Im Sog der Tiefe | Fokus Asien | DW | 14.11.2008
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Fokus Asien

Im Sog der Tiefe

Auch die Wirtschaftsmächte in Asien blicken auf den Finanzgipfel nach Washington

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Längst hat die Finanzkrise auch Japan erreicht

An diesem Wochenende kommen in Washington die zwanzig führenden Industrie- und Schwellenländer zusammen, um über Auswege aus der globalen Finanzkrise zu sprechen. Die Auswirkungen dieser Krise sind mittlerweile rund um den Erdball zu spüren. Banken taumeln, die Autoindustrie verzeichnet dramatische Absatzeinbrüche, Wirtschaftsmächte kippen langsam aber sicher in die Rezession.

Von diesem Abstieg bedroht ist auch Japan. Dort hatte man lange Zeit geglaubt, von der Finanzkrise weitgehend verschont zu bleiben. Doch in den letzten Wochen haben etliche Unternehmen ihre Bilanzen offengelegt - und die waren ernüchternd. Die japanischen Banken sind viel stärker von der Finanzkrise betroffen als zunächst erwartet. Japans Autobauer geben eine Gewinnwarnung nach der nächsten heraus. Und der starke Yen schadet der exportorientierten japanischen Wirtschaft zusätzlich. Kein Wunder also, dass der Nikkei in den letzten Wochen in die Tiefe fiel.

Buchcover Baby Halder Kein ganz gewöhnliches Leben

Eine Powerfrau aus der indischen Unterschicht - Baby Halder ist zum Vorbild für viele Leidensgenossinnen geworden

Ein Aufstieg, der die Gemüter bewegt

Auf dem internationalen Büchermarkt haben vor allem die indischen Autorinnen und Autoren eine Chance, die in Englisch publizieren. Auch insofern stellt die folgende Autorin eine ungewöhnliche Ausnahme dar: Das Buch "Kein ganz gewöhnliches Leben" von Baby Halder erschien 2002 zuerst in einer Hindi-Übersetzung, geschrieben von einer Frau in der Regionalsprache Bengali, die das seltene Glück hatte, überhaupt Schreiben zu lernen. Denn Baby Halder stammt aus ärmsten Verhältnissen. Heute ist ihr Buch in 24 Sprachen übersetzt. Zuletzt erschien ihre Autobiographie auf Deutsch.

Zwangsverheiratet mit 12 Jahren

Eine Szene aus dem Buch: "Als ich zur Wasserstelle kam, bemerkte ich, dass mein Mann mir gefolgt war. Er nahm sich nicht die Zeit jemanden irgendetwas zu fragen. Schweigend hob er einen Stein auf und schlug mir damit gegen den Kopf. Meine Stirn platzte auf und Blut schoss heraus. Ich stand bewegungslos da. Shashtis Mutter begann zu schreien: „Sehen Sie hier einen Mann, der mit ihr spricht, dass Sie sie so schlagen müssen?“ kreischte sie. „Hier sind nur Frauen, und sie ist bloss ein schmächtiges Mädchen. [..]“ Still nahm ich mein Kind in die Arme und ging heim. „Was habe ich denn getan, dass du mich so schlägst?“, fragte ich. Kaum hatte ich das gesagt, ergriff er ein dickes Stück Holz und begann, mich auf den Rücken zu schlagen."

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Schuften und Gehorchen - Frauen aus den ärmeren Gesellschaftsschichten in Indien sind der Willkür ihrer Männer oft hilflos ausgefliefert

Vorbild für viele Leidensgenossinnen Baby Halder, die hier ihr Lebensschicksal erzählt, war damals, mit 25 Jahren, schwanger. Heute ist sie 33 Jahre alt. Sie ist in zerrütteten familiären Verhältnissen aufgewachsen und wurde mit zwölf Jahren zwangsverheiratet. Ungewöhnlich ist, dass Baby Halder sich aus dieser Misere befreien konnte. Sie ertrug die Gewalt ihres Mannes viele Jahre, bis sie mit ihren drei kleinen Kindern schließlich Kalkutta verließ – gegen den Widerstand ihrer ganzen Familie und der Nachbarschaft.

Heute spricht Baby Halder für viele andere Frauen, die sich in einer ähnlichen Lage befinden, die vorher keine Stimme hatten und ausgegrenzt waren. Die Autorin ist quer durch Indien gereist, sie war auf Literaturfestivals und in Hochschulen. Sie hat auf Versammlungen der organisierten Hausangestellten gesprochen und ist für viele zum Vorbild geworden. Wenn sie es geschafft hat, warum sollten wir es nicht schaffen, denken viele Frauen. Einige fangen jetzt an, ihre eigene Geschichte aufzuschreiben. Sie hoffen auf eine Chance.

Angaben zum Buch:

Baby Halder:

Kein ganz gewöhnliches Leben.

Übersetzt von Annemarie Hafner

224 S., 14,80 Euro

Draupadi Verlag Heidelberg, 2008

Audio und Video zum Thema

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