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Glaube

In jedem Ende wohnt ein neuer Anfang inne

11. Oktober 2025

Veränderungen machen oft Angst – ob nach der Schule, im Beruf oder im Leben. Doch wer loslässt, kann entdecken, dass in jedem Abschied auch ein neuer Anfang liegt. Ein Beitrag der katholischen Kirche.

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USA | Herbst | Wald | Kentucky
Bild: Lipe Borges/Cavan Images/imago images

Wenn es unter meinen Schuhen knistert, die Blätter der Bäume sich verfärben und nach dem morgendlichen Nebel zum Mittag die Sonne folgt, dann weiß ich: Der Herbst ist da. Für mich liegt in keiner anderen Jahreszeit ein so besonderer Zauber inne. Mit jedem kühleren Tag spüre ich, wie der Sommer in weite Ferne rückt. Es ist ein leiser Abschied voller Schönheit. Der Herbst zeigt mir damit ganz beiläufig: Ich muss keine Angst vor Veränderung haben.  
Wie oft stehen wir vor Momenten, die alles verändern. Sei es zum Beispiel der Wechsel von der Schule in die Uni- oder Arbeitswelt oder ein Jobwechsel später im Leben. Und manchmal verändert der Tod eines geliebten Menschen unser Leben von Grund auf. 
Vielen macht so eine Veränderung Angst. Ich erinnere mich noch gut daran als ich nach der Schule an die Uni ging. Ich hatte Angst. Angst keine Freunde zu finden. Angst das Studium nicht zu schaffen.  
Aber wenn ich mich zurückerinnere, dann wird mir klar, dass ich nicht immer Angst vor Neuem hatte. Ich konnte es kaum abwarten in den Kindergarten zu gehen oder nach dem Kindergarten in die Grundschule. Das Neue machte mir damals keine Angst. Ganz im Gegenteil: Ich war voller Vorfreude.  
Als Kind hat man einen großen Vorteil: Ich mache mir noch nicht so viele Gedanken darüber, was alles Schlimmes passieren kann. Ein Stück kindliche Naivität, die mir über die Jahre verloren gegangen ist. Vielleicht wusste ich als Kind auch: Es ist nicht schlimm, wenn Dinge zu Ende gehen, denn danach wartet etwas Neues auf mich. Vielleicht verlieren wir mit den Jahren nicht nur unsere Unbeschwertheit, sondern auch das Vertrauen, dass Neues Gutes bringen kann. 
 
In der Bibel heißt es: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.“ (Joh 12,24). Das ist ein ganz entscheidender Gedanke beim Umgang mit der Vergänglichkeit. Dinge müssen auch mal enden, damit etwas Neues entstehen kann. Doch viel zu oft halten wir uns krampfhaft an den alten Dingen fest und verpassen so, was alles noch möglich wäre. Wir halten das Weizenkorn in den Händen und trauen uns nicht es einzupflanzen, weil die Angst davor, was passieren könnte, uns lähmt. Wir verhindern Veränderung in unserem Leben, weil wir Angst vor dem Ungewissen haben. Doch eigentlich müssten wir doch alle schon wissen: In jedem Jahr wartet ein neuer Sommer auf uns. Mit neuen Möglichkeiten und Chancen. 
Natürlich bringt nicht jede Veränderung reiche Frucht, aber wenn wir die Veränderung nie zulassen, können wir nicht wissen, was daraus werden könnte. Auch im Glauben bedeutet Vertrauen oft, den nächsten Schritt zu wagen, ohne schon zu wissen, wohin er führt. Und das Beruhigende ist: Auch wenn es der schlimmste Sommer meines Lebens wird. Nach jedem Sommer kommt der Herbst und jeder Sommer wird vorbeigehen.  
 
Und wenn ich so auf mein Leben zurückblicke, dann bin ich immer froh meine Angst vor dem Ungewissen überwunden zu haben. Wenn ich damals nicht an diese Uni in der fremden Stadt gegangen wäre, hätte ich nie die Menschen kennengelernt, die mich heute noch im Leben begleiten. Ich hätte nie neue Stärken und Schwächen an mir entdeckt und wäre ganz sicher heute nicht da, wo ich bin. Hätte ich das Weizenkorn nie eingepflanzt, hätte es nie diese reiche Frucht bringen können. 
 
Die Vergänglichkeit der Dinge ist das, was unser Leben ausmacht. Dieser Gedanke kann einem Angst machen, doch er kann auch befreien. Alles hat ein Ende – das Schöne wie das Schwere. Und gerade das macht das Leben so kostbar. 
 
 
Kurzvita: Susanna Juchem, geboren 1997 in Neuwied. Aufgewachsen in Neuwied-Heimbach-Weis. Bachelorstudium der französischen Kulturwissenschaft und interkulturellen Kommunikation an der Universität des Saarlandes und Masterstudium der demokratischen Politik und Kommunikation an der Universität Trier. Redakteurin bei der Katholischen Hörfunk- und Fernseharbeit.