Imam von Bangui: ″Wir brauchen eine politische Lösung″ | Afrika | DW | 31.01.2014
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Afrika

Imam von Bangui: "Wir brauchen eine politische Lösung"

Der Präsident der islamischen Gemeinde in der Zentralafrikanischen Republik, Imam Kobine Layama, fordert die Entwaffnung aller Konfliktparteien in seinem Land. Im DW-Interview wirbt er für die Übergangsregierung.

DW: Imam Kobine Layama, die Übergriffe durch die vorwiegend islamischen Séléka-Milizen und die überwiegend christlichen Anti-Balaka-Rebellen in der Zentralafrikanischen Republik gehen ungehindert weiter. Welche Rolle spielt die Religion in diesem Konflikt in Ihrem Land? Wie kann die Gewalt beendet werden?

Kobine Layama: Der Konflikt in der Zentralafrikanischen Republik ist ein militärischer Konflikt. Es kommt nur eine politische Lösung in Frage. Wir lehnen die Manipulation der Menschen durch Politiker ab und fordern beide Parteien zu einer sofortigen Entwaffnung auf, um das Schlimmste zu vermeiden. Es besteht die Gefahr, dass es zu weiteren Tragödien und Genoziden in den kommenden Tagen kommt.

Sie haben gemeinsam mit dem Erzbischof von Bangui an die Besonnenheit der Menschen appelliert. Trotzdem geht die Gewalt weiter. Was sollte man unternehmen, damit der politisch-militärische Konflikt sich nicht in einen konfessionellen Konflikt verwandelt?

80 Prozent der Bevölkerung haben unsere Botschaft gehört. Aber es gibt Extremisten auf beiden Seiten, die versuchen, die Menschen für ihre persönlichen Interessen auszunutzen. Die Jugend ist auf der Suche nach Überlebensmöglichkeiten. Sie haben nichts zu tun und sind orientierungslos. Deswegen fordern wir die Entwaffnung der Anti-Balaka- und Séléka-Milizen ohne Bedingungen, denn die UN-Resolution 2127 (vom Dezember 2013, Anm. d. Red.) ist klar. Sie verlangt eine bedingungslose Entwaffnung. Wir unterstützen diese Aktion, damit wieder Frieden in diesem Land einkehren kann.

Sie haben sich vom Geistlichen zu einem Friedensbotschafter gewandelt. Kommt Ihre Botschaft bei den Anti-Balaka und den Séléka an?

Die Anti-Balaka und Séléka müssen eins verstehen: Die Geschichte unseres Landes zwingt Christen und Muslime gemeinsam zu leben. Wir sind ein laizistisches Land. Was passiert ist, hat unserem Land geschadet und wirft uns weit zurück. Die Verbrechen, die im Land stattfinden, gereichen uns Zentralafrikanern nicht zum Ruhm. Wichtig ist jetzt, dass diese Verbrechen nicht mit Rache vergolten werden. Wir geben ein schlechtes Vorbild für unsere Kinder ab, wenn wir uns heute nicht versöhnen, wenn wir nicht gemeinsam an einem Tisch sitzen, um zu schauen, wer was gemacht oder gesagt hat und wer welche Verantwortung trägt. Das Land könnte sich in einen Dschungel verwandeln und sich für lange Zeit nicht weiter entwickeln.

Während Ihrer Reise in Europa haben Sie gesagt, dass Sie eine Botschaft an die neue Übergangspräsidentin Catherine Samba Panza haben. Was beinhaltet diese Botschaft?

Wir erkennen, dass die neue Regierung vor einer gewaltigen Herausforderung steht, was Sicherheit und humanitäre Hilfe angeht. Sie muss die Armee und die Polizei wieder funktionsfähig machen. Damit die Regierung wieder funktionieren kann, muss sie [ihren Mitarbeitern] den Rückstand von fünf Monatsgehältern auszahlen. Wir glauben, dass die neue Regierung sich der Herausforderung bewusst ist, und wir möchten, dass die neue Präsidentin dabei von den Vereinten Nationen begleitet und unterstützt wird. Da sie zu keiner politischen Gruppierung gehört, kann sie eine Chance sein für die Versöhnung in der Zentralafrikanischen Republik.

Sie fordern - wie die Übergangspräsidentin -, dass die ausländischen Truppen in der Zentralafrikanischen Republik in eine UN-Friedensmission umgewandelt werden. Ist das der richtige Schritt, um die Gewalt im Land zu beenden?

Das Land ist sehr groß und wie ein Pulverfass. Daher ist eine internationale Friedensmission, die eine Hilfe für die AU-Truppen in dieser Krise sein kann, notwendig. Logistische Hilfe würde die afrikanische MISCA-Mission effizienter machen. Allerdings fragen wir uns, ob die 600 Soldaten der Europäischen Union, die die MISCA und die Franzosen unterstützen sollen, angesichts der Größe des Landes reichen.

Imam Kobine Layama ist der Präsident der islamischen Gemeinde in der Zentralafrikanischen Republik. Gemeinsam mit dem Erzbischof der Hauptstadt Bangui, Dieudonné Nzapalainga, ruft er seit Monaten Christen und Muslime seines Landes zur Versöhnung auf.

Das Gespräch führte Kossivi Tiassou

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