attentatsort

Der Befehlshaber der indischen Armeetruppen in Kaschmir, Generalleutnant Kanwal Jeet Singh Dhillon, erklärte unterdessen in einer Pressekonferenz, die in Kaschmir aktive Führung von Jaish-e-Mohammed sei weniger als 100 Stunden nach dem Anschlag "eliminiert" worden. Er warnte zudem, dass jeder, der in Kaschmir zur Waffe greife, getötet werde.

Angriffe auf Menschen aus Kaschmir

Auch im übrigen Indien sorgte der Anschlag für Spannungen und Unruhen. Medienberichten zufolge griffen Mobs in verschiedenen Teilen des Landes Menschen aus Kaschmir an. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International warnte in einer Mitteilung vor einem "gefährlichen Moment". Die Bevölkerung Kaschmirs ist überwiegend muslimisch, Indien mit seinen 1,3 Milliarden Einwohnern mehrheitlich hinduistisch.

Indische Medien berichteten zudem, mehrere Menschen hätten ihre Arbeitsplätze oder Universitätsplätze verloren, weil sie sich in sozialen Medien pakistanfreundlich geäußert haben sollen. Seit der Unabhängigkeit des früheren Britisch-Indien und seiner Spaltung in Indien und Pakistan im Jahr 1947 beanspruchen die beiden Länder Kaschmir für sich - sie kontrollieren jeweils einen Teil. Die heutigen Atommächte führten bereits zwei Kriege um das Himalaya-Tal.

Die Terrorgruppe Jaish-e-Mohammed ist offiziell in Pakistan verboten, soll jedoch weiter dort operieren. Die Gruppe wird zahlreicher Terroranschläge auf indischem Boden bezichtigt. Dazu zählt ein Anschlag auf das indische Parlament in Neu Delhi 2001, der beinahe einen neuen Krieg zwischen Indien und Pakistan ausgelöst hätte.