Im Reich der Lehrer | Sprachbar | DW | 17.08.2016
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Sprachbar

Im Reich der Lehrer

Lustig oder lahm, streng oder sozial, fleißig oder faul. In der Schulkarriere begegnet man unterschiedlichen Lehrertypen. Aber wo hört der Spaß auf und wo beginnt das Lernen? Unterwegs in der „Kampfzone“ Klassenzimmer.

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Im Reich der Lehrer

Unzählige Sorten der Spezies „Lehrer“ laufen uns im Leben über den Weg. Alle sollen – so das Brockhaus Lexikon – im weitesten Sinne in unterrichtender, unterweisender oder in anderer Weise – richtunggebende Tätigkeit oder Wirkung auf Menschen ausüben. In die Alltagssprache übersetzt heißt das so viel wie: Sie sollen anderen etwas beibringen und andere zum Lernen bewegen. Nur wie das geschieht, ist höchst individuell. Doch gibt es ihn überhaupt, den perfekten Lehrer, die perfekte Lehrerin? Schauen wir uns unterschiedliche Typen mal an, wobei der Einfachheit halber mit „Typ“ sowohl männliche als auch weibliche Lehrkräfte gemeint sind.

Typ unvorbereitet, aber locker

Ein auf einer Tafel mit kreide gezeichnetes Fußballfeld und Spielzügen

Voll im Bilde bei Fußballthemen

„Wo waren wir nochmal stehengeblieben?“ Diesen Satz hört man wohl allzu oft von dem Typ Lehrer, der wieder einmal ohne Vorbereitung in den Unterricht kommt. Völlig chaotisch versucht er, Lerninhalte zu vermitteln.

Mit ein paar lockeren Sprüchen soll die peinliche Situation aufgewertet werden. Flexibilität und Coolness sind seine Markenzeichen. Gekonnt wechselt er vom Unterrichtsstoff zu einem viel spannenderen Thema wie den Bundesligaergebnissen. Spaß hat man dabei zwar schon, fachlich aber lernt man kaum etwas.

Typ frontal, aber souverän

Anders ist das bei dem Typ alteingesessener, konservativer Oberstudienrat. Vom Einsatz neuer Medien hat der noch nie etwas gehört. Sein letzter Stand ist der Overheadprojektor, den er wegen der komplizierten Technik nicht nutzt. Sein Werkzeug erster Wahl ist die gute, alte Tafel mit Kreide. Selbst das neue Whiteboard mit den Filzstiften fasst er nur in Notfällen an.

Souverän gestaltet er seinen Unterricht frontal, will heißen: Er steht vorne und redet, die Schüler schreiben brav mit. Gespräche und Arbeitsblätter sind unerwünscht. Während seine Schüler ungeduldig auf das Ende der Stunde warten, sehnt er sich nach seinem Ruhestand.

Typ motiviert, aber infantil

Völlig konträr ist der Typ jung und supermotiviert. Als frischgebackener, diplomierter Pädagoge stürzt er sich voller Elan auf seine Schüler. Das an der Universität Gelernte will ja in der Praxis ausprobiert werden.

Drei Schüler sitzen konzentriert an einem Tisch und beschäftigen sich mit Texten.

Geht immer: Gruppenarbeit

In jeden Kurs muss Abwechslung gebracht werden. Gruppenarbeit, Partnerarbeit, Projektarbeit, Stationenarbeit – ihm fällt immer etwas Neues, pädagogisch Wertvolles ein. Während die Schüler dabei angestrengt stöhnen, benimmt sich dieser Typ plötzlich selbst wie ein Kind und wirft dabei seine Stundenplanung völlig durcheinander. Zu hoffen ist, dass er mit den Jahren ruhiger wird, aber seine Lust auf einen spannenden Unterricht beibehält.

Typ überqualifiziert, aber durchsetzungsschwach

Anstrengend ist es auch, wenn jemand eigentlich gar nicht Lehrer werden wollte. Das verkannte Genie, das sein ganzes Leben unterschätzt wurde und nur durch Umwege und mangelnde Alternativen zum Lehrerberuf kam. Gerne wäre dieser Lehrer in der Wirtschaft oder Wissenschaft untergekommen, was ihm aber aus unverständlichen Gründen nicht möglich war.

So kämpft er gegen vermeintlich inkompetente Schüler, die sich seinem Fachwissen verweigern. Er fühlt sich überqualifiziert und kann sich nicht durchsetzen – seine Schüler tanzen ihm auf der Nase herum und spielen ihm gerne einen Streich.

Typ interessiert, aber streng

Junge Klassenzimmer Schule Deutschunterricht Ungarn

Eigentlich ist er nicht der Traum aller Schüler, aber ...

Der leidenschaftliche Typ dagegen kann bei jedem seiner Schülerinnen und Schüler Interesse für sein Fach wecken. Man hört ihm gerne zu, auch weil er über den Tellerrand seines Fachs hinaus blickt. Für ihn ist es wichtig, dass seine Schüler aus seinem Unterricht etwas für ihr Leben mitnehmen.

Er ist kompetent, weiß wovon er spricht, erwartet aber auch Leistungen. Hausaufgaben und Pünktlichkeit sind ihm wichtig, mancher empfindet ihn als zu streng. Rückblickend gehört er aber zu denjenigen, bei denen man am meisten lernt.

Der Kosmos aller Typen: das Lehrerzimmer

Symbolbild: Ein Mann hat entnervt seinen Kopf auf die Glasplatte des Kopierers gelegt

Schon wieder kein Kopierpapier!

Richtig spannend wird es dann im heimlichen Reich aller Lehrer, dem Lehrerzimmer, wo die unterschiedlichen Typen aufeinandertreffen. Dort gibt es natürlich auch Mischformen, weitere einzigartige Exemplare und bisher völlig unentdeckte Spezies.

Friede, Freude, Eierkuchen herrscht hier allerdings nicht immer: Kurz vor Unterrichtsbeginn streitet man sich am Kopiergerät, irgendwer hat sich nicht korrekt in die Liste für den Fernseher eingetragen und das Kaffeepulver hat auch schon jemand wieder aufgebraucht und kein neues mitgebracht.

Betreten verboten!

Für Schüler ist das Lehrerzimmer in der Regel eine Art Heiligtum. Betreten verboten! Wer es dennoch versucht, wird – bevor er den jeweiligen Lehrer gefunden hat– meist schon mit den Worten „Du hast hier nichts zu suchen!“ hinausgeschickt.

Symbolbild: Eine Tür mit der Aufschrift Lehrerzimmer. Darunter ein Aufkleber mit Stop und dem Hinweis auf Mülltrennung

Das Lehrerzimmer: eine Art Heiligtum

Hätte man ihn hier vielleicht gefunden: den perfekten Lehrer? Und, was heißt schon perfekt? Vielleicht entpuppt sich ja erst Jahre später gerade derjenige, den man eigentlich überhaupt nicht leiden konnte, als der Lehrer, bei dem man am meisten gelernt hat?

Die Schule des Lebens
Nun, egal, ob sie etwa unvorbereitet, locker, konservativ, souverän, kindisch, überqualifiziert, durchsetzungsschwach oder streng sind: Man lernt von allen Lehrern – ob man möchte oder nicht. Und schlussendlich ist es gerade dieses Sammelsurium unterschiedlicher Spezies, das sie entscheidend prägt: die Schule des Lebens.




Arbeitsauftrag
Nicht immer macht Unterricht Spaß. Erinnert ihr euch an die lustigsten Momente in eurer Schulzeit? Habt ihr den Lehrern vielleicht auch mal einen Streich gespielt? Schreibt jeweils drei kleine Schulgeschichten auf: zwei Geschichten sind frei erfunden, eine stimmt. Finden die anderen im Kurs heraus, welche die richtige ist?

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