Im Angebot: Hitlers Mercedes | Amerika - Die aktuellsten Nachrichten und Informationen | DW | 17.01.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Autos

Im Angebot: Hitlers Mercedes

An diesem Mittwoch wird in den USA ein Paradefahrzeug Adolf Hitlers versteigert. Es ist eines von 88 seiner Art aus dem Mercedes-Werk in Sindelfingen. Das Auktionshaus ist sich der heiklen Umstände bewusst.

Für das Auktionshaus Worldwide Auctioneers im US-Bundesstaat Arizona geht es bei der Versteigerung um "das historisch bedeutendste Automobil, das jemals öffentlich zum Verkauf angeboten wurde". Das dürfte kaum übertrieben sein. "Historisch bedeutsam" wäre zwar auch eine frühere amerikanische Präsidentenlimousine oder der Wagen eines Popstars. In der Spalte "Besteller" auf dem schlichten Formular an Daimler-Benz in Sindelfingen vom 30.9.1938, das das Auktionshaus mit veröffentlicht, steht allerdings "der Führer und Reichskanzler". Dass Hitlers eigenes Paradefahrzeug jetzt in sehr gutem Zustand zum Kauf angeboten wurde, gilt tatsächlich als Sensation - und als ähnlich umstritten wie andere Gegenstände, die an den deutschen Diktator erinnern und "unter den Hammer kommen".

Die Geschichte des Fahrzeugs mit dem Kennzeichen 1A 148461 ist akribisch dokumentiert. Hitlers Fahrer, SS-Obersturmbannführer Erich Kempka, kümmerte sich persönlich um die Bestellung des Wagens, der Ende Juli 1939, kurz vor Kriegsbeginn, ausgeliefert wurde.

Ein Auto der Superlative

Bereits das Serienmodell, der 770 K "Großer Mercedes", werksintern auch W150 genannt, war ein Superlativ. Er war sechs Meter lang und bot bis zu acht Personen Platz. Angetrieben wurde er von einem Achtzylindermotor mit dem gigantischen Hubraum von 7,7 Litern, also fast einem Liter pro Zylinder! Dank Kompressor erreichte er bis zu 230 PS und eine Höchstgeschwindigkeit von rund 160 Kilometern pro Stunde, für einen Straßenwagen damals unglaubliche Werte. Nur 88 Stück des Typs W150 produzierte das Mercedes-Werk Sindelfingen zwischen 1938 und 1943. Ausländische Kunden waren zum Beispiel der japanische Kaiser Hirohito, der König von Norwegen, Spaniens Diktator Franco und der Papst. Das Auktionshaus preist den Typ 770 K in den höchsten Tönen. Er sei die "wahrscheinlich weltweit größte Leistung in Sachen Automobildesign, Ingenieurskunst und Technik", sagt Rod Egan, der Experte von Worldwide Auctioneers, der das Auto verkaufen wird.

Deutschland Adolph Hitler im Olympia Stadium 1939 (picture-alliance/Everett Collection)

Hitler in einem anderen "Großen Mercedes" im Berliner Olympiastadion

Das Serienmodell war aber nur die Grundlage für die Führerlimousine. In Handarbeit wurde der Wagen sicherheitstechnisch aufgerüstet. Die Scheiben bestanden laut Unterlagen von Worldwide Auctioneers aus 40 Millimeter starkem Panzerglas, die Karosserie aus 18 Millimeter starkem Panzerstahl. Doch angesichts der Tatsache, dass es sich um ein Cabrio handelte, in dem Hitler meist stehend die Huldigungen der Bevölkerung entgegennahm, war die Panzerung von nur begrenztem Wert. Das Gewicht des Wagens stieg durch die Panzerung auf fast fünf Tonnen, der Verbrauch auf heute unfassbare 38 Liter pro 100 Kilometer. Bei einem Tankinhalt von 300 Litern kam man trotzdem mit einer Füllung noch recht weit.

Wechselvolle Geschichte

Hitler nutzte den Mercedes als wichtigsten Paradewagen, so 1940, als der Sieg über Frankreich gefeiert wurde, oder beim Besuch des italienischen Diktators Benito Mussolini, als beide, nebeneinander stehend, durch die Straßen von München fuhren. Der jetzt zum Verkauf stehende Mercedes ist deswegen auf zahlreichen zeitgenössischen Filmen und Fotos verewigt. Doch als sich für Hitler spätestens 1942 das Kriegsglück wendete, fanden auch keine Autoparaden mehr statt. Hitlers Mercedes wurde schließlich gegen Ende des Krieges von den US-Streitkräften in Frankreich beschlagnahmt, diese wussten allerdings nichts von seinem prominenten Vorbesitzer. Nach dem Krieg gelangte der Wagen kurz in den Besitz eines Belgiers, wurde dann in die USA verkauft, wechselte dort mehrfach den Besitzer, ging schließlich wieder nach Europa. Wer den Wagen im Moment besitzt, dazu schweigt das Auktionshaus.

USA Hitlers Mercedes wird versteigert (picture-alliance/Worldwide Auctioneers/Cover Images)

7,7 Liter Hubraum, 230 PS, 6 Meter lang, gepanzerte Karosserie, fast 5 Tonnen schwer

Das Auktionshaus hofft auf den 'richtigen' Käufer

Hitlers Mercedes war auch ein Propagandasymbol der Nazis. Darf man dieses Fahrzeug dann öffentlich versteigern? Immerhin könnte ein Neonazi heute den Wagen kaufen und erneut zum rechten Kultobjekt machen. Worldwide Auctioneers tut alles, um solche Vorwürfe zu zerstreuen. Es gehe nicht darum, einen Diktator zu verherrlichen, so Rod Egan. Doch der Wagen habe sich "seinen Besitzer und seinen Zweck nicht ausgesucht", er müsse auch unabhängig von seinem Einsatz gesehen werden. Technisch sei er "das Höchste der Handwerkskunst" und letztlich viel mehr als ein Auto. "Es ist ein Artefakt, das als ein einzigartiges Stück unersetzlicher lebendiger Geschichte dient und daran erinnert, dass das Böse, das Teil seiner Geschichte ist, niemals wiederkehren darf. Wir hoffen, dass es in einem Umfeld wie einem öffentlichen Museum oder einer öffentlichen Sammlung eingesetzt wird." Egal, ob dieser Wunsch in Erfüllung geht - zehn Prozent des Erlöses sollen in Projekte zur Aufarbeitung des Nationalsozialismus und des Holocaust fließen.

Erich Kempka schließlich, Hitlers Fahrer, hatte nicht nur den gepanzerten Mercedes im Namen seines Herrn bestellt und den Wagen gesteuert, er sorgte am Ende auch mit für die Beseitigung der Leichen von Adolf Hitler und Eva Braun - mit Benzin aus verbliebenen Fahrzeugen der Führerflotte.